Groundhopping

AS Nancy – Dijon FCO (01.08.14)

Nach einer unfreiwilligen zweiwöchigen Pause gehts hier endlich wieder weiter mit Fussball! Unfreiwillig darum, weil man in den Ferien in Lissabon eigentlich das Finale der „Taça de Honra“ zwischen den beiden Stadtrivalen (Benfica und Sporting) anschauen wollte, dies aber durch die grosse Verspätung unseres Fluges nicht mehr möglich war! Und als wär das nicht schon Strafe genug, dann auch noch ein zweites Spiel zurück in der Schweiz. Nachdem ich in Lausanne eine Wohnung besichtigen war (die auch bald mein Zuhause wird) sollte man auf dem Heimweg im aargauischen Zofingen noch den letzten Testkick mitnehmen. Doch im leeren Stadion angekommen teilte man mir mit, dass das Spiel abgesagt wurde. So hiess es also bis zum Nationalfeiertag warten, ehe man in den als Familienferien getarnten Tagen in Nancy endlich die neue Pflichtspielsaison starten kann. Zwar blieb man so dem Schweizer Nationalfeiertag fern, etwas zu feiern gab es aber dennoch, und zwar den internationalen Tag des Bieres! Dieses wurde dann auch in Ruhe das eine oder andere Mal gekostet.

Die Fahrt nach Nancy mit einem Zwischenstopp in Basel recht kurzweilig und problemlos, abgesehen von einem Steinhagel auf der Autobahn. Da fuhr nämlich so ein Superhirn mit einem unabgedeckten Pickup vollbeladen mit Kies.

Nancy hat mit seiner deutsch-französischen Vergangenheit historisch gesehen sicher einiges zu bieten und wusste zu gefallen. Somit genug zu tun bis zum Spieltag, an dem man nach einem wackeren Frühstück den Nachmittag bei Temperaturen knapp unter der 30-Grad-Marke am Poolrand verbrachte. Die Gäste aus Dijon waren übrigens im gleichen Hotel wie wir untergebracht, was man durch Spieler in der Hotellobby und durch den Car auf Vorplatz merkte. Gegen Abend hin gings dann wieder in Richtung Innenstadt, wo diverse Kaffees und Restaurants zum Flanieren einladen. Für mich hiess es dann knapp eine Stunde vor Spielbeginn Abschied nehmen, da meine Eltern nicht für einen Spielbesuch in Nordostfrankreich zu begeistern waren, sondern ein gutes Abendessen im Stadtkern bevorzugten. 😉

Das Stadion liegt direkt an der Meurthe und ist per Tram und von da aus mit einem kurzen Fussmarsch in wenigen Minuten vom Stadtzentrum aus zu erreichen. Von innen wirkt der Bau dann ganz holländisch. Kompakt, mit dem typischen Graben zum Spielfeld hin. Gespielt wird hier auf künstlicher Unterlage. Das Ticket gabs übrigens nicht wie gewohnt auf Papier, sondern unter Abgabe des Personalausweises als nervige Plastikkarte, die zusätzlich kostete. Da drauf kann man dann jeweils seine nächsten Spiele draufladen, wenn ich das richtig verstanden habe. Bezahlen konnte man auch nur mit dieser. Wie unnötig!

Zum Einlaufen der beiden Teams gab es auf beiden Seite eine grosse Choreo zum Saisonbeginn, und dass die Fans in Frankreich immer mehr „normalisiert“ werden, wurde gezeigt, als es einen Aufstand von etwa drei 50-jährigen Frauen und ihren jeweiligen Ehegatten gab, die sich penetrant gestört fühlten da ihnen die Sicht auf das Einlaufen der Spieler genommen wurde. Skandalös sowas! Ich komm ja auch nur für das Einlaufen hierher und setz mich in die Fankurve, nur um dann die grosse Arbeit einiger fanatischer Fans zu stören! So kam es beinahe zu einer Schlägerei mit den aktiven Fans. Ein Grossteil dieser ist jedoch auf der anderen Seite hinter dem Banner „Saturday FC“ zu finden und feierte richtig gut ab. Auch knapp 200 Gäste liessen sich dieses „Derby“ nicht entgehen, der Grossteil davon jedoch Familien und eher Konsumenten, daher auch mit offiziellen Fahnen etc. ausgerüstet.

Nancy dominierte die Partie nach Belieben, die Gäste blieben blass und kamen in der ersten Halbzeit zu keiner einzigen zwingenden Aktion. Richtig schwach! Da aber das Heimteam im Abschluss noch Schwächen offenbarte, stand es trotz drückender Überlegenheit zur Pause noch 0:0. Im zweitem Abschnitt agierten die Gäste dann etwas agiler, kamen aber auch hier kaum zu Torchancen. Ganz im Gegensatz zu den Hausherren, die in der 60. Minute dann endlich nach einer schönen Kombination hochverdient durch Arnaud Lusamba mit 1:0 in Führung gingen. Dabei sollte es fairerweise auch bleiben, denn Dijon brachte nichts zustande, aber weil die Senfstädter den Ausgleichstreffer nicht machen wollten gab es halt Hilfe vom Heimteam, denn in der 74. Minute ein Riesenmissverständnis zwischen Heimtorwart und Monaco-Leihgabe Paul Nardi und einem Verteidiger. Der Fauxpas führt zu einem Kopfballeigentor durch Joffrey Cuffaut und dem späteren Endstand von 1:1. Sehr ärgerlich für Nancy, das hier fast ohne Gegenwehr spielte und ihnen dann so ein Fehler den Auftaktsieg kostete.

Der Partie wohnten übrigens lediglich 14‘464 Zuschauer bei, darum blieb auch der obere Teil der Gegentribüne geschlossen. Nach dem Spiel ging es zurück ins Stadtzentrum, wo eine Lichtershow auf dem Platz Stanislas den Schweizer Feiertag mehr als würdig vertrat. Am nächsten Tag dann problemlose Heimfahrt mit einem Zwischenhalt im schönen Städtchen Colmar und dann zurück in die Gallusstadt, wo es halt doch am schönsten ist!

PS: Meine Kamera ist in Reparatur, kann also noch ein Weilchen dauern, bis dahin müsst ihr mit den Handyfotos Vorlieb nehmen.

Tags :
1. August 2014