«Vielleicht nach Teneriffa eine Woche Sandstrand.» Für die Fans aus Aberdeen wird diese Zeile aus einem im deutschen Sprachraum überbeanspruchten Fangesang Realität, wenn auch nicht auf den Kanarischen Inseln, aber ebenfalls bei knapp 30 Grad in Zypern. Tatsächlich ist es ein erhabenes Gefühl, wenn du deine Lieblingsmannschaft an ein internationales Pflichtspiel eine halbe Stunde von Ayia Napa entfernt begleiten kannst. Beinahe wäre auch ich vollständig dieser Euphorie erlegen, hätte mich nicht am Strand neben all den Schotten und Russen liegend die plötzliche Erkenntnis ereilt, dass ich auf dem morgendlichen Flug meine Kamera im Flieger zurückgelassen habe.

Immerhin liegt der grösste Flughafen des Landes in Larnaka und damit unweit des abendlichen Austragungsorts, sodass Zeit für den Umweg bleibt. Die Kamera konnte ich nach der Reise denn auch tatsächlich unversehrt in Zürich wieder in Empfang nehmen. Für die Dauer des Aufenthalts war ich jedoch ohne sie unterwegs – mit entsprechenden Abstrichen bei der Bildqualität. Trotz der mit 50’000 Einwohnern überschaubaren Grösse ist Larnaka die drittgrösste Stadt in einem Land, das zuletzt in den europäischen Klubwettbewerben überraschte. So sorgte etwa der von russischen Investoren finanzierte Paphos FC für Furore und qualifizierte sich für die Champions League. Die AEK Larnaka ist als Pokalsieger in der laufenden Spielzeit immerhin in der Conference League vertreten und generell regelmässig auf europäischem Parkett unterwegs. Dabei liegt Zypern geografisch gar nicht in Europa, zählt aber zur UEFA und führt auch den Euro. Nach Syrien sind es 150 Kilometer, in die Türkei gar nur halb so weit, während die kulturelle Prägung griechisch ist – und Griechenland knapp 1000 Kilometer entfernt liegt.

Noch weiter ist die Reise für die heutigen Gäste aus Aberdeen, besonders angesichts der Tatsache, dass sie bis anhin das punktlose Schlusslicht in der Ligaphase darstellen. Satte 3600 Kilometer trennen den Norden Schottlands und die Südküste Zyperns. Zwar ist es fantechnisch nicht das Traumlos, aber für die reisefreudigen und wenig fankulturaffinen Schotten doch solide. Wie der Klub liegen auch die Fans hinter den nationalen Aushängeschildern zurück, vereinen an diesem Abend aber eine ansprechende Menge hinter den Zaunfahnen der «Larnaka Guardians» und «Larnaka Hardcore». Der Klub ist professionell geführt und besitzt ein eigenes Stadion, was selten ist in Zypern. Der moderne Bau in den gewöhnungsbedürftigen Klubfarben Grün und Gelb liegt direkt neben dem GSZ-Stadion, der einstigen Heimat bis 2016. Insgesamt ist die AEK eine noch junge Erscheinung, der im Palmarès ein Meistertitel fehlt. Die Gründung erfolgte offiziell erst 1994, zuvor spielten sie in der Stadt etwa unter dem speziellen Namen «Alki Larnaka» Fussball.

In einem schwerfälligen Spiel haben die Gastgeber mehr Chancen, bei einem Konter in der Nachspielzeit wird ihre fehlende Effizienz aber fast bestraft. Der aufgeblähte Wettbewerb macht die sportliche Komponente eher zur Pflichtübung, auch wenn exotische Duelle aus Fansicht bisweilen interessant klingen. So finden sich denn auch nur 4770 Zuschauer, die ein 0:0 sehen wollen, bei dem beschränkte zypriotische Spielintelligenz auf schottisches Abwehrrowdytum trifft.