Kaum in Buenos Aires angekommen, ist auch schon wieder Zeit für einen Abstecher nach Uruguay. Grund dafür ist der seltene Umstand von zwei Heimspielen der beiden grossen Klubs des Landes, Peñarol und Club Nacional, am selben Wochenende. Als mich kurz vor der Abreise der Medienchef von Peñarol über einen ligaweiten Streik der Spieler unterrichtet, schwant mir Böses. Prompt werden sämtliche Profipartien abgesagt – immerhin finden wenige Nachholpartien des vergangenen Wochenendes, als ebenfalls gestreikt wurde, statt. So kann ich mit dem Aufeinandertreffen zwischen dem CA Cerro und Racing Montevideo doch noch einem Erstligaspiel beiwohnen.
Dieses Duell ist eigentlich keine Reise wert. Da ich Montevideo aber sowieso besuchen und dabei den Länderpunkt Uruguay einfahren will, nehme ich die Reise dennoch auf mich. Zumal ich die nicht ganz günstige Express-Fähre des Anbieters Buquebus sowieso bereits gebucht hatte. Immerhin bringt sie die Passagiere ab dem Fährterminal Puerto Madero in unter drei Stunden über den Rio de la Plata und damit zügig von Argentinien in die Hauptstadt Uruguays. Wer dabei eine schöne Überfahrt auf Deck vor Augen hat, sieht sich getäuscht. Die Zeit wird in einem auf drei Seiten fensterlosen Raum verbracht, was mir immerhin die Möglichkeit bietet, nach der langen Reise und dem spätabendlichen Termin in Lanus etwas Schlaf nachzuholen.
Das Altstadtviertel von Montevideo mit schmucken Antiquariaten und schönen Cafés macht an diesem Sonntagmorgen einen sehr entspannten Eindruck. Allgemein hinterlassen die Stadt und der kleine Staat ein positives Gesamtbild bei mir, auch wenn es im vermeintlich sichersten und wohlhabendsten Land Südamerikas ebenfalls – nur einige Strassen abseits des Zentrums – heruntergekommene Ecken mit zwielichtigen Gestalten gibt.
Dies offenbart der Weg zum Stadion im Quartier Cerro, wo an den Mauern entlang der Strasse viele linke Malereien zu sehen sind. Allgemein wirkt Montevideo relativ sozial angehaucht, so zumindest die Ecken um den Hafen und entlang der Küste. Die Mauerkünstler sprechen sich für Solidarität mit Palästina und Kuba aus, und das Ambiente erinnert mich tatsächlich an Kuba – obwohl ich nie da war, stelle ich es mir so vor. Dass die Gegend rund um das in die Jahre gekommene Estadio Luis Troccoli nicht zu den besten gehört, bestätigt auch der Name der Barra Brava des CA Cerro. Diese heisst «Los Villeros», was die Bewohner eines Armenviertels bezeichnet. Trotz dünner Besetzung macht sie für die Verhältnisse angemessene Stimmung. Auf dem Rasen ist Racing Favorit, schliesslich hat der gastierende Klub mit der Apertura die erste der beiden Meisterschaften gewonnen – noch vor den beiden Schwergewichten der Stadt.
Bevor mit der Clausura die zweite Meisterschaft losgeht, wird im aktuellen Intermedio gespielt, einem Format, dessen Punkte für die Jahrestabelle relevant sind, bevor im August wieder die Clausura beginnt. Cerro erkämpft sich vor 600 Zuschauern ein verdientes 1:0, auch vor den Augen von knapp hundert Gästen, davon eine kleine Gruppe, die sich um akustische Unterstützung bemüht. Diese sind schliesslich auch dafür verantwortlich, dass nach dem Schlusspfiff sämtliche Heimfans von bewaffneter Polizei freundlich, aber bestimmt an allen Ausgängen zurückgehalten werden, bis die Gästeschar die Gegend wieder verlassen hat.
































