VfB Stuttgart – FSV Mainz 05 (25.01.14)

Der Verein für Bewegungsspiele Stuttgart, kurz VfB Stuttgart, wurde 1893 ins Leben gerufen. Seine erfolgreichsten Jahre hat der Verein hinter sich, wie zum Beispiel 2007, als er deutscher Meister wurde. Im Moment ist das Team davon weit entfernt und ist nach einer enttäuschenden Hinrunde auf Wiedergutmachung aus. Da kommt das Heimspiel gegen Mainz zum Rückrundenstart wie gelegen.

Rund 200 Kilometer südlich geniesse ich derzeit eine Woche Ferien. Fernab vom Schulstress haben Kollege Luigi und ich deshalb beschlossen, ein Wochenende in der Hauptstadt Baden-Württembergs zu verbringen. Unterkunft fanden wir bei einer Kollegin seiner Mutter, die etwas ausserhalb von Stuttgart über ein schönes Heim verfügt. Mit dem Zug ist Stuttgart schnell erreicht und so fahren wir bereits ziemlich früh an jenem Samstagmorgen im Bahnhof ein. Einer der berühmtesten Bahnhöfe Deutschlands, bedenkt man die langen Unstimmigkeiten zum Grossprojekt Stuttgart 21.

Vor dem Spiel blieb uns genügend Zeit, um durch die Innenstadt zu schlendern. Der Fakt, dass ich hier bereits einige Male zu Gast war, hat uns die Orientierung erleichtert. Ein paar Zeigerumdrehungen später sassen wir dann aber in der Bahn, die uns vorbei am Cannstatter Wasen zum Neckarstadion brachte. Die Mercedes Werke gegenüber des Stadions waren schon von weitem zu sehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Stadion mit einem grossen Schriftzug „Mercedes-Benz Arena“ versehen ist. Eine pikante Zusatzinfo ist, dass das Stadion einst auf den Namen „Adolf-Hitler-Kampfbahn“ gehört hat. Diese Zeit ist nun jedoch glücklicherweise vorbei und wir bewegen uns hier in der Gegenwart. In dieser beginnt das Spiel in den nächsten Augenblicken und wir verfolgten das Ganze aus der ersten Reihe des Oberranges auf der Gegentribüne schön zentral zum Spielfeld.

Platz hatte es heute für alle genug, die sportliche Misere hat auch auf den Zuschauerauflauf Einfluss, denn mit 38'000 Zuschauern verzeichnet der VfB einen Saisonminusrekord. In der Anfangsphase sind es vor allem die Hausherren, der Ausgangslage wohl bewusst, die Druck auf das Tor der Mainzer ausübten. So ist die Führung in der 11. Minute für den VfB durch Mohammed Abdellaoue verdient. Abdellaoue verwertete einen Abpraller bei Goalie Karius. In der Folge zeigten sich die Gäste immer aktiver und kamen zu guten Torchancen. Die beste davon nutzte der Japaner Shinji Okazaki in der 38. Minute zum verdienten Ausgleich verwerten. Die Zuschauer, doe sich mit diesem Resultat nicht anfreunden konnten, zeigten dies mit Pfiffen bei Rückpassen. Allgemein hatte das Publikum in meinen Augen eine extrem hohe Erwartungshaltung an ihre Mannschaft.

Auf unseren Pausentee wollten wir aufgrund der Stadionkarte verzichten. Diesem Problem bewusst, hat der VfB zur nächsten Saison hin eine Konzeptänderung geplant, damit alle Karten als Zahlungsmittel angenommen werden. Damit haben sie gemerkt, dass vermehrt auch Touristen den Weg nach Stuttgart finden. In der zweiten Halbzeit boten die beiden Teams dann alles andere als Powerfussball, was das Publikum wiederum mit Pfiffen – zum Grossteil gegen die eigene Mannschaft –quittierte. Stuttgart wirkte ideenlos und Mainz stand in der Abwehr sehr sicher.

Kurz vor Schluss krönte Benedikt Saller einen seltenen Angriff der Mainzer mit dem Treffer zum 1:2. Die Zuschauer verliessen nun fast fluchtartig das Stadion. Einzig den Gästefans war es zum Feiern zumute und das taten sie ausgelassen. Stuttgart vermochte in der Folge nicht mehr zu reagieren und die Operation Aufholjagd geriet damit frühstmöglich ins Stocken.


