Groundhopping

Aberdeen FC – Rangers FC (09.04.17)

Das Duell um die schottische Vizemeisterschaft sollte also ausschliesslich denjenigen Anhängern vorbehalten sein, die ihre Treue den «Dons» gegenüber auch durch eine gewisse Anzahl an «Loyality Points» beweisen können.

Der unschöne Trend aus England hat somit auch den hohen Norden Schottlands erreicht. Zwar kann nun argumentiert werden, dass dadurch Karten ausschliesslich an regelmässige Stadiongänger gehen und sich daher keine Touristen oder Groundhopper bei grossen Spielen im Stadion befinden, jedoch fördert diese Entwicklung auch den Kommerz. Denn wer etwas tiefer in die Tasche greift, äh seine Treue zum Club noch besser zum Ausdruck bringen will, kann sich nämlich eine Mitgliedschaft mit Vorverkaufsrecht erwerben und damit die vorherrschende Problematik in diesem Falle simpel umgehen.

Und so finde ich mich einmal mehr in der ungewissen Situation wieder, in der ich mich frage, ob das Hauptspiel der Reise gegen den «Arch Enemy» wirklich ohne meine Wenigkeit über die Bühne gehen wird. Beruhigend ist hier jeweils einzig und allein die Tatsache, dass es in solchen Fällen bisher praktisch immer irgendeinen Weg gegeben hat. Die erste Option mit einer Mailanfrage an den Club wurde jedoch harsch abgewiesen. Blieb noch der zweite Weg, den ich jedoch deutlich weniger gern gehe. Derjenige über das Fan-Forum. Hier probierte ich also, mein Eigen als Fan der Reds aus der Schweiz zu verkaufen. Lange biss keiner an und es gab zum Teil, wie zuvor bereits vom Club, ziemlich direkte Antworten. «Don’t worry mate, game is on TV anyway» ist hierbei übrigens mein Favorit. Gut eine Woche vor der Partie fand sich aber eine Nachricht in meinem Postfach, in der sich ein gewisser “Gav” dazu bereit erklärte, mir zwei Tickets nach Wahl, zu besorgen. You Sir, are my hero! Die beiden Eintrittskarten lagen bei der Ankunft tatsächlich wie erhofft hinter dem Hoteltresen. Die Freude darüber war gross und brachte mir sogar ein schlechtes Gewissen ein, zumal der nette Herr trotz mehrmaligem Nachfragen darauf beharrte, mir die beiden Karten zu spendieren.

Und so kommt es, dass an dieser Stelle eben doch über diesen brisanten Klassiker berichtet werden darf. Der Anpfiff erfolgte am Sonntag bereits um die Mittagszeit, wobei wir es gemächlich angingen, da das Pittodrie von unserer Unterkunft aus nur einen Gang über den Hügel nebenan bedeutete. Von dort aus ist das Stadion, welches nach über hundert Jahren bald ausgedient hat, nochmals schön zu sehen. Eine ähnliche Zeitspanne lang spielt der momentane Vizemeister nun übrigens auch schon ununterbrochen in der ersten Spielklasse. Die sportlichen Glanzzeiten der Ölhauptstadt Europas liegen allerdings ebenfalls schon ein Weilchen zurück. Damals in den achtziger Jahren unter dem bekannte Sir Alex Ferguson gewann Aberdeen diverse Titel. Es war die Zeit, in der man mit den «Aberdeen Soccer Casuals» auch über eine der einflussreichsten Fangruppierung der Insel verfügte.

Aber zurück in die Gegenwart; zurück ans Nordseeufer ins Stadion. Hier nehmen Luigi und ich Platz auf der Hintertortribüne mit bestem Blick auf den proppenvollen Gästeblock und das Spielgeschehen. Bereits nach wenigen Minuten kann gesagt werden, dass die 19’332 Zuschauer den Spitzenkampf sehr emotional mitverfolgen. Aber auch für uns als neutrale Beobachter bietet das Spiel mit seinen vielen Chancen auf beiden Seiten einiges an Unterhaltung. Für das erste Tor muss aber bis in die 79. Minute gewartet werden. Dann sind es die Rangers, die zur vielumjubelten Führung treffen. Damit ist der Bann gebrochen, denn nur drei Zeigerumdrehungen später steht es bereits 0:3 für den Gast aus Glasgow, dessen Anhänger nun vom Gesang her mächtig Gas geben. Zu viel für einige Aberdeen-Fans, denn prompt flog ein Rauchtopf auf das Spielfeld. In solchen Momenten ist es immer wieder amüsant mitanzusehen, wie umständlich sich die britische Staatsmacht beim Versuch anstellt, das Feuer mit einer langen Zange und Gesichtsmaske bewaffnet, im Keim zu ersticken.

Die übersichtliche Stadt Aberdeen ist vor allem wegen ihres Ölvorkommens vor der Küste bekannt. So sieht man viele Tanker sowie Helikopter zu den Offshore-Plattformen hinausfahren- und fliegen. Durch den beim Bau der grossen Gebäude, welche unterer anderem vom Architekt Archibald Simpson stammen, verwendeten silbergrauen Granit schimmert die Stadt im Sonnenlicht und ist auch als «Silver City» bekannt. Zum Reiseabschluss bekamen wir noch einen traumhaften Sonnenuntergang serviert, von dem ich meiner Leserschaft einige Impressionen natürlich nicht vorenthalten möchte.

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16. Mai 2017