Groundhopping

Atalanta Bergamo – Olympique Lyon (07.12.17)

Mit seiner Heimstärke legte Atalanta Bergamo den Grundstein für die beste Platzierung in der bisherigen Klubgeschichte. Der vierte Rang in der abgelaufenen Spielzeit der Serie A und die damit verbundene Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League liess in der Lombardei eine regelrechte Euphorie aufkommen. Diese schien schier unglaubliche Ausmasse anzunehmen und erreichte mit mir als Sympathisant der Bergamaschi schlussendlich auch die Alpennordseite.

Damit war klar, dass bei Möglichkeit ein Spiel der Blau-Schwarzen besucht werden sollte. Dass mit den Umzug nach Reggio Emilia auch die Hoppinglust gestillt werden konnte, bedeutete einen erfreulichen Kollateralschaden, hervorgerufen durch die nicht erfüllten UEFA-Kriterien im Hinblick auf die Spielstätte. Zwar bedeutete das Exil knappe zwei Stunden mehr Fahrzeit, doch wer der Hochschule einen Korb gibt, (Sorry Mama) hat den ganzen Tag Zeit und kann so entspannt entlang der Poebene bis nach Reggio Emilia fahren. Möglich machte das Ganze erst Kumpel Heeb, der zeitgleich mit seinen Kölner Bekannten beim Gastspiel in Belgrad weilte und mir währenddessen seinen fahrbaren Untersatz bereitstellte. Danke!

Auf dem Beifahrersitz nahm Cedric Platz und lotste mich in gut fünf Stunden Fahrzeit vorbei an Mailand und Parma sicher bis zum gewünschten Zielort. Dort blieb ausreichend Zeit für eine kurze Stadtbesichtung sowie die Nahrungsaufnahme, ehe in Richtung Stadion aufgebrochen wurde. Dieses liegt nördlich vom Zentrum und bietet gleich mehreren Vereinen ein Zuhause. Bekanntester Mieter ist sicherlich der Erstligist aus Sassuolo, doch auch die drittklassige AC Reggiana trägt hier ihre Heimspiele aus. Die Tickets für das Aufeinandertreffen gegen den französischen Topclub gab es ausschliesslich für Besitzer der Fankarte, sodass ich mich nun ebenfalls „stolzer“ Besitzer einer solchen Tessera del Tifoso nennen darf. Den Erwerb der Einlassberechtigung, welcher auf die Karte „geladen“ wird, stellte sich da schon deutlich nervenaufreibender heraus. Im wortwörtlich 20. Versuch gelang das Unterfangen und so gehörten wir an diesem frischen Donnerstagabend mit unseren zwei Plätzen auf der Gegentribüne zu den rund 14’500 Zuschauern.

Sportlich gesehen war die Spannung (erfreulicherweise) bereits weg. Wie Lyon hatte sich auch Atalanta mit starken Leistungen gegen Everton und Apollon Limassol bereits vor diesem finalen Gruppenspiel für die KO-Phase qualifiziert. Trotz der Ausgangslage zeigte die Mannschaft eine deutlich animiertere Leistung als noch am Wochenende in Turin. Getragen von diversen hochklassigen Einzelspielern funktioniert beim Heimteam eben auch das Kollektiv, was sich im verdienten 1:0 Sieg gegen ein schwaches OL widerspiegelte. Damit wahren die Norditaliener ihre Ungeschlagenheit und treffen mit 14 Punkten nun auf den BVB. Sicherlich ein schwieriges Los, wobei ich den Bergamaschi durchaus Chancen anrechne.

Auf den Rängen wurde zum Einlauf ein Intro mit speziell angefertigten Fahnen der Curva Nord gezeigt, wobei etwas Pyrotechnik die Aktion untermalte. Insgesamt, vor allem unter Berücksichtigung der Umstände, eine gute Show, welche die Atalanta-Tifosi da ablieferten. Dafür enttäuschte die Gegenseite doch deutlich, wo sich lediglich eine Hundertschaft aus Lyon einfand, die neben einer Leuchtfackel nicht weiter auffiel. Mit dem Schlusspfiff war das Zeichen für die nächtliche Heimfahrt gegeben. Das Steuer übernahm Cedric und während ich auf dem Beifahrersitz etwas Schlaf nachholte, steuerte er mich sicher zurück in die Schweiz und damit direkt in die Vorlesung.

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15. Dezember 2017