Groundhopping

Charlton Athletic – Birmingham City (02.04.16)

Die Heimstätte von Charlton Athletic gehört meiner Meinung nach sicherlich auf das Podest, wenn man die Stadion in der englischen Hauptstadt bezüglich ihrer Sehenswürdigkeit vergleicht. Umso verwunderlicher also die Tatsache, dass ich „The Valley“ als letzten der Londoner Grounds aus Premier League und Championship kreuze. Der Grund dafür ist aber schnell gefunden. Um die beste Aussicht zu geniessen, wollte ich hier die Partie nämlich unbedingt vom Gästeblock aus mitverfolgen. Da kommt das Gastspiel der Blues in der Hauptstadt wie gerufen. Denn dorthin existieren nämlich Kontakte, sodass mir Paul mit einem Anflug von Pathos eine der 3’100 begehrten Karten für die Hintertorseite ergatterte. Somit war klar, dass die Anhängerschaft aus Birmingham das ganze Kontingent ausschöpfen wird und damit einem gelungenen „Away Day“, wie die Herren von der Insel zu sagen pflegen, nichts mehr im Wege stand.

Während sich die Crew rund um Paul und seinem Bruder Phil über eine verhältnismässig kurze Anreise freuen durfte, begann bei mir der Tag in aller Herrgottsfrühe in der Gallusstadt. Per Zug wurde wie gewohnt der Flughafen in Basel angepeilt, wo mich der Ryanair-Flieger nach dem gewohnten Prozedere schliesslich sicher ins vereinigte Königreich brachte. Nun stand die Fahrt in Richtung Stadtzentrum an, ehe es nach einer kurzen Pause per Zug zum Stadion ging. Bei der Station London Bridge stieg massig Birmingham-Material ein, darunter auch die Kameradschaft und die Zeit bis nach Charlton wurde gut verplaudert. Die Uhr zeigte mittlerweile senkrecht in die Höhe, sodass noch ziemlich genau drei Stunden bis zum Spiel hin zur Verfügung standen. Wie in England üblich sammeln sich in solchen Fällen die Fans in den umliegenden Pubs, so auch heute, wo sich Birmingham bereits im Voraus die Herrschaft zweier solcher Gaststätten mit den klangvollen Namen „Rose of Denmark“ und „The Antigallican“ sicherte. Letzteres war auch Ziel unserer Reisegruppe und der Pub-Namen bewog Phil dazu, einen schlechten Spruch über meinen Herzensverein zu reissen. So wurde nun also zusammen mit Hunderten Fans aus der zweitgrössten Stadt Englands die Bude gefüllt und Gerstensaft geordert.

Nebenbei wurde lauthals gesungen und auf den vielen Bildschirmen noch zur Unterhaltung aller die Partie vom absoluten Erzrivalen Aston Villa gezeigt. Unter anderem Umständen wären bei dieser Tatsache wohl bereits erste Gläser geflogen, doch die momentane Situation des AVFC’s verspricht äusserst viel Unterhaltung und bereits in der Folgewoche sollte der Abstieg besiegelt sein. Dann geht es ab zum Derby! Auch heute unterlag Villa zuhause gegen Chelsea mit 0:4 und im Pub wurde mit Gesängen wie „Randy Lerner is a Blue is a Blue, Randy Lerner is a Blue, he hates Villa“ gefeiert. Ja, da hat der Eigentümer den Stadtrivalen schon ziemlich an die Wand geritten. Nun ja, „uns“ sollte es egal sein, zumal Birmingham City sicher im vorderen Mittelfeld steht und sogar noch leise Hoffnung auf einen Play-Off-Platz äussern darf.

Dafür muss aber heute quasi beim Aston Villa der zweiten Liga ganz klar ein Sieg her. Ein Unterfangen, welches also durchaus im Bereich des Möglichen liegt. So machten wir uns gut gelaunt kurz vor Spielbeginn auf in Richtung Gästeblock, der nach einer kurzen aber strikten Eingangskontrolle betreten werden durfte. Wohl etwa ähnlich wie beim Erzrivalen von Birmingham präsentiert sich die Gemütslage beim Anhang der Addicks, der zum Beginn der Partie für einem Spielunterbruch sorgte, als alle drei Tribünen gemeinsam Papierflieger, wohl mit Botschaften gegen den Clubbesitzer Roland Duchâtelet versehen, auf das Spielfeld warfen. Dem belgischen Halunken und Politiker gehören unter anderem auch der FC Carl Zeiss Jena sowie der spanische Zweitligist AD Alcorcón. Bei beiden Fanlagern ist er in etwa ähnlich beliebt wie hier nahe dem Nullmeridian von Greenwich. Ich kann den Ärger beim Familienclub hier durchaus verstehen, trotzdem sind insgesamt elf Minuten Nachspielzeit doch relativ ärgerlich.

Vor allem wenn man sich dann in eben dieser besonders langen Nachspielzeit noch den Treffer zum 2:1 fängt und damit ohne Punkte nach Hause fährt. Erinnert schon ziemlich stark an den Verein aus der Heimat. Die Niederlage ist umso ärgerlicher wenn man weiss, dass Birmingham in Führung lag und das Spiel vor 15’742 Zuschauer über grosse Strecken eigentlich im Griff hatte. Somit konnten auch die letzten verbliebenen Aufstiegshoffnungen endgültig begraben werden. Immerhin bleibt die Vorfreude auf die beiden Derbys in der kommenden Spielzeit.

Kurzzeitig etwas betrübt begaben wir uns gemeinsam zurück zum kleinen Bahnhof und nach einer knappen halben Stunde fuhr der Zug in Richtung Innenstadt ab. Für die Kollegen stand der Heimweg in Richtung Birmingham an, während ich mich noch an die Oxford Street trollte, ehe am späten der Bus in Richtung Flughafen Stansted bestiegen wurde. Am Sonntagmorgen dann der Heimflug zurück in die Schweiz. Keep Right On Birmingham Boys!

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2. April 2016