Limassol bietet erstaunlich wenig Sehenswertes. Die mit 150’000 Einwohnern zweitgrösste Stadt, in der griechischen Sprache Lemesos genannt, liegt an der zypriotischen Südküste und besitzt lediglich einen kleinen historischen Kern. Sie wächst weiter, unter anderem aufgrund der zahlreichen Israelis und Russen, die hier Zuflucht gefunden haben. Gleichzeitig ist die Insel selbst historisch von Konflikten begleitet: Neben dem Linksverkehr erinnern zwei bis heute bestehende britische Militärbasen wenige Kilometer ausserhalb von Limassol daran.

Im Zentrum ist Apollon, der Rivale von AEL, mit Wandbildern und Graffiti deutlich präsenter. AEL gilt als Verein aller Ethnien und markiert damit das Gegenstück zum griechisch-nationalistischen Apollon. Im Gegensatz zum Stadtderby ist an diesem Freitag die Anhängerschaft rund um Gate 3, das seit 1989 eine lange Ultra-Tradition pflegt, nur in kleiner Zahl vertreten. Wie in Griechenland wirkt es auf mich immer wieder, dass die Trommeln hier viel hypnotischer klingen, die Fans mit grösserer Inbrunst – und vielleicht auch mit mehr Lungenvolumen – am Werk sind und sich schneller in einen Rausch singen und springen als in westeuropäischen Breitengraden. Besonders eine Adaption von Reamonns «Supergirl» schallt gut durch das graue Rund, das lediglich mit 1200 Zuschauern gefüllt ist.

Generell üben sich die Zyprioten etwas in Understatement, was die Zuschauerzahlen betrifft. Gefühlt sind mehr Leute vor Ort im weit ausserhalb gelegenen Stadion in der Gemeinde Kolossi. Dieses erinnert an das Stadion in Ljubljana, während im Zentrum das historische Tsirio-Stadion mit seiner typischen Dachkonstruktion vor sich hin altert. Einst als neues Stadion für Apollon angedacht, musste sich der Klub aus Geldnot mit den beiden anderen städtischen Erstligisten zusammentun. 2022 eröffnet und schliesslich auch aus staatlicher Hand mitfinanziert, dient es seither Aris, AEL und Apollon sowie bisweilen auch der Nationalmannschaft als Zuhause. Immerhin suggeriert die Beleuchtung in den jeweiligen Vereinsfarben noch etwas Individualität und Heimatgefühl.

Auf dem Feld stehen einige bekannte Namen, etwa der Mexikaner Guillermo Ochoa im Tor der Gastgeber, der an mehreren Weltmeisterschaften über sich hinauswuchs. Bei den Gästen aus Paralimni im Südosten der Insel steht Markus Kuster, Ex-Winterthurer, zwischen den Pfosten. Mit Marco Krainz und Marcel Canadi sind auch zwei ehemalige Lustenauer dabei, die das Leben im Ort nahe Ayia Napa geniessen. Für Marcel ist die Situation allerdings weniger unbeschwert, nachdem sein Vater im September als Trainer entlassen wurde. Auf ein frühes Tor und nach langem VAR-Check folgt ein einseitiges 3:0. Den Schlusspunkt setzt ein sehenswerter Freistoss kurz vor dem Ende, der Paralimni weiter sieglos am Tabellenende stehen lässt.