Groundhopping

Celtic Glasgow – Hibernian FC (27.01.18)

Ich habe das Fliegen vermisst! Wo sonst ausser beim Sicherheitscheck kann ein Mann hinter einer Dame den Gürtel aus der Hüfte ziehen, ohne dass jemand eine Miene verzieht? Weniger gefehlt haben mir die Verspätungen und engen Sitzreihen sowie die endlosen Carfahrten in Kombination mit wenig Schlaf. Weiter getreu dem Motto „Quantität statt Qualität“ erreichte ich frühmorgens Glasgow, das mir aus früheren Besuchen bekannt war. Viel Sehenswertes bietet die grösste Stadt Schottlands sowieso nicht, sodass nur ein Bild vom George Square sowie eine Seitenansicht des Bahnhofs den Weg in die Bildergalerie gefunden haben.

Der „Celtic Park“ ist bequem per Bus zu erreichen und lud heute Nachmittag zum grün-weissen Duell mit den Hauptstädtern. Diese teilen sich nicht nur die Clubfarben, sondern auch die Vereinsgeschichte mit dem Ligakrösus. So gründeten irische Auswanderer einst den Verein und Hibernian gilt als katholischer Verein des Landes. Daher ist die Anhängerschaft von Celtic dem Pendant aus Edinburgh freundschaftlich gesinnt.

Der Serienmeister zeigt sich vor heimischer Kulisse zumindest in der Liga stets dominant und wollte diese Überlegenheit auch am heutigen Geburtstag von Trainer Brendan Rogers in drei Punkte ummünzen. Diesem Vorhaben hatte sein Gegenüber Neil Lennon etwas entgegenzusetzen, der die Celts seinerseits bestens aus aktiver Spieler- und Trainerzeit im „Paradise“ kennt. Zum Einlauf gab es wider Erwarten zwar kein YNWA, dafür im Anschluss aber viele schöne und unbekannte Melodien für die Ohrmuschel. Ein Grossteil dieser Lieder thematisieren den Nordirlandkonflikt, weshalb die Gesänge oft länger, sehr melodisch und emotional vorgetragen wurden. Besonders die Celtic Symphony und ein Lied namens Aidan McAnespie, das die tragische Geschichte eines irischen Aktivisten schildert, gefielen mir ausserordentlich.

Weniger zu überzeugen vermochten die Momente, in denen die Green Brigade in ihrem Stehbereich probierte, Gesänge und Tugenden aus dem deutschen „Ultràtum“ zu adaptieren. Diese Art Support passt für mich einfach nicht zur Insel. Auf dem Grün wurde den rund 55’000 Zuschauern äusserst magere Fussballkost geboten. Trotz Jungtalent Démbele kam Celtic nicht über einen 1:0-Heimsieg hinaus. Doch ein wahrer Champion holt seinen Sieg eben auch nach mässiger Leistung.

Vor mir standen nach Schlusspfiff dreieinhalb Stunden Zugfahrt in Richtung Norden. Nach Durchquerung des Cairngorms-Nationalparks erreichte ich gegen Mitternacht schliesslich Inverness. Aufgrund der eingesetzten Dunkelheit bekam ich von der Landschaft, die aus Filmen wie Skyfall und Harry Potter bekannt ist, leider nichts mit.

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1. Februar 2018