Groundhopping

Crystal Palace FC – Everton FC (31.01.15)

Eigentlich könnte ich alle meine Berichte mit dem Wort „eigentlich“ beginnen. Denn eigentlich war ja geplant, an diesem Wochenende das Spitzenspiel der Premier League zu besuchen, da ein Kumpel von mir bei den Blues Member ist und eigentlich an Tickets für jedes Spiel kommt. Aber eben, eigentlich! So wurde es schlussendlich nichts mit dem Spitzenspiel und es wurden Alternativen gesucht, was einem in London zum Glück nicht sonderlich schwer fällt. Schlussendlich entschied ich mich für die Partie Crystal Palace gegen Everton, zumal ich so auch endlich einmal meinen Lieblingsspieler live zu Gesicht bekomme. Naja, Lieblingsspieler klingt vielleicht etwas kitschig, aber der Everton-Verteidiger Leighton Baines hat es mir angetan. Ohne grosse Allüren strahlt er Sicherheit auf dem Platz aus und ist meiner Meinung nach noch einer der wenigen typisch englischen Charaktertypen im Inselfussball. Optisch so eine Mischung von Bradley Wiggins und Ringo Starr.

Somit also die Frage mit dem Spiel geklärt und somit stellt sich einem sogleich die nächste Frage in den Weg. Tickets: Wo, wie und wie teuer? Nach ein paar „Nachforschungen“ dann die Erkenntnis, dass bei Palace ohne Membership nichts möglich ist. Es sei denn, man geht über Drittanbieter und kauft sich dort überteuert eine Eintrittskarte. Dies probiere ich aber wenn immer möglich zu vermeiden. Somit blieb also nichts anderes übrig als eine solche Mitgliedsschaft zu kaufen. Diese ist verhältnismässig zu den anderen aber noch recht billig und anschliessend konnte ich tatsächlich noch zwei Karten für das Spiel gegen den Club aus Liverpool ergattern. Warum zwei Tickets? Ich könnte jetzt natürlich sagen, um sicherzugehen dass mit dem Eintritt alles klappt, da meine Memberkarte (worauf das Spiel geladen wird) ja erst kurz vor Abreise geliefert wird und ich so mit dem Print-at-Home-Ticket eine Absicherung hatte. Die Absicht war es aber, die Karte vor Ort noch allfälligen Interessenten unter die Nase zu reiben, um so die Kosten der Membershipkarte wieder wettzumachen. Ich weiss, selbst immer über so Typen klagen und dann sowas machen…

Obwohl, gemacht habe ich es schlussendlich nicht, denn recht spontan kam noch ein Kumpel aus der Heimat mit und somit hatte man den zweiten Abnehmer für die Karte auch schon gefunden. Meine Membershipkarte wurde mir übrigens tatsächlich erst im allerletzten Moment vor der Abreise geliefert.

Somit eigentlich alles bereits fix geplant, wie ich jedoch bin, schaute ich nochmals unter soccerway.com nach, ob man vielleicht sogar noch ein Abendspiel mitnehmen könnte. Finden konnte ich keines, dafür stiess ich auf die Partie Arsenal gegen Aston Villa, die am frühen Sonntagnachmittag stattfinden sollte. Da ein Kumpel Member bei den Gunners ist konnte ich mir noch ein letztes Ticket ergattern und auch für Begleiter Flavio fanden wir schlussendlich eine Lösung. Also schnell Flug um- und Hotel gebucht und so wird aus einem kurzen Tagesausflug schnell mal ein Wochenendtrip mit zwei netten Premier-League-Partien.

Mitfahrer Flavio kam bereits am frühen Nachmittag in die Romandie, da er aus „berufstechnischen“ Gründen jeweils am Freitagmorgen sein Wochenende starten kann. Man traf sich am Abend dann bei mir in der Wohnung und nach einer kurzen Stärkung ging es auch schon wieder weg. Ziel war die „Patinoire de Malley“, wo der HC Lausanne seine Heimspiele austrägt. Im Derby gegen die Hockey-Cracks aus Fribourg zogen die Lausannois mit 1:2 knapp den Kürzeren, was die Stimmung und den kleinen Ausflug aber in keinster Weise schmälerte. Hier noch ein Bild zum kleinen „Einstimmungsausflug“.

