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Dynamo Dresden – SC Fortuna Köln (27.02.16)

Die Anhängerschaft der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden gehört landesweit zweifelsohne zu den besten ihrer Art. Stets in grosser Zahl vertreten, sorgen sie für lautstarken Support und füllen momentan in der dritten Liga des Landes die Gästeblöcke. Auswärts durfte man die Fans und Spieler der Sachsen bereits einige Male betrachten; sodass auch ein Besuch bei einem Heimspiel im ostdeutschen Dresden nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien.

Diese Frage der Zeit sollte sich nach dem vergangenen Wochenende erübrigen, da das Rudolf-Harbig-Stadion oder eben neuerlich das DDV-Stadion zu den jüngsten Errungenschaften in der Stadionliste zählt. Doch ursprünglich war, wie so oft, eigentlich etwas anderers geplant. An jenem Samstag würde nämlich der Serie-B-Aufsteiger Novara im Derby den Vertreter aus Pro Vercelli empfangen, was mich und einige Leute aus dem Umfeld zu einem Besuch in Norditalien stimmte. Als dann die definitive Terminierung kam, folgte Resignation. Da wurde die Partie doch tatsächlich (wohl aus Risikogründen) noch auf den Freitagabend gesetzt. So fiel ein jeder Aspirant weg. Einmal mehr gab es die posttraumatische Ernüchterung wegzustecken, was scheinbar nicht unbemerkt blieb, sodass meine Freundin kurzfristig vorschlug, ich solle doch ihr eine Alternative (mit Fussball!) vorschlagen. Ein äusserst netter Zug ihrerseits und so landete man nach kurzen Durchforsten der Spielpläne schliesslich bei der Variante Dresden.

Swiss bot ab Zürich zu passenden Zeiten eine Flugverbindung ideal für einen Weekendtrip nach Ostdeutschland an, was zusammen mit einigen wirklich sehenswürdigen Bauten in Dresden und der Partie vom Samstag gegen Fortuna Köln schlussendlich auch im fussballerischen Rahmen durchaus zu überzeugen wusste.

Die Anreise am Stichtag erfolgte problemlos und man war bereits zu früher Stunde im Hotel, wo kurz das Gepäck im geräumigen Zimmer verstaut wurde, ehe ein erster Gang durch die Innenstadt anstand. Die Landeshauptstadt birgt Gebäude wie die bekannte Semperoper, der Frauenkirche sowie dem Zwinger, wobei viele Teile davon rekonstruiert worden sind, nachdem die Stadt an der Elbe im Zuge des zweiten Weltkrieges von den Amerikanern bombardiert wurde. Dabei liessen nicht nur viele Zivilisten ihr Leben, sondern auch die meisten geschichtlich und architektonisch relevanten Bauten sind damals dem Erdboden gleichgemacht worden. Heute strahlt Dresden aber wieder im alten Glanz, wenn auch die Wirtschaft (allgemein im Osten) etwas stagniert. Damit fehlen auch langfristig grosse Unternehmungen und Sponsoren im Sportbereich, um den Bezug zurück zum Fussball hin zu schaffen.

In der laufenden Spielzeit avanciert die dritte Liga bekanntlich zum DDR-Oberliga-Revival, wobei die Dresdner souverän die Tabellenspitze bilden, ehe mitunter auch einige ostdeutsche Vereine um die restlichen Aufstiegsplätze spielen. Fortuna Köln hingegen sieht sich da als kleiner Verein eher mit dem Abstieg konfrontiert und ist wohl ohne grosse Ambitionen nach Dresden gereist.

So präsentierte sich dann auch das Spiel, nachdem wir zu Fuss den Weg zum Stadion zurückgelegt und unsere Plätze auf der Gegentribüne eingenommen hatten. Die Partie trotz klarer Rollenverteilung relativ langweilig und auf überschaubarem Niveau, sodass des Öfteren der Blick auf die Hintertortribüne gerichtet wurde, wo sich die Fans von Dynamo im soliden Dauersupport übten. Die Dynamischen kann man sich echt immer geben! Am Schluss sollten die 24’142 Zuschauer vor Ort einen klaren 4:0 Heimsieg feiern dürfen, was Dynamo weiter souverän an der Spitze stehen lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nach dem Aufstieg am Ende der Saison auch einmal längerfristig in der zweiten Liga vertreten bleiben. Dem über lange Zeit geplagten Osten wäre es allemal zu gönnen.

Weniger gequält wurde unser Duo, welches am Abend und am Folgetag noch einmal Dresden in all seiner Pracht genoss. Neben einem Spaziergang an der Elbe, gutem Essen, Shopping und Sightseeing durfte auch ein Besuch im Heinz-Steyer-Stadion nicht fehlen, welches durch die dahinter zu findende ehemalige Tabakfabrik „Yenidze“ besonderes Flair verleiht bekommt. Am Abend der Rückflug dann problemlos, sodass auf ein kulturell, kulinarisch und fussballtechnisch gelungenes Februarwochenende zurückgeschaut werden darf.

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27. Februar 2016