Groundhopping

CD Nacional Madeira – UD Oliveirense (01.03.18)

Die bekannten Sprichwörter „Unverhofft kommt oft“, „Alles Gute ist drei“ und „die Not zur Tugend machen“ leiten diesen überraschenden Beitrag allesamt passend ein. Denn wie im vorgängigen Bericht erwähnt, fiel das geplante Spiel im Estadio da Madeira gegen Portos Zweite den Nebelschwaden zum Opfer. Den Nachholtermin setzten die Ligabosse für Mitte März an, was einen Besuch beim zweitgrössten Verein der Insel verunmöglichen sollte. Würde man zumindest meinen…

Gekommen ist alles ganz anders. Doch springen wir zurück bis zum regnerischen Dienstag, an dem uns der Flieger weg von Madeira und nach Ponta Delgada auf der Inselgruppe der Azoren bringen sollte. Die Wetterbedingungen am Zielort erinnerten eher an ein Islandtief denn ein Azorenhoch, sodass unser Flug gestrichen wurde. Zusammen mit anderen Gestrandeten ging es in einen modernen Hotelkomplex für Pauschaltouristen, wo eine Nacht länger ausgeharrt werden durfte. Diese Zeit war zumindest für uns zwei wenig entspannend, stand doch ständiges Koordinieren der Weiterreise und das Beobachten der Wetterlage an. Am nächsten Morgen wussten wir längst vor dem Transfer zum Flughafen von der erneuten Flugstornierung, mussten für die Umbuchung und die Hotelzuweisung allerdings erneut den ganzen Morgen mit Warterei am Flughafen verbringen. Das Wetter hatte nun auch in Funchal rapide umgeschlagen, sodass in den nächsten Tagen kein Flieger abhob. Neu einquartiert war es mir am Nachmittag durch die Unwetter plötzlich möglich, das oben genannte Duell zu besuchen. Die Ironie des Schicksals wollte, dass jenes Duell vor zwei Wochen den allgegenwärtigen Nebelschwaden zum Opfer fiel. Eigentlich hätte ich auch heuer voraussagen können, dass nicht gespielt wird. Da so gut wie kein Alternativprogramm bereitstand und ich ein Spiel ohne meine Präsenz bei diesen Umständen nicht ertragen hätte, ging es erneut mit dem Bus Nr. 7 hoch zur Spielstätte. Wenig überraschend bliesen die Verantwortlichen auch die heutige Veranstaltung nach über einer Stunde aufgrund der herrschenden Wetterlage ab.

Spätestens jetzt sollte die Fragen aufkeimen, wieso in dieser Höhenlage ein Stadion gebaut wird und warum bei schlechtem Wetter eine Austragung nicht ins Stadion von Maritimo verlagert wird, zumal Gästemannschaften stets per Flieger anreisen. Zur Lage sei gesagt, dass es sich beim Fussballplatz um den Spielort seit Vereinsgründung handelt, der renoviert wurde. Während diese Erklärung noch einigermassen verstehe, folgt beim zweiten Punkt nur Kopfschütteln. Aus Trotz, Sturheit und Hass dem Präsidenten von Maritimo gegenüber, weigert sich die Führungsetage von Nacional seit jeher, mit dem Stadtrivalen zu kooperieren. Solche Information erhält man übrigens, wenn man sich zum zweiten Mal von einem Einheimischen zurück hinunter in die Altstadt chauffieren lässt.

Nach reichlicher Überlegung und den schlechten Wetterdiagnosen für Madeira, die Azoren und das portugiesische Festland, entschieden wir uns für einen verfrühten Heimflug nach Genf. Eine erneute Stornierung für die Verbindung nach Genf sowie die Azoren gab uns recht und mir die Möglichkeit, gar den Nachholtermin des Nachholspiels (!) am Vormittag vor dem Heimflug wahrzunehmen. Und diesmal sollte es tatsächlich klappen! Sonnenschein begrüsste mich und liess mein Herz nach dem dritten Versuch höherschlagen. Selten habe ich mir die neunzig Minuten mehr verdient als bei diesem Spiel, das technisch einige gute Ansätze beinhaltete. Bereits nach zwei Spielminuten wurde mein Kommen mit einem sehenswerten Gewaltschuss aus der Distanz belohnt; im weiteren Spielverlauf folgte ein weiteres Tor auf beiden Seiten. Der 2:1 Heimsieg ging in Ordnung, zumal die Gäste nur über ihre schnellen Stürmer so etwas wie Gefahr erzeugen konnten. Durch die gewöhnungsbedürftige Anspielzeit verirrten sich lediglich 328 Zuschauer an dieses Spiel der zweithöchsten Liga. Eine Fanszene konnte beim ehemaligen Arbeitgeber von Diego Benaglio und Cristiano Ronaldo nicht ausgemacht werden.

Für mich stand nach dem Schlusspfiff das Taxi zum Flughafen und an jenem meine Freundin mit den Koffern bereit. Herzlichen Dank nochmals! Durch den neuerlichen Wintereinbruch in der Westschweiz traten wir mit zweistündiger Verspätung die Heimreise an. Bauarbeiten, ein Busersatz sowie ein Personenunfall kurz vor Lausanne sorgten für eine weitere Stunde Verspätung, sodass der verpasste Anschlusszug eine Heimfahrt verunmöglichte. Glücklicherweise studiert eine nette Freundin meiner Herzensdame in Fribourg, die uns kurzfristig nächtliches Asyl anbot. Am Morgen ging es für mich erneut mit viel Verspätung Richtung Gallusstadt, die ich nach 23 (!) Stunden Heimweg kurz nach dem Mittag erreichte.

Viele Randinformationen und wenig Sportliches, ich weiss. Rückblickend muss ich allerdings festhalten, dass ich viel gelernt habe. Darunter, wie es ist, auf einer Insel festzusitzen. But hey, no man is an island! So bin ich nun „stolzer“ Besitzer einer Reiseversicherung, was in Zukunft irgendwann noch von Vorteil sein kann. Dies tröstet natürlich nicht über die Tatsache hinweg, dass die Reisepläne von den Naturgewalten so zerrissen wurde, dass die Azoren wie auch Lissabon mitsamt dem Heimspiel von Benfica ins Wasser fielen. Nach solchen Ferien bräuchte ich eigentlich nur eines: Ferien!

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27. März 2018