Wie Krankheiten sollte man Gegenden rund um Fussballstadien in Südamerika nie googeln. Meist sind die Symptome ja doch nur eine harmlose Erkältung und keine schwerwiegende Malaria. Zwar hatten mich andere Fotografen am Vorabend bei Racing tatsächlich vor der «Sketchy Area» gewarnt, als ich ihnen von meinen Plänen erzählte. Doch wie eigentlich immer hielt ich ihre Warnungen für übertrieben – solange man ein wenig aufpasst.

Ihre Heimspiele tragen die Juniors allerdings nicht im aufstrebenden Viertel Chacarita aus, sondern in San Martin. Diese Gegend ist von überdurchschnittlich vielen Gewaltverbrechen geplagt und gilt laut Google insbesondere an Spieltagen als Hochrisikozone. Zumindest für Ausländer markiert dieser Umstand aber eher ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor: Überfälle passieren schliesslich nicht unbedingt dann, wenn hunderte Menschen durch die Gassen ziehen und gleichzeitig viel Polizei vor Ort ist. Insgesamt ging alles gut – es galt wie immer, nicht aufzufallen und zu wissen, wie eine prompte An- und Abreise vonstatten geht.

Dass der Wind hier etwas rauer weht, ist nicht nur am Marihuana-Geruch im Unterrang der Haupttribüne zu erkennen. Die sich im Ausbau befindende Gegentribüne wirkt eher, als wäre sie gerade erst zusammengebrochen. Und mit «La concha de tu madre» ist auch eine der bekanntesten argentinischen Beleidigungen prominent als Zaunfahne in der Kurve zu sehen. Optisch erinnern diese ansonsten an die Anhängerschaft von Foggia Calcio. Den Höhepunkt des Hasses auf England, der auf den Falkland-Konflikt zurückgeht, erreicht die Kurve aber, als sie erbeutete Union-Jack-Fahnen von Anhängern von Stalybridge Celtic und Leicester präsentieren.

Auf dem Rasen sorgt «Chaca» hingegen für positive Schlagzeilen. Vor 7000 Zuschauern – Zutritt haben an diesem Nachmittag ausschliesslich Socios – drehen die Gastgeber im Zweitliga-Duell gegen Agropecuario einen Rückstand innerhalb von drei Minuten in ein 2:1. Dabei bleibt es.