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AC Milan – Sampdoria Genoa (28.11.15)

Im vorletzten Jahr des 19. Jahrhunderts gegründet, gehört die AC Milan meiner Meinung nach zweifellos zu den grössten Vereinen der Welt. In der damaligen Zeit war die Mannschaft allerdings auch noch von Charaktertypen gespickt. Angefangen hat dies beim Torhüter Dida über Innenverteidiger Paolo Maldini bis hin zu den beiden Strategen Andrea Pirlo und Kaka, die wiederum Pippo Inzaghi bedienten und die Rossoneri damit zu einem der gefürchtetsten Teams Europas machten.

Dem letzten in dieser Reihe von Ausnahmetalenten kam sogar noch die (zweifelhafte?) Ehre meines ersten Fussballtrikots mit Namen darauf zuteil. In jenen Jahren war das grösste Stadion des Landes am Wochenende jeweils voll und auf den Rängen der Curva Sud herrschte mit der Fossa dei Leoni einer der grössten Ultragruppierung in Italien. Einen herben Rückschlag für Milans Fankultur galt es im Spätjahr 2005 zu verkraften, als die FdL ihre Zaunfahne unter Androhung von Waffengewalt bei einem Auswärtsspiel an die Vikings von Juventus Turin verloren. Wie im „Ultratum“ üblich, war dies der Anstoss für die Auflösung der „Löwenhöhle“ nach rund 38 aktiven Jahren als prägende Ultragruppierung im nationalen Bereich.

Einige Jahre später begann auch die sportliche Talfahrt, neben dem Sinneswandel von Silvio Berlusconi mitunter hervorgerufen durch den Weggang von diversen langjährigen Weggefährten, welche die AC allesamt zum Saisonende hin verliessen. Dazu gehören neben den obengenannten Namen auch Akteure wie Gattuso, Nesta, Ronaldinho oder Seedorf.

Geblieben ist das grösste Stadion Italiens mit dem Doppelnamen. Während der Heimspiele der AC Milan nennt man es das San Siro, bei Inter trägt es den Namen Giuseppe-Meazza-Stadion. Ansonsten ist beim 7-maligen Champions League sowie 18-facher Scudetto Sieger, nicht mehr viel übrig, was vom Glanz der alten Tage zeugt. So ist die Spielstätte in der einzigen Stadt mit zwei CL-Sieger auch nur noch im Derby della Madonnina gegen Inter gut gefüllt.

Heutzutage, in der Zeit nach Andrij Shevchenko, stehen beispielsweise mit Niang zweifellos weiterhin Ausnahmetalent auf dem Platz, nun aber solche, wie dies auch das Beispiel Carlos Bacca eindrücklich beweist, keinen Spielwitz oder Elan mehr versprühen, sondern lieber mit vorgesetztem Unterkiefer und Schlafzimmerblick lustlos über den Platz schleichen.

Zum heutigen Duell gegen die Sampdoria aus der Hafenstadt Genoa blieb der oberste Rang komplett geschlossen und lediglich 32’368 Zuschauer sahen einen verdienten 4:1 Heimerfolg für die Rot-Schwarzen. Die Gäste, dessen Logo die Silhouette des Pfeife rauchenden Seemannes Baciccia zeigt, waren die ganze Spieldauer über unterlegen. Obschon Italien und vor allem auch Milan nach der Zeit von Ancelotti und Shevchenko nicht mehr das Alte ist hat mir der Ausflug gefallen. Es gibt Hoffnungsschimmer, auch auf der sportlichen Ebene, beispielsweise mit dem 16-jährigen Torhüter Donnarumma, der heuer wieder das Tor hüten durfte.

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28. November 2015