Groundhopping

FC Lahti – IFK Mariehamn (29.07.17)

Vorbei an Strassenschildern, die vor Elchen auf der Fahrbahn warnen, steuerte ich den Wagen an diesem Morgen die rund dreihundert Kilometer südlich nach Lahti. Bekannt ist die siebtgrösste Stadt Finnlands vor allem des Wintersports wegen und hat darum wenig verwunderlich seit einigen Jahren auch eine Partnerschaft mit der deutschen Gemeinde Garmisch-Partenkirchen inne. Seit beinahe 100 Jahren finden im Winter hier nun schon die Skispiele statt. Nebst der Paradedisziplin Biathlon wird den meisten Lesern wohl die Skisprungschanze in Erinnerung sein. So zumindest meiner Existenz, der Lahti bisher nur ein Begriff in diesem Zusammenhang war. Damals, als mein kleines Eigen jeweils freudig gespannt dem Simon Ammann zugeschaut hatte, wie er der Konkurrenz regelrecht um die Ohren flog.

Mittlerweile sind einige Jahre vergangen und der Grund, warum ich hier aufkreuze ist nicht etwa der Wintersport. Nein, direkt neben der Flugschanze wird nämlich erstklassig Fussball gespielt. Damit ist übrigens die Spielklasse und nicht das Niveau gemeint, auch wenn heute mit dem IFK Mariehamn der amtierenden Meister zu Gast ist. Dieser hat eine ziemlich lange Anreise hinter sich, schliesslich liegt die 12’000-Einwohner-Gemeinde auf Åland und ist damit Hauptstadt der gleichnamigen autonomen Region, welche mittig zwischen dem Festland von Schweden und Finnland liegt.

Bevor es auf dem satten Grün aber zum Kräftemessen kommen sollte, nahmen wir uns Zeit, die nebenanliegende Schanze etwas näher zu erkunden. Möglich gemacht wird dies durch einen Lift im Schanzensockel sowie einer vorausgehenden Fahrt im Sessellift, der jeweils auch von den Athleten genutzt wird. Von oben bietet sich dem Besucher eine wunderbare Aussicht über den Stadtkern von Lahti, das Fussballstadion sowie das Langlaufgelände. Wieder unten angekommen, wechselten an den Eingangstoren zum Stadion drei Eintrittsberechtigungen zu jeweils zwölf Euro den Besitzer.

Dafür bekam unser Trio ein äusserst unterhaltsames und torreiches Spiel gezeigt. Der Fusionsverein von 1996 geriet gegen den Meister früh in Rückstand. Statt durch den Treffer einzubrechen, zeigten die Gastgeber aber eine eindrückliche Reaktion. Nicht weniger als vier Treffer wurden innerhalb von dreizehn Minuten erzielt und damit das Score bereits vor der Halbzeitpause in gewünschte Bahnen gelenkt. Die 2’778 Zuschauer gab es zu beneiden, zumal nicht nur das Wetter sowie die Lieblinge mitspielten, sondern auch die Aussicht das Prädikat „einmalig“ verdient. Nach dem Seitenwechsel ging es in gleichen Stile weiter und die Hausherren legten zwei weitere Treffer nach. Der total überforderte Favorit in Grün-Weiss konnte mit dem Anschlusstreffer zum 6:2 in der Nachspielzeit nur noch irrelevante Resultatkosmetik betreiben. Trotz überschaubarem Niveau auch für uns als neutrale Zuschauer ein äusserst gelungener Nachmittag mit einem Panorama, welches jedem Fussballfan ans Herz gelegt sei.

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3. September 2017