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Bohemians Prag 1905 – FK Teplice (11.04.14)

Wer in Prag auf ein Kangoroo stösst, der ist nicht etwa beim Prager Zoo angelangt, sondern viel eher beim Ďolíček, dem aussergewöhnlichen Stadion des Prager Kultvereins Bohemians. Aussergewöhnlich, weil dieses Stadion mitten in einem Prager Quartier, von Häuser umringt, zu finden ist. Im Moment wird hier noch erstklassiger Fussball gezeigt, dem Verein läuft es aber sportlich nicht besonders gut und so ist man auf jeden Punkt angewiesen, um in der Liga zu verbleiben. Gegen den viertplatzierten FK Teplice aus der gleichnamigen Ort im Norden Tschechiens wird dies heute allerdings nicht die einfachste Aufgabe.

Nicht zu verwechseln gibt es die „richtigen“ Bohemians mit den Bohemians Prag, einem relativ neuen Verein, der sich die Bekanntheit des Namens zu Nutzen gemacht hat. Dementsprechend verfeindet sind die beiden Mannschaften. Zum Aufeinandertreffen wird es aber in nächster Zeit wahrscheinlich nicht kommen, denn die „falschen“ Bohemians dümpeln ziemlich erfolglos am Ende von Tschechiens dritter Liga herum.

Zum Anfang gibt’s eine kleine Choreo auf Seiten des Heimteams, die Wirkung wird mit geworfenen Fetzchen vergrössert. Dann sind es erstmals die Gäste, welche nach zwei Minuten erstmals gefährlich vor dem Heimtor auftauchen. Es folgt eine Viertelstunde Mittelfeldfussball, ohne dass eine Mannschaft sich Vorteile verschaffen könnte. Dann aber in der 17. Minute eine erste gefährliche Hereingabe der Hausherren, die jedoch keinen Abnehmer findet. Zu erwähnen gibt es auch den inzwischen recht nett ausfallenden Support der Heimfans. In der 19. Minute verstummte dieser aber abrupt, als plötzlich der Gästestürmer alleine auf den Torwart losziehen konnte. Dieser reisst die Heimfans mit seiner mirakulösen Parade aber wieder aus der Starre.

Nach einer halben Stunde kann festgehalten werden, dass das Heimteam nun etwas mehr vom Spiel hat und vermehrt zu Chancen kommt, wie das in der 32. Minute per Kopf der Fall ist. Dann aber in der 38. Minute das 0:1 für die Gäste, die nun nach einem Standard etwas glücklich und unverdient vorne liegen. Getroffen hatte Martin Fenin. Die Chance zur Resultatkorrektur wurde von den Hausherren zwei Minuten später versiebt und trotzdem bot sich mit einem Freistoss in der 43. Minute, aus einer ziemlich gefährlichen Position doch noch die Möglichkeit, das Spiel noch vor dem Seitenwechsel wieder in die richtige Bahn zu lenken. Und so war es dann tatsächlich auch, Josef Jindrisek traf  mit einem gefühlvollen Freistoss zum 1:1 Pausenstand.

Auch hier wurde wieder die Krainer Wurst als Verpflegungsmittel gewählt und man unterhielt sich und kam zum Schluss, dass dieses 1:1 doch recht anständig für die Gastgeber ist, zumal man sich der Tabellensituation bedenkt. Auf dem Feld durften sich unterdessen die ganz Kleinen versuchen. Als man nach dem Seitenwechsel ein weiterhin stark aufspielendes Heimteam sah wurde klar, dass heute vielleicht sogar mehr drin liegen würde als nur dieser eine Punkt. Und ein grosser Schritt in Richtung 3er machte man in der 63. Minute, als Petr Nerad mit einem gezielten Flachschuss von rechts ins weite Eck zum 2:1 traf. In der Folge sahen 3’921 Zuschauer ein Heimteam, welches das Spiel bestimmte und vermehrt zu guten Torchancen wie in der 69. Minute kam. Die Türe zum Heimsieg konnte dann in der 74. Minute noch einmal ein grosses Stückchen aufgeschoben werden, als Jakub Hora eine sanfte Hereingabe per Kopf zum 3:1 verwertete. Dabei blieb es, der Sieg hätte aber auch noch höher ausfallen können, die Hauptstädter sündigten vermehrt im Abschluss, was aber zumindest heute ohne Konsequenzen blieb. So konnte man ein erstes Lebenszeichen von sich geben und den ersten Sieg in den letzten vier Spielen feiern.

Der Ďolíček bietet 7’500 Zuschauern Platz und hat neben einer Haupttribüne auch einen bestuhlten Teil einer unüberdachten Heimkurve zu bieten. Hinter dem anderen Tor gibt es keinen Zutritt. Auf der gegenüberliegenden Seite findet man einige kleine Tribünen, welche wahrscheinlich aufgrund der angrenzenden Strassen und Häuser so klein gehalten wurden.

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11. April 2014