Groundhopping

FC Köln – Eintracht Frankfurt (04.04.17)

Den spielfreien Montag widmeten wir dem Erkunden der Domstadt. Auch nach diversen Besuchen bleibt mir Köln weiterhin sympathisch. Dieses Mal wusste vor allem der Sonnenuntergang von der Promenade am Rheinufer aus zu überzeugen. In kulinarischen Belangen verzückte das Restaurant «Pfeffermühle» am Heumarkt unsere Reisegruppe.

Auch mit dem abendlichen Bundesliga-Klassiker in Aussicht spielte das Wetter perfekt mit und wir genossen einen sonnigen Dienstag mit viel Kölsch und Erzeugnissen aus währschafter Küche in der Altstadt. Vorab hatte ich mir für das heutige Spiel etwas „Insiderinformationen“ beschaffen, wo denn heute am ehesten der Schmelztiegel beider Fanlager liegen würde. Immerhin ist dies ein Flutlichtspiel zwischen zwei verfeindeten Fanlagern. So also standen wir bereits zwei Stunden vor Spielbeginn in einem der Pubs bei der alten Militärkaserne. Nach kurzer Zeit liessen uns die ersten Polizeisirenen aufhorchen und wir folgten den Lauten der Strasse aufwärts. Kaum an der nächsten Kreuzung angekommen, ist von der rechten Seite her ein Mob von gut 200 Fans auszumachen. Also nichts wie weg hier, zumal auf den ersten Blick nicht ersichtlich war, ob es sich hier nun um den Frankfurter C-Haufen oder andere fiese Kerle handelte. Während Thomas und Cedric das Momentum auf ihrer Seite hatten und irgendwie noch wegkamen, versperrte mir ein Bus den Weg und ich geriet mitten in die Meute. Da bekommt der Slogan des ehemaligen Sportsenders DSF eine völlig neue Bedeutung. So wirklich schön ist es aber nicht, wenn man «mittendrin statt nur dabei» ist. Bereits jeden Moment einen Schlag im Rücken oder Nackenbereich erwartend, rannte ich los. Dies war aber auch das Ziel des Mobs, der nun im Laufschritt auf das Stadion zusteuerte. Darauf hatte die Staatsmacht nur gewartet. Kaum hatte ich mich versehen, bekam ich ein paar Schläge gegen die Brust, ehe ich mit einem Griff an der Gurgel gegen einen Baum gedrückt wurde. FC Köln hautnah, das einmalige Matcherlebnis-Package also!

Mittlerweile dämmerte mir auch, dass es sich bei der Meute um den Kölner Ultra- und SV-Haufen handelte. Dieser wollte auf den Stadionvorplatz, wo ein Aufeinandertreffen beider Anhängerschaften für die Staatsmacht deutlich schwieriger zu unterbinden sein würde. Zurück aber zur momentanen Situation und damit zum Würgegriff. Dieser wurde irgendwann gelockert. Doch damit war noch nicht Schluss. Im Gegenteil, denn als ich meine missliche Lage erklären wollte, wurde ich mit Pfefferspray und Kraftausdrücken zurück in die mittlerweile festgesetzte Gruppe gedrängt. So das war es nun also, dachte ich. Statt Bundesliga gibt es für mich heute Abend eine Personenkontrolle sowie tränende Augen mit Reizhusten garniert. Und zwar zum hier Essen!

Nur durch eine kleine Unachtsamkeit eines dämlichen Bereitschaftpolizisten konnte ich nach einigen Minuten über die Gleise der Aachener Strasse davonkommen. In den Medien wurde «mein Haufen», insgesamt etwa sechzig Leute, übrigens des Landfriedensbruchs verzeigt. Gegen haltlose Polizeiwillkür!

Erstes Ziel war nun das Pflegen der Schleimhäute, ehe die beiden anderen Herrschaften ganz in der Nähe wieder gefunden wurden. Von einer netten Dame gab es noch etwas Cola gegen den Reizhusten. Viel Zeit war trotz den Geschehnissen nicht vergangen, sodass uns noch immer eine gute Stunde vom Anpfiff trennte. Auf der grossen Wiese positionierten sich nun Reiterstaffeln und Hundeführer, die mit ihren kläffenden Vierbeinern die angespannte Situation veranschaulichten. Irgendwann war es soweit und Frankfurt marschierte von der Ordnungsmacht in grosser Zahl flankiert einmal quer über die Vorwiese. Es blieb ruhig.

Apropos. Im Stadion ebenfalls, denn die Kölner-Fans rund um die Wilde Horde hielten einen Stimmungsboykott für die draussen festgesetzten Jungs sowie die unfreundliche Anspielzeit ab. Der Frankfurter Block füllte sich für einen Wochentag ganz ordentlich, wobei vor allem die schwarzgekleidete Fraktion in Zaunnähe Eindruck hinderliess. Lediglich für die etwas skurrile Materialpräsentation gibt es hier kleine Abzüge. Auf Seiten der Kölner pendelte sich der Support im zweiten Durchgang im oberem Bundesligadrittel ein. Vor lauter Drumherum kommt im Beitrag der Hauptgrund des Besuches wieder einmal viel zu kurz, ich weiss. Wirklich mitreissend war die Partie vor 49’300 Zuschauern, darunter Madame Merkel, aber auch nicht. Kölle besiegte die Frankfurter durch ein Pfostentor von Jojic mit 1:0. Damit darf der Effzeh weiterhin von Europa träumen. Für unser Trio ging damit eine gelungene Reise zu Ende. Danke fürs Mitkommen oder fürs Mitlesen!

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5. Mai 2017