SC Freiburg – Hannover 96 (21.12.13)

Auf der einen Seite der SC Freiburg, der bisher kein Heimspiel in dieser Saison gewinnen konnte, auf der anderen Seite die Gäste aus Hannover, die auswärts in dieser Saison noch keinen einzigen Punkt geholt haben. Ein richtiger Krisengipfel also. Wenn nicht heute, wann dann werden sich die Freiburger gesagt haben und auch eine Gruppe aus St. Gallen schloss sich dieser Aussage an, als sie sich früh morgens ins Breisgau aufmachte.

Nachdem wir im Freiburg angekommen waren, ging es zu Fuss auf den Schlossberg, wo wir mit einer schönen Aussicht über die ganze Stadt belohnt wurden. Hungrig vom strengen Aufstieg verpflegten wir uns nach der Rückkehr in der Altstadt. Freiburg hat knapp 220‘000 Einwohner und liegt rund 50 Kilometer nördlich von Basel. Wahrzeichen der Stadt sind das Münster und die Freiburger Bächle, die seit dem Mittelalter durch die Strassen der Altstadt fliessen. Das Wasser für diese Bächle kommt aus dem Fluss Dreisam, nach dem auch das Stadion benannt ist. Dieses liegt etwas ausserhalb am Waldrand. Wir hatten vorab Tickets für den Unterrang der Südtribüne erworben und waren froh, dass wir früh im Stadion waren, denn die meisten Stehplätze waren bereits besetzt – obwohl wir nicht im Fanblock standen. Dieser liegt gegenüber hinter dem Tor und sorgte trotz sportlicher Baisse für gute Stimmung. Aus Hannover sind rund 1500 Fans angereist. Sie waren fest überzeugt, gegen die heimschwachen Freiburger ihren ersten Dreier einzufahren.

Im Kader des Sportclubs sind mit Admir Mehmedi und Gelson Fernandes zwei Schweizer anzutreffen, die beide zum Hinrundenabschluss in der Startformation standen. Bei beiden Mannschaften ging es heute um viel, entsprechend verhalten begann die Partie. Zu gross war die Angst vor einem erneuten Patzer.

Nach 25 Minuten folgte ein Schrei der Erleichterung, als Fernandes mit einem Pass den anderen Schweizer Mehmedi lancierte, der gekonnt zur Freiburger Führung einschob. Dies freute natürlich auch mich und meine vier Kollegen, die das Tor aus unmittelbarer Nähe mitverfolgen konnten. Nur elf Zeigerumdrehungen später war es erneut Admir Mehmedi, der einen Ball entscheidend zum zweiten Tor für die Hausherren ablenkte. Zur Pause gab es warmen Applaus der 23‘200 Zuschauer, die an diesem Samstagnachmittag ins Stadion gepilgert waren. Von unserem Platz aus genossen wir auch eine nicht alltägliche Sicht auf den Wald hinter dem Stadion. Auch das Wetter spielte voll und ganz mit. In der 2. Halbzeit zogen sich die Freiburger tief in die eigene Platzhälfte zurück und liessen die Hannoveraner mehr und mehr kommen. Vorerst blieben die Angriffe der Norddeutschen, die vor allem über den Senegalesen Mame Diouf liefen, erfolglos. Auch der Anschlusstreffer in der Nachspielzeit zum 2:1 durch Leonardo Bittencourt änderte nichts mehr an der Tatsache, dass die Freiburger endlich ihren ersten Heimsieg einfahren konnten.

Neun Spiele mussten sie auf den lang ersehnten Heimsieg warten. Oder eben solange, bis es mich und meine vier Kollegen nach Freiburg verschlug. Mein Fussballjahr geht damit zu Ende und mit diesem Sieg, der zu einem grossen Anteil den beiden Schweizern zu verdanken war, sicherlich in einem würdevollen Rahmen.


FC Schaffhausen – FC Chiasso (30.11.13)

An einem kalten und deshalb sehr klaren Samstag machten sich zwei vom Fussball getriebene Jugendliche, mit einem Zwischenstop am Rheinfall, auf ins 90 Kilometer entfernte Schaffhausen. Als Wahrzeichen der Stadt gilt der Munot, eine Festung aus dem 16. Jahrhundert, die dank ihrer Aussicht Touristen aus der ganzen Region anzieht. Schaffhausen ist als nördlichste Stadt der Schweiz bekannt und eine der wenigen Schweizer Städte, die nördlich des Rheins liegt.

Nach einem Umstieg in Winterthur erreichten wir um halb drei die Haltestelle «Schloss Laufen am Rheinfall». Hier liegt der grösste Wasserfall Europas und die Grenze zum Kanton Zürich. Wir verweilten eine Weile und schossen diverse spektakuläre Fotos, begünstigt vom Regenbogen, der aufgrund der Gischt entstand.

In Schaffhausen angekommen, schlenderten wir durch die schöne Altstadt, die trotz der Bombardierung durch die USA im Zweiten Weltkrieg grösstenteils erhalten blieb. Auch den Munot besuchten wir und erlebten einen eindrücklichen Sonnenuntergang. Zu Fuss machten wir uns im Anschluss auf zum Stadion Breite, das am anderen Ende der Stadt liegt.

Der FC Schaffhausen ist auf diese Saison hin in die Challenge League, die zweithöchste Spielklasse der Schweiz, aufgestiegen. In dieser Liga hält sich der FCS erstaunlich gut und spielt gar um den Aufstieg in die höchste Liga mit. So konnten die Schaffhausener mit einem Sieg heute den dritten Tabellenplatz festigen. Anders sieht es beim heutigen Gegner aus Chiasso aus. Die Tessiner liegen mit nur acht Punkten aus 16 Spielen auf dem letzten Platz. Dies obwohl sie mit Gianluca Zambrotta über einen (Spieler-)Trainer verfügen, der mit Italien 2006 Weltmeister geworden ist und auch im Clubfussball bei grossen Vereinen gespielt hatte. Um 17.45 Uhr wurde die Partie angepfiffen und der Zuschauerauflauf war mit 745 Zuschauern recht enttäuschend, angesichts der Kälte jedoch nachvollziehbar.

Ebenfalls enttäuschend war das Gezeigte in der ersten Halbzeit, der jegliche Torchancen fehlten. In der Pause zog es uns ins Clubhaus, wo wir uns aufwärmten, da die Temperaturen nun deutlich unter den Gefrierpunkt gesunken waren. Die zweite Halbzeit konnte uns glücklicherweise erwärmen und nach einer Stunde durften die Gastgeber endlich jubeln. Ezgjan Alioski traf zum 1:0 für das Heimteam. In der Folge offenbarte sich die Problemzone der Tessiner immer mehr: Die Offensive. Ihre Reaktion blieb aus und so konnte Schaffhausen bereits den 9. Heimsieg der Saison einfahren.


FC Bayern München – FC Augsburg (09.11.13)

Für die einen verkörpern sind die Bayern die beste Fussballmannschaft der Welt, für andere sind es nur ein Haufen reicher Spieler – und die Fans nur Erfolgsfans. Grund genug, bei einem Abstecher nach München mit dem Derby gegen meinen deutschen Sympathieverein, den FC Augsburg, sich selber ein Bild zu machen. Die Ausgangslage schien dabei klar: Alles andere als ein Heimsieg käme im ungleichen Duell einer Sensation gleich.

Mit der U-Bahn machten sich mein Namensvetter und ich vom Marienplatz auf nach Fröttmanning, von wo aus einem die Menschenmenge ans Ziel führt. Für dieses Spiel hatte ich zwei Tickets im Gästesektor gekauft und so nahmen wir eine Stunde vor Spielbeginn weit oben im dritten Rang unsere Plätze ein. Um 15:30 Uhr ging es endlich los.

Eines muss man den Bayern lassen: Sie haben ein sehr schmuckes Stadion und wenn 71'000 Zuschauer aufschreien, wie in der dritten Minute, als Jerome Boateng aus spitzem Winkel die Führung erzielt, wird es sehr laut. Auch in der Folge waren es die Bayern, die Druck auf das Tor der Gäste ausübten. Ein zweiter Torerfolg blieb ihnen vorerst jedoch verwehrt. Trotz der sich anbahnenden Niederlage sangen die Augsburger im Gästeblock kräftig mit. Auf dem Feld schienen ihre Lieblinge mit den Gedanken bereits in der Pause zu weilen, als Franck Ribéry in der 45. Minute mit einem Traumtor nach einem Freistoss zum 2:0 für die Bayern traf.

In der Pause betrieb Ex-Bayern-Star Paul Breitner Propaganda für eine Olympia 2022 in München. Bekanntlich wurde diese einen Tag später relativ klar abgelehnt. Nach der Pause ging es munter weiter und erstmals zeigten auch die Augsburger, dass sie durchaus Fussball spielen könn(t)en. Im Tor der Augsburger stand mit Marwin Hitz übrigens ein Schweizer, der sogar die gleiche Sekundarschule wie ich besuchte. Doch auch er konnte den letzten Gegentreffer, erzielt von Thomas Müller in der Nachspielzeit durch einen (ungerechtfertigten) Penalty, zum 3:0-Endstand nicht verhindern. Xherdan Shaqiri, der Schweizer im Dienst der Münchner, fehlte verletzt.

Fazit: Wer es sich erlauben kann, Spieler wie Arjen Robben, Thomas Müller und Claudio Pizarro auf der Bank schmoren zu lassen, verfügt über sehr viel Qualität und ist für den FC Augsburg – zumindest heute – eine Nummer zu gross. Fantechnisch lässt diese Arena natürlich keine grossen Spielereien zu.


FC Wil – Servette FC (02.11.13)

Es gibt sie überall und eines haben sie fast immer gemeinsam. Sie sind sehr emotional. Die Rede ist von Derbys und für mich als St. Galler sind die Spiele gegen den FC Wil jeweils besonders emotional. Im Moment steht der FC St. Gallen jedoch in den oberen Reihen der Super League, während der FC Wil um den Aufstieg in genau diese Liga spielt. Heute kommt der Gast aus Genf; und ist der Absteiger aus der Super League. Spannung ist bei diesem Duell also garantiert. Wer aber trotzdem noch mehr vom Derby wissen will, ist hier richtig.

Der FC Wil hat auf die neue Saison hin ein neues Stadion an alter Wirkungsstätte bekommen, das auf den Namen IGP Arena hört und 6'000 Zuschauern Platz bietet. Aufgeteilt sind diese Plätze auf drei Stehtraversen und eine mit Sitzschalen bestückte Haupttribüne. Gespielt wird auf Kunstrasen. Grund genug, dem eigentlichen "Rivalen" einen Besuch abzustatten. Das Stadion ist schmuck und auch in der Grösse ideal für den FC Wil.

Das Spiel begann für die Gäste aus der Romandie deutlich besser und so konnten die zirka 100 mitgereisten Fans bereits in der 14. Minute und einem Kopfballtor von Igor Tadic die Führung bejubeln. Das Gegentor rüttelte die Wiler wach, die nun endlich auch anfingen, Fussball zu spielen. Die logische Folge daher war der Ausgleichstreffer der Wiler in der 36. Minute. Nach einem Lattenschuss stand Ivan Audino goldrichtig und traf zum Ausgleich. Dann folgte das kurioseste Tor, das ich in meinem bisherigem Groundhopping-Leben je gesehen habe. Servette Goalie Müller legte den Ball für den Abkick auf den Boden und sah den von hinten kommende Audino nicht, der geschickt auf Martin Steuble zurück legte, und dieser bekundete keine Mühe das leere Tor zum erstmaligen Führungstreffer für die Wiler zu treffen. Die Führung für den Gastgeber währte jedoch nicht lange. Noch vor der Pause traf Geoffrey Tréand per Foulelfmeter zum 2:2-Ausgleich. Dem Penalty ging ein Halten eines Genfer Stürmers im Wiler Strafraum vor.

In der zweiten Halbzeit neutralisierten sich die Mannschaften weitgehend und 1'710 Zuschauer sahen nur noch wenige Torchancen. So war das Unentschieden in diesem Spitzenkampf nur logisch und gerecht. Nach der flotten Partie ging es per Zug zurück nach St. Gallen.


SCR Altach – TSV Hartberg (01.11.13)

Kurzfristig ging es an diesem Freitagabend ins Nachbarland Österreich. Ziel war die Gemeinde Altach im Vorarlberg, wo der SCR Altach beheimatet ist. Dieser spielt zurzeit in der zweithöchsten Liga Österreichs und ist dort Tabellenführer. Mit zwei Kollegen zusammen erreichten wir relativ früh das Stadion, wo wir unsere Plätze in der dritten Reihe der Haupttribüne – schön zentral – einnahmen. Der heutige Gegner kam aus Hartberg, das nur etwa 40 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt liegt. Eine entsprechend lange Reise hatten das Auswärtsteam also bereits hinter sich.

Um 18:30 Uhr war Anpfiff im Stadion Schnabelholz und 3'357 Zuschauer sahen von Beginn weg eine stark aufspielende Heimmannschaft, die den Gästen aus der Steiermark nur wenig Spielraum gewährte. Die Chancen blieben zu Beginn jedoch eher rar. In der 27. Minute jedoch erzielte Boris Prokopic nach einem mustergültigen Angriff die verdiente Führung für die Altacher. In der 2. Hälfte weiterhin das gleiche Bild. Die Gäste zeigten sich, wohl auch aufgrund der langen Anreise, ziemlich harmlos, während das Heimteam bemüht war für klarere Verhältnisse zu sorgen. In der 75. Minute wurde der Bann schlussendlich gebrochen. Martin Harrer traf nach einem Torwartbock für die Vorarlberger. Nur drei Minuten später sorgte Hannes Aigner per Kopf für das 3:0. Dies war zugleich auch das Schlussresultat in einer einseitigen Partie.

Damit verteidigen starke Altacher ihre Tabellenführung souverän und bleiben weiter im Rennen um den Aufstieg in die Bundesliga. Was es noch zu sagen gibt: Wer ein preiswertes und ausgewogenes Essensangebot an Fussballspielen mag, ist in Altach genau richtig! Hier gibt es über Pommes, Döner bis hin zum Donut alles, was das leibliche Wohl begehrt.


FC Fulham – Stoke City (05.10.13)

Alle Jahre wieder könnte man sagen, zumindest für mich. Bereits im Frühling und zur gleichen Zeit im letzten Jahr war ich in der Hauptstadt Englands anzutreffen. Heute wurde vor allem viel geshoppt und gegessen. Am Nachmittag machten wir uns auf mit der Metro zur Station Putney Bridge, welche als nächstgelegene zum Stadion des FC Fulham gilt. Bereits an der Haltestelle und an den enormen Menschenmengen war anzumerken, dass hier und heute Fussball gespielt wird. Leider betraten wir das Stadion erst in der 2. Minute und verpassten so das Einlaufen der beiden Mannschaften. Wir hatten Plätze in der siebten Reihe, sehr zentral hinter dem Tor am Putney End. Dies garantierte uns geniale Sicht. In der Anfangsphase waren es vor allem die Plätze und der Support der Stoke Fans welcher für das Positive sorgte. Das Spieltreiben verdiente höchstens das Prädikat genügend. Dies obwohl Fulham mit Berbatov, Karagounis und Hangeland doch über einige bekannte Spieler verfügt. Was uns Schweizer natürlich auch besonders freut; mit Senderos und Kasami stehen zwei Spieler das ganze Spiel über auf dem Platz.

Nach müden 45 Minuten ging es in die Pause. Statt den üblichen Pausentee gab es einen rund 30 Centimeter Hot-Dog, der auch nur aus Essensnot gegessen wurde. Die 2. Halbzeit begann vielversprechend und Stoke City machte Dampf. Vor allem Arnautovic im Sturm der Gäste liess seine Klasse immer wieder aufblitzen. Stoke übernahm nun mehr und mehr das Spielgeschehen und die rund 2000 Stoke Fans waren im gut gefüllten Stadion deutlich zu hören. Insgesamt waren 24'634 Zuschauer ins Stadion gepilgert. Ins legendäre Craven Cottage, welches wie der Name schon sagt über eine Jagdhütte verfügt, welche sich in einem Ecken des Stadions befindet.

Als schon niemand mehr an ein Tor glaubte, spielte der Schweizer Pajtim Kasami einen entscheidenen Pass und der eingewechselte Darren Bent traf in der 83. Minute zum (unverdienten) 1:0 für Fulham. Danach waren sowohl Spieler als auch Gästefans nach einer eigentlich starken Leistung bedient.

Nach dem Spiel ging es mit der Metro zurück ins Stadtzentrum, wo erst einmal gemütlich im KFC gegessen wurde.


FC Wacker Innsbruck – SK Rapid Wien (14.09.13)

Am Abend zuvor noch in Rapperswil am Eishockeymatch, bestiegen Kollege Luigi und ich an diesem Morgen bereits kurz nach fünf Uhr den Zug, der uns nach Innsbruck brachte. Pünktlich um neun Uhr erreichten wir die Stadt im Tirol und besichtigten vorab die Innenstadt mit ihren verschiedenen Sehenswürdigkeiten, welche die Senioren jeweils magisch anziehen. Inmitten von verschneiten Bergen gelegen, wehte hier schon in den Morgenstunden ein zügiger Wind. Innsbruck verfügt mit der Bergiselschanze zudem über eine moderne Skisprunganlage, die eines der vier Austragungsorte der prestigeträchtigen Vierschanzentournee darstellt.

Am Nachmittag ging es zu Fuss weiter durch die Stadt bis zum Stadion Tivoli, das nicht mit dem gleichnamigen Stadion der Alemannia aus Aachen zu verwechseln ist und abseits des Zentrums liegt. Für 20 Euro kauften wir Karten für die Gegentribüne, die sich als Glücksgriff erwiesen, zumal wir die Sonne geniessen konnte und sich uns eine traumhafte Aussicht auf die Sprungschanze und die Tiroler Bergwelt offenbarte.

Der FC Wacker Innsbruck feierte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag und ausgerechnet für das heutige Spiel waren alle Feierlichkeiten geplant. Einziges Manko stellten die beiden alten Herren aus der Schweiz eine Reihe vor uns dar, die sich als selbsternannte Fussballkenner ausgaben und manchen Zuschauer verärgerten. Als die Spieler einliefen, zeigten die Fans der Innsbrucker eine dreiteilige Choreografie. Zuerst zeigten sie ein etwa sechzig Meter langes Transparent mit der Aufschrift "FC Wacker Innsbruck 1913". Danach hielten die Fans alle Mottoshirts in grüner und schwarzer Farbe in die Höhe und zum Schluss zogen sie ein riesiges Vereinswappen über die Heimkurve. Auch auf dem Platz ging es mit einem Paukenschlag los respektive einem Schiedsrichterpfiff und einer daraus resultierenden roten Karte für die Gastgeber. Gespielt waren gerade mal 76 Sekunden. Und als wäre das nicht schon Strafe genug, fand das Foulspiel im Strafraum statt und es gab so nach zwei Minuten bereits Elfmeter für die Wiener.

Die Fans waren mit dieser harten Entscheidung (zurecht) nicht einverstanden und es flogen Bier und andere Gegenstände auf das Spielfeld, sodass der Schiedsrichter das Spiel kurz unterbrach. Im Anschluss trat ein Wiener unter gellendem Pfeiffkonzert zum Elfmeter an, doch Szabolcs Safar in Tor der Einheimischen konnte den Elfmeter parieren und so war im Stadion die Hölle los. In der Folge mussten die Innsbrucker jedoch mit einem Mann weniger auskommen und so köpfelte nach einer halben Stunde Mario Sonnleitner zur Führung für die Gäste ein. Riesiger Jubel bei den zahlreich mitgereisten Gästefans. Die Innsbrucker retteten den Rückstand in die Pause, und wahrten damit die Chancen auf einen Punktgewinn. Nach der Pause folgte auf der Heimseite eine grosse Pyroshow, die von grünem Rauch untermalt wurde, der das ganze Stadion einhüllte.

In der zweiten Halbzeit zeigten die Gäste aus der Hauptstadt, warum sie in der aktuellen Saison in der Europa League vertreten sind. Das 0:2 in der 55. Minute war jedoch ein halbes Eigentor, bei dem der Wiener Stürmer Terrence Boyd vom Innsbrucker Verteidiger angeschossen wurde. In der Folge machte sich der Kräfteverschleiss seitens des Heimteams immer mehr bemerkbar und so war trotz herausragender Goalieleistung das dritte Gegentor nur eine Frage der Zeit. Diese Frage beantworte Thanos Petsos zehn Minuten vor Schluss mit einem wunderschönen Freistosstor ins Lattenkreuz. Der Widerstand der Tiroler war damit gebrochen und das 0:4 durch Guido Burgstaller nur noch Zusatz. Ein bitterer Nachmittag für die Mehrheit der 10'642 Zuschauer mit einer klaren Niederlage war nun Realität.


Évian TG FC – FSV Mainz 05 (27.07.13)

Thonon-les-Bains liegt im Osten Frankreichs und ist Heimat für rund 35'000 Einwohner. Bekannt ist der Ort vor allem als Kurort. Von der Schweiz aus ist die Stadt bequem per Schiff zu erreichen, liegt sie doch auf einer Anhöhe am Ufer des Lac Léman. Persönlich hat mir die Stadt sehr gefallen und mit ihren vielen kleinen Bistros und dem warmen Wetter das Italien-Flair in mir geweckt. Da das Hauptziel des Ausflugs, ein Testspiel zwischen Évian TG und dem FSV Mainz 05 erst am Abend angepfiffen werden sollte, blieb mir genug Zeit für eine Abkühlung im Freibad mit Seeanschluss. Die Thermometer erreichten heute schliesslich Werte bis zu 37 Grad.

Évian-les-Bains liegt hier gleich nebenan und ist primär für sein Mineralwasser bekannt, das der lokalen Quelle entspringt. Für mich schmeckt es nicht anders als das Wasser aus dem Wasserhahn, aber mit geschicktem Marketing lässt sich bisweilen viel suggerieren. Je länger der Tag dauerte, desto mehr freute ich mich auf das Spiel. Das Heimteam, das aus einer Fusion der drei Nachbarstädte Thonon, Evian und Gaillard hervorgeht, trägt seine Heimspiele ansonsten nämlich im 76 Kilometer entfernten Annecy aus, da ihr hiesiges Stadion nicht den Vorschriften entspricht. Ein Antrag von Seiten der Franzosen, ihre Heimspiele zukünftig im Stade de Genève auszutragen, lehnte die UEFA ohne Begründung ab. Schade eigentlich, denn in meinen Augen wäre das Stadion in Genf eine gute Alternative gewesen. Es besitzt moderne Infastruktur, ist nur halb so weit entfernt wie Annecy, hat keine lästige Laufbahn und wäre endlich auch wieder einmal voll geworden, wenn zum Beispiel PSG zu Gast ist.

Der Gast aus Deutschland ist ebenfalls kein Unbekannter. Zwar fehlen den Mainzern die ganz grossen Erfolge, doch in den letzten Jahren zeigte die Mannschaft, dass sie in der Bundesliga durchaus mitspielen kann. Heute war für viele Einheimische ein Tag der Freude, schliesslich war es eine Rückkehr in die Heimat, wenn auch nur für ein Vorbereitungsspiel. Zu Fuss machte ich mich auf zum Stadion, das ausserhalb des Zentrums liegt. Der Eintrittspreis für diese Partie lag ziemlich hoch bei 10 Euro. Um 19 Uhr sollte das Spiel angepfiffen werden, die Rheinhessen liessen sich jedoch Zeit und so pfiff der Schiedsrichter das Spiel mit sieben Minuten Verspätung an. Die Gastgeber, die in der letzten Saison im Cupfinal standen, fanden sich von Anfang an besser zurecht, vorerst fehlte ihnen aber noch die nötige Durchschlagskraft. Kurz nach der ersten Trinkpause spielten sich die beiden Mainzer Neuzugänge Sebastian Polter und Johannes Geis mit einem gekonnten Doppelpass durch die Abwehr der Franzosen und der Ex-Fürther Geis konnte unbehelligt zum 0:1 aus Sicht der Hausherren einschieben.

Die zweite Halbzeit war aus fussballerischer Sicht ereignisarm und die Deutschen hatten schlussendlich keine Mühe den Sieg vor knapp 800 Zuschauern über die Runden zu bringen. Eine tapfere Leistung der Franzosen wurde dadurch schlecht belohnt. Am Abend liess ich am Ufer von Thonon-les-Bains den Tag bei einem Fest gebührend ausklingen.


