Groundhopping

Espanyol Barcelona – Córdoba CF (27.02.15)

Nach Berichten über verschneite Landschaften im Hochjura oder über kalte Busfahrten in Ostfrankreich kommt nun endlich wieder einmal ein Bericht aus der Wärme. Für einen ultimativen Kurztrip war Barcelona auserwählt worden, wo man nicht nur von einem billigen Flug sondern auch von einer Partie der höchsten Liga und den warmen Temperaturen auf die iberischen Halbinsel gelockt wurde. Zuerst aber noch die Arbeit und dann das Vergnügen! Dank ein paar Überstunden konnte die SWISS-Maschine schlussendlich aber trotzdem ohne jeglichen Zeitdruck erreicht werden und ganz nach dem Gusto von Reinhard Mey (Sorry für den Ohrwurm für diejenigen, die es verstehen) ging es gen Spanien hinzu. Der Flieger an diesem Wochentag natürlich nicht vollständig gefüllt, sodass ich bei beiden Flugwegen eine Sitzreihe nur für mich allein hatte. Als Abwechslung zu all diesen Billigflügen auch mal nicht schlecht. Verspätet war aber auch dieser Flieger. Aber ich wär auch überrascht gewesen wenn nicht. Ich und pünktliche Abflugzeiten passt etwa so gut zusammen wie Dynamo Dresden und die dritte Liga, Lukas Podolski und Inter Mailand oder der FC Thun und die Europa League.

Da der Anpfiff für die heutige Partie wie in Spanien typisch sehr spät erfolgte, hatte man noch genügend Zeit um durch die Rambla zu schlendern, sich ans Meer zu setzen und das warme Wetter zu geniessen und einmal mehr die, entschuldigt mich, für Spanien etwas sinnbildliche Sagrada Familia zu bestaunen. Meiner Meinung nach ist das Potential in Spanien ja durchaus vorhanden, mit den vielen gut qualifizierten Studenten auf Arbeitssuche wird einem dies auch bestätigt, trotzdem fehlt es dem Land irgendwie an einer klaren Strategie, um aus der wirtschaftlichen Misere die richtigen Schlüsse zu ziehen und einen Weg zu finden, da herauszukommen. Diese Situation führt natürlich auch zu inländischen Spannungen, wo sich zum Beispiel die Katalanen als wirtschaftliches Zugpferd des ganzen Landes sehen und deshalb seit langem auf die Unabhängigkeit pochen. Ein allgegenwärtiges Thema, wenn man sich in Barcelona umschaut und den älteren Herren in den Strassenbistros zuhