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Cagliari Calcio – AC Milan (28.05.17)

Während den Pfingstferien spielte der Fussball für einmal nur die zweite Geige. Ganz ohne den Ballsport geht es aber bekanntlich nicht und so durfte immerhin neunzig Minuten lang sardinische Stadionluft geschnuppert werden. Den Anlass dazu bot das Gastspiel der AC Mailand zum Saisonabschluss beim Verein aus der grössten Stadt der Insel.

Personalisierte Ticket für dieses Duell waren wie gewohnt über die Plattform «Listicket» zu erwerben. Die Vorfreude wurde allerdings wenige Tage vor dem Aufeinandertreffen getrübt, da die Anhängerschaft aus Mailand mitteilte, die Anreise nach Cagliari gar nicht erst anzutreten. Der Grund dafür liess sich in der späten Terminierung seitens der Liga finden, die so eine günstige Anreise verunmöglichte. Verständlich, schliesslich sprechen wir hier von gut 700 Kilometern Distanz. Weniger verständlich ist der Boykott auf der Heimseite, den ich erst nach dem Betreten des Sant’Elia bemerkte. Die bekannte Curva Nord wollte ein Zeichen gegen die omnipräsenten Repressionen setzen. Dass man sich dafür das letzte Saisonspiel einer gelungenen Spielzeit aussucht, ist ja bereits fragwürdig. Wenn es sich aber zudem um das letzte Spiel im altehrwürdigen Heimstadion handelt, kommt bei mir schon ziemliches Unverständnis auf.

Mit der Dernière im Sant’Elia landete ich somit unbewusst einen Glücksgriff, schliesslich blickt dieses Stadion auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Nach der Jahrtausendwende und sinkenden Zuschauerzahlen, die mit den schlechten Leistungen der Mannschaft sowie der grossen Entfernung zum Spielgeschehen begründet wurden, kam es zu einem Novum. So wurden eine Stahlrohrkonstruktion rund um das Spielfeld errichtet, sodass lediglich die Haupttribüne mit dem gleichen Abstand zur Grünfläche verblieb. Aber auch dieses «Stadion im Stadion» zog Sicherheitsbedenken mit sich, sodass einige Heimspiele sogar im norditalienischen Triest ausgetragen werden mussten. Auch in der provisorischen Heimat «Stadio is Arenas» nahe der eigentlichen Spielstätte machten die Sicherheitsauflagen zu schaffen und der Verein sah sich gezwungen, wiederum nach Triest auszuweichen. Mittlerweile hat man nach Verhandlungen die beiden vergangenen Spielzeiten unter Auflagen in Cagliari gespielt, der Verein sah aber ein, dass die Stadionfrage endgültig geklärt werden muss. So ist nun ein Provisorium neben dem altehrwürdigen Stadion in Auftrag, während ein Neubau der Heimstätte der Sarden bis im Jahre 2020 abgeschlossen werden soll.

Zurück in die Gegenwart, wo aufgrund der sommerlichen Hitze der Anpfiff kurzfristig auf den späten Abend verlegt wurde. Der Austragungsort liegt etwas ausserhalb der Stadt und ist mit dem Bus zu erreichen. Durch seine Lage unmittelbar an der Mittelmeerküste bietet sich eine wunderschöne Sicht auf die Altstadt «Castello» von Cagliari. Den Saisonabschluss wollten 12’225 Zuschauer nicht verpassen, wobei sich hiervon die meisten auf der Südtribüne befanden. Diese avancierte aufgrund des Boykotts zum neuen Stimmungszentrum. Vor allem die rund 100 mitgereisten Milan-Tifosi der Marke «Fussballtouristen» wurden mächtig durch entsprechende Mimik und Gestik verhöhnt. Das Spiel trug zum gelungenen Debütsaison nach dem Aufstieg bei, denn die Gastgeber hielten nicht nur einen Penalty, sondern kamen in der Nachspielzeit sogar zum verdienten 2:1 Siegtreffer, sehr zur Freude aller Anwesenden. Damit beenden sie die Saison als Elfter. Aus persönlichen Gründen zu erwähnen gilt es zudem die Tatsache, dass Atalanta Bergamo mit einem Sieg gegen Verona die Mannschaft von Lazio Rom vom 4. Tabellenplatz verdrängte und sich damit direkt für die Europa League qualifiziert.

Den Beitrag beenden möchte ich mit einigen Worten zur Stadt selber. Cagliari, dass sind für mich weite Blick und Sonnenuntergänge von der höher gelegenen Bastione San Remy, gutes Essen in den zahlreichen Gässchen und ein kaltes «Ichnusa» in einem gemütlichen Strassenbistro. Und auch auf der ewigen Suche nach dem besten «Gelato alla nocciola» wurde ich meiner Meinung nach hier fündig.

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9. August 2017