FC Bavois – Stade Nyonnais (20.07.13)

Ich glaube ja kaum an die Liebe auf den ersten Blick, oder besser gesagt nicht beim Menschen. Bei mir war es jedoch so, als ich die Tribüne vom FC Bavois gesehen habe, ein Gefühl im Bauch, das mir sagte, Andrin, dahin musst du unbedingt mal hin. Von Objektophilie will ich jetzt nicht gerade sprechen, aber die malerische, kleine Tribüne mit 74 Sitzen hatte etwas, was mich magisch anzog. So machte ich mich also zuerst auf nach Yverdon-les-Bains, wo ich mit einer Klassenkameradin im See badete. Abkühlung tut gut - wird die Schweiz zurzeit doch recht heftig von einer Hitzewelle heimgesucht.

Um halb vier Uhr nachmittags ging es weiter ins Dörfchen Bavois, welches auf der Orbeebene liegt und mit seinen lediglich 781 Einwohnern gerne übersehen wird. Der heimische Fussballclub hat anfangs dieses Jahres den Aufstieg in die 1. Liga Classic, die insgesamt vierthöchste Liga der Schweiz geschafft. Der Gegner im heutigen Freundschaftsspiel war Stade Nyonnais, welches den umgekehrten Weg machte und im letzten Jahre aus der Challenge League in die 1. Liga Promotion abstieg. Das "Stade des Peupliers" liegt direkt an der Bahnlinie und ist schon von weitem zu sehen. Es liegt westlich des Dorfkerns inmitten von Schrebergärten und Feldern.
Anfangs wurde ich aufgrund meiner doch ziemlich massiven Kamera als Journalist für die Gastequipe aus Nyon gehalten, nach Aufklärung wurde noch ein kurzes Gespräch auf Französisch gehalten mit dem älteren Herrn aus Bavois, der doch ziemlich beeindruckt war. Eintritt musste ich für dieses Spiel keinen bezahlen. Nach einer kurzen Inspektion des Terraines (vielmehr als ein kleines Clubrestaurant und die Tribüne gab es nicht zu sehen) setzte ich mich ziemlich zentral in die 2. Reihe der kleinen Tribüne.

Fussball ist nicht nur das moderne Stadion mit den modernen WC's und dem eigenen Catering. Fussball ist auch, wenn vor dem Spiel aus den Lautsprechern das Lied "All About U" des leider verstorbenen US-Rappers "2Pac" aus den Lautsprechern dröhnt. Fussball ist auch, wenn auf der Tribüne jeder jeden kennt und auch ich von diversen Zuschauern mit einem Händedruck und einem kurzen "Salut" begrüsst wurde. Die Tatsache, das der Torwart nach jedem Fehlschuss den Ball persönlich in den Feldern suchen musste, machte das ganze noch ein Stück sympathischer. Rechtzeitig zum Spielbeginn war die kleine Tribüne doch noch ordentlich gefüllt worden, wobei sich das Durchschnittsalter bei den Zuschauern so um die 60 Jahre belief.

Anfangs war der Klassenunterschied kaum erkennbar und es war vor allem der Torhüter der Einheimischen, der in dieser Julihitze stets einen kühlen Kopf bewahrte. In der 30. und in der 51. Minute reagierte er jeweils mirakulös auf Schüsse der Favoriten. Mit einem 0:0 ging man in die Pause, in der man sich ein kühles Bier zu einem anständigen Preis gönnte. In Halbzeit zwei waren es vor allem die Einheimischen, die besser aus der Kabine kamen. In der 49. Minute wurden diese Anstrengungen belohnt und die Nummer 14, William Luckhaupt konnte zur 1:0 Führung einschieben. In der Folge probierten die Aussenseiter das Spiel zu kontrollieren, was auch gelang, bis in der 61. Minute, als sie in einen Konter liefen und mit dem 1:1 bestraft wurden. Richel Marzolf hatte im Nachschuss den Ausgleich markiert. Bis zum Ende der Partie hatten beide Mannschaften diverse Möglichkeiten, die Partie zu entscheiden, schlussendlich blieb es jedoch beim gerechten 1:1 Unentschieden. Das Spiel verfolgten rund 100 Zuschauer.

Nach den 90 minütigen Spiel gings zurück an die Bahnstation und dann weiter ins 50 Kilometer entfernte Heimatstädtchen Rolle.