Groundhopping

Burnley FC – Sunderland AFC (31.12.16)

Die wenigen Stunden seit der morgendlichen Rückkehr aus Hull wurden allesamt in den Erholungsschlaf investiert, wobei dies trotzdem nicht zur vollständigen Regeneration reichte. Zumindest unterstützen die vielleicht zehn gesprochenen Worten auf der ganzen Fahrt in Richtung Burnley diese Theorie. Dabei bot die Strecke teils wirklich sehenswerte Naturkulissen, die etwas an Hobbingen aus Herr der Ringe erinnert. Doch dem Fensterplatz wurde stattdessen das schläfrige Abfinden mit dem persönlichen Delirium vorgezogen.

Unterwegs waren wir nur zu viert, da sich der Namensvetter einen Tag Auszeit gönnte und Manchester erkunden wollte. Fazit übrigens ernüchternd. Die beiden anderen, Jonathan und Adrian, hatten sich für einen Spielbesuch im Old Trafford entschieden. Diesen spare ich mir dann einmal für eine Reise in kleinerer Gruppe auf, um auch wirklich nebeneinandersitzen zu können. In Burnley, übrigens eine ziemliche triste Arbeiterstadt in der Grafschaft Lancashire, bewegten wir uns per zu Fuss bis zum Turf Moor, wo die Karten bereits auf uns warteten. 20 Pfund für einen Platz auf dem „David Fishwick Stand“ direkt neben den Gästefans; geht so in Ordnung. Ebenfalls ganz angemessen präsentiert sich ebendieses Turf Moor. Neben einer kleineren Haupttribüne verfügt das Stadion über zwei neuere und zugleich grössere Sitztribünen, was insgesamt zu einem Fassungsvermögen etwas über der 20’000er Grenze führt. Die Sitzgelegenheiten verdienen sich ebenfalls den Kultstatus, schön starr unbequem und aus Holz gezimmert. Da wir uns aber ohne meines Wissens hier im aktivsten Bereich des Stadions befanden, wurde 90 Minuten über gestanden und supportet. Die Sicht auf das Geschehen war ebenfalls sehr passabel.

Besonders sehenswert jeweils die Pöbeleien zwischen Heim- und Gästeanhängerschaft. Bei den Gästen aus dem Norden spielten sich einige ganz junge Casuals in Designerklamotten derart auf, dass sie noch während des Spiels von der Tribüne geführt wurden. Natürlich hagelte es darauf nur so von Schmährufen und vulgären Gesten seitens der Burnley-Fans. Dies stellte aber lange Zeit das einzige Highlight dar, zumal sich das Gezeigte auf dem Rasen keineswegs erstligatauglich präsentierte. Immerhin konnte sich Burnley zum Ende des ersten Abschnitts hin steigern und ging, mittlerweile verdient, mit einer Länge in Front. Nach dem Seitenwechsel funktionierte bei Sunderland gar nichts mehr und sie zogen einen rabenschwarzen Tag ein. Burnley erhöhte auf satte vier Tore, wobei der Hattrick vom stark aufspielenden Gray natürlich besonders herausstach. Sunderland konnte in der Schlussphase mit dem 4:1 nur noch irrelevante Resultatkosmetik betreiben. Für den ehemaligen United-Trainer Moyes wird es an der Seitenlinie beim SAFC immer enger, während Burnley zurzeit für ihre Verhältnisse eine ganz ordentliche Saison spielt und sich von den 21’142 Zuschauern nach dem Spielende zurecht feiern liess.

Zurück in Manchester wurde noch etwas Schlaf vorgeholt, ehe eine lange Silvesternacht folgte, die alleine bereits das Potenzial zum neuen Drehbuch für den nächsten „Hangover“ Streifen mitsamt seinen Protagonisten hätte. Mehr will ich dazu aber gar nicht sagen. Vielmehr ist es nämlich an der Zeit, auf das vergangene Jahr mit seinen schliesslich 94 Partien zurückzublicken. Dies sind zwar gut dreissig Spiele weniger als noch im Vorjahr, wobei aber mit 18 Ländern noch nie so viele Länder wie zuvor in Kombination mit Fussball innerhalb von 365 Tagen bereist worden sind. Besonders schön sind die beiden neuen Grounds im asiatischen Raum. Für das kommende Jahr prognostiziere ich eine weiterhin sinkende Zahl an Spielbesuchen, allerdings liegt dies nicht am abnehmenden Interesse, sondern einfach an den wenigen reizvollen Stadien in der nahen Schweizer Umgebung, die für einen Besuch geblieben sind. Allen Wegbegleitern, Lesern und neuen Bekanntschaften möchte ich für das abgelaufene Kalenderjahr mit 66 neuen Spielstätten ganz herzlich Danke sagen.

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16. Januar 2017