Wenn es einen Ort gibt, an dem man nachts ohne Sorgen durch die Strassen schlendern kann, dann sind es die Färöer-Inseln – nicht nur, weil es im Sommer praktisch nie dunkel wird. Ein Grill auf dem Balkon der Polizeihauptstelle und ein freundliches Winken, nachdem ich meine Begleitung darauf hinweise, unterstreichen die extrem niedrige Kriminalitätsrate auf amüsante Weise. So zählt Torshavn zu den sichersten Hauptstädten der Welt – auch wenn die Färöer streng genommen zu Dänemark gehören und als autonome Region mit Verwaltungsrecht in solchen Rankings selten berücksichtigt werden.

Dänemark liegt allerdings über tausend Kilometer entfernt, und auch unsere vorherige Reisedestination Island trennt eine 19-stündige Fahrt mit der Fähre. Mit nicht einmal 15’000 Einwohnern bildet Torshavn das nationale Zentrum der Insel Streymoy. Die Hauptstadt beherbergt neben der Altstadt mit ihrer ungewöhnlichen Kirche und den typischen grasbewachsenen Dächern auf Tinganes auch die historischen Parlaments- und Handelsgebäude.

Doch auch das beschauliche Torshavn wächst und dehnt sich vor allem an den Südhängen weiter aus. Aus dem Stadtteil Argir stammt auch Zweitligist Argja Boltfelag, kurz AB, die dritte Kraft in der Hauptstadt hinter den Schwergewichten HB und B36. Ihre Heimspiele trägt die Fahrstuhlmannschaft, derzeit Tabellenzweiter mit Ambitionen auf die Rückkehr ins Oberhaus, im Stadion «in der Bucht» (Inn i Vika) aus. Die Anlage liegt erhöht und bietet von der Tribüne aus einen schönen Blick auf ebendiese sowie die Insel Nolsoy.

Meine Frage nach einer Toilette führt mich wenige Minuten vor Anpfiff direkt in die Garderobe der Gäste. An der Tafel stehen noch die Anweisungen für die Reserve von Vikingur Gota, während die erste Mannschaft der Vikinger in der Qualifikation zur Gruppenphase der Conference League steckt. Die Zweitvertretung weist nur drei Spieler über 20 Jahre aus und bezahlt trotz letzter Taktiktipps einiges an Lehrgeld: Gastgeber AB lässt den Jungspunden vor 100 Zuschauern keine Chance und fertigt sie auf dem Kunstrasen diskussionslos mit 3:0 ab.