Groundhopping

England – Schweiz (08.09.15)

Wer träumt schon nicht davon, eines schönen Tages einmal sein Team im Wembley unterstützen zu dürfen? So hiess es, die rare Möglichkeit zu nutzen und dem Herkunftsland bei einem Ernstkampf auf der Insel beizustehen. Um dann tatsächlich beim Stichtag vor Ort sein zu dürfen musste aber bereits mehr als ein halbes Jahr im Voraus eine der begehrten Eintrittskarten gekauft werden. Obwohl ich damals weder wusste, ob ich für die kurze Zeitspanne im September vom Arbeitgeber die Erlaubnis für eine Absenz bekomme noch mit wem ich vor Ort sein werde, wurde also so ein Ticketantrag beim Verband eingereicht. Nach Informierung der Kameradschaft zeigte sich Cedric vom Unterfangen angetan und mit der positiver Mitteilung des SFV zum Kartenantrag in der Hand, konnte Mitte Mai noch ein halbwegs günstiger Flug für einen ultimativen Kurzurlaub in der englischen Metropole gebucht werden. Die Zustimmung seitens der Arbeitsstelle kam auch und das Risiko hatte sich schliesslich ausbezahlt.

Nachdem Cedric bereits am Vorabend zu mir nach Lausanne reiste ging es am Folgetag gegen Mittag auf in Richtung Genfer Flughafen, wo man in einer guten Stunde mit reichlich Fussballfans an Bord zum Londoner City Airport geflogen wurde. Bis zum vorab vereinbarten Treffpunkt aller Schweizer-Fans und dem damit verbundenen Start des Fanmarsches blieb nicht allzu viel Zeit und man begab sich mehr oder weniger direkt zum Swiss Court. Dieser Platz trägt tatsächlich diesen Namen und ist nahe der bekannten Einkaufsläden rund um den Piccadilly Circus zu finden. Was dort vorzufinden war verdiente dann schon eher die Überschrift Zirkus. Dass man bei der Schweiz auswärts kaum eine schlagkräftige Truppe Fussballfans zusammenbringt, die für Stimmung sorgen und gut gekleidet sind war mir klar. Dass sich der Haufen von knapp 10’000 Leuten aber ausschliesslich (!) aus irgendwelchen verkleideten Modefans, zurückgebliebenen Hinterwäldlern oder verwöhnten Vorstadtzürchern zusammensetzen würde, war mir persönlich dann aber definitiv zu viel des Schlechten.

Also schnell noch ein Pint gestemmt und gleich noch ein paar, um wenigstens halbwegs all die peinlichen Landsmänner ausblenden zu können. Der Marsch an sich war dann allerdings schon sehr eindrücklich, auch wenn sich das Liedgut auf einige wenige “Hits” beschränkte, bei denen die Lautstärke jeweils gut anschwoll. Zumindest aber mal ein nettes Gefühl, wenn man mit x-tausenden Fussballfans die Innenstadt einer europäischen Metropole lahmlegt und mitten auf der Oxford Street neben den japanischen Touris singend und trinkend durch die Gassen zieht. Ab der Station “Bond Street” war aber die Metro das Fortbewegungsmittel, ehe man sich am Wembley Park nochmals sammelte und gemeinsam die letzten Meter bis hin zum Stadion zurücklegte. Trotz Vermischung beider Fanlager kam es zu keinerlei Ausschreitungen. Schade, da hätte ich es einigen Exemplaren durchaus gegönnt, wenn sie von einer älteren Fraktion Engländer umgeboxt worden wären.

Wir hielten noch für einen kurzen Essensstopp inne, ehe man pompöse Spielstätte betrat, die ich bereits einmal leer begutachten konnte, sowie diverse Male im Fernsehen. Schon eine eindrückliche Baute mit historischen Charakter, man erinnere sich zum Beispiel an das legändere Tor (oder eben Nicht-Tor?) im Jahre 1966, was England zum WM-Titel verhalf und nun den Namen des Austragungsortes trägt. Für späte aber ausgleichende Gerechtigkeit sorgte übrigens der Schuss von Frank Lampard im Jahre 2010, als der Ball hinter Manuel Neuer ganz klar im Tor war, der Treffer aber im Gegensatz zur Wembley-Tor nicht gegeben wurde.

Was es zum eigentlich Grund der Reise, dem Spiel zu sagen gibt? Ehrlich gesagt nicht viel. Meiner Meinung war das Gezeigte trotz absolut eindrücklicher Kulisse von 75’751 Zuschauer äusserst mager. England tat seinerseits nur das Nötigste was dennoch mehr als reichte und gewann dank Tore von Einwechselspieler Harry Kane und einen späten Treffer von Wayne Rooney schlussendlich verdient mit 2:0. Letzterer ist nun somit auch alleiniger Rekordtorschütze der Three Lions und spülte dank seinem von mir prophezeiten Treffer noch etwas Geld in die Wettkasse.

Rückblickend sicherlich ein etwas komischer Ausflug, was nicht an Begleiter Cedric lag sondern einfach am Gesamtpaket von Kutten, unmotivierten Spielern und fehlender Stimmung.

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8. September 2015