Am Samstagmorgen wurde dann recht zügig aufgestanden und die Wohnung mit dem Ziel Basel Flughafen verlassen. Dort kurz durch den Sicherheitscheck und dann stand man bereits mit den anderen Passagieren am Gate. Diese billigen Flüge ziehen auch dementsprechendes Publikum an und da muss man sich halt nicht wundern, was für Gestalten sich bei einem Flug für 21 Franken neben einem in die Sitze zwängen. Herr Ryan flog und landete zum Glück pünktlich und für uns ging es nach der Ankunft erst einmal per Zug ins Stadtzentrum und danach per Metro zur Victoria Station. Oh wie habe ich sie vermisst, die Engländer in der Metro mit den langen tiefgrünen Mäntel, den Hornbrillen und den Holzfällerhemden. England I am back! Inzwischen zeigte die Uhr bereits kurz vor Mittag und es war Zeit für eine Stärkung. Danach wurde das Gepäck verstaut und der nächste Zug mit Destination Selhurst bestiegen. Von dort aus läuft man noch ein wenig zu Fuss durch typisch englische Quartiere, ehe sich auch schon das mächtige Home End vor einem auftut. Unsere Plätze befanden sich aber auf der Gegentribüne. Vierte Reihe, praktisch auf Ballhöhe bei der Mittellinie. Besser gehts nicht!

Wer Palace bereits einmal live gesehen hat weiss, dass sich hier wohl noch das einzige wirklich aktive Fangrüppchen der Insel mit Fahnen und Trommel eingenistet hat. Dabei handelt es sich um die im Jahre 2005 gegründete Gruppierung „Holmesdale Fanatics“, welche unterstützt durch einige Basler-Fans hier einen recht ordentlichen und vor allem durchgehenden Support zustande bringt. Chapeau! Eine schöne Ausnahme in der von der restriktiven Fanpolitik geprägten englischen Stadionlandschaft. Trotzdem verweist man auch hier mit Screeneinblendungen darauf hin, dass es sich beim „Selhurst Park“ um einen All-Seater-Ground handelt und man sozusagen nur zum konsumieren hier ist. Klatschen und Zahlen geht in Ordnung, aber bitte nicht mehr! Neben den Fans mag zudem die Unterhaltung vor der Partie zu gefallen. Sei es das Wappentier, ein richtiger Adler, welcher quer durch das Stadion fliegt oder die leichtgekleideten und attraktiven Cheerleader der Eagles. Je nach Geschlecht werden hier Prioritäten gesetzt. 😉

Das Spiel selbst beginnt auch sehr ansprechend, denn nach nur zwei Minuten gehen die Toffees aus der Beatles-Stadt bereits in Führung. Nach einem Stellungsfehler in der Londoner Abwehr rutscht Romelu Lukaku in den Ball hinein und trifft somit zur frühen 0:1 Führung. Diesem Schock folgt eine Druckphase der Hausherren, die aber innert kürzester Zeit mehrere hochkarätige Chancen auslassen. Vor allem Arsenal-Leihgabe Yaya Sanogo vermochte mich nicht zu überzeugen. Dafür spielte mein Favorit Leighton Baines meines Erachtens, trotz lädiertem Knie eine souveräne Partie und vermochte mit seinen „Temporushs“ die eine oder andere gefährliche Aktion der Liverpooler einleiten. Schlussendlich blieb es aber beim 0:1 Gästesieg vor einer Saisonrekordkulisse von 25’197 Zuschauern, darunter knapp 3000 aus der Stadt am River Mersey.

Wie immer ging es nach dem Spiel zurück in die Innenstadt und man liess den Abend gemütlich ausklingen, ehe man sich zum Hotel begab, welches mir bereits aus früheren Besuchen bekannt war und direkt beim Wembley-Stadion liegt. Fussballträume waren also praktisch garantiert.

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31. Januar 2015