Groundhopping

CD Nacional Madeira II – Maritimo Funchal II (25.02.18)

Gerne hätte ich meiner Leserschaft diesen Spielbericht erspart. Doch die Entscheidung, am frühen Sonntagmorgen das Spitzenspiel der zweiten Liga zu besuchen, stand länger fest. So hiess es aufzustehen, während die Freundin liegen blieb. Ob sie zu diesem Zeitpunkt bereits Böses ahnte?

In Südländern stellt eine schlechte Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz keine Seltenheit dar, sodass ich für den Weg bis zum Stadion hoch über Funchal knapp zwei Stunden einplante. Die Hälfte der waghalsigen und extrem steilen Strecke bewältigte ich mit dem Bus, ehe es zu Fuss bei einem Gefälle von über 40% Prozent weiterging. Während ich mich anfangs gefragt hatte, warum mir für paar hundert Meter bergwärts über eine halbe Stunde Marschroute angegeben wird, ergab nun alles Sinn. Kurz gesagt, ein Bier vor Tageshälfte hat selten so erfrischend geschmeckt.

Oben angekommen, grüsste neben dem lokalen Gerstensaft (Coral) obendrein starker Nebel. In meinem verschwitzten Zustand fühlte ich mich somit eher wie bei Dian Fossey und ihren Gorillas im Nebel als beim Fussball. Die schlechte Sicht liess Zweifel an einer Durchführung aufkommen. Dies sei hier keine Seltenheit, meinte etwa der ältere Herr neben mir. Als eine erste Durchsage eine Wartezeit von 30 Minuten ankündigte, hatte ich längst hinter das Stadion gewechselt. Hier konnte als Zeitvertreib das kleine Derby der Zweitmannschaften und somit einen 2:0 Heimsieg mitverfolgt werden, obwohl nicht spielbare Bedingungen herrschten. Der moderne Komplex verdankt seinen Namen übrigens dem portugiesischen Weltfussballer Cristiano Ronaldo.

Das Ärgernis folgte nach über einer Stunde in forme der Spielabsage vom Hauptspiel zwischen dem CD Nacional und der Zweitvertretung aus Porto. Die neue Terminierung Mitte März machte mir so ein hiesiger Spielbesuch völlig unmöglich. Immerhin fand ich an diesem gebrauchten Tag eine Mitfahrgelegenheit, die mich im portugiesischen Regen zurück ins Stadtzentrum brachte. Die restlichen Tage verliefen im Gegensatz zur Kältewelle in der Schweiz zwar wesentlich wärmer, doch Regen macht auf einer Ferieninsel selten Laune. So ähnelte die Gefühlslage bald derjenigen eines Auswanderers auf RTL, welcher auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, wenn es im Februar eben auch einmal regnet. Was in den nächsten Tagen alles folgen würde, ahnte ich an diesem Sonntagabend allerdings noch nicht…

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24. März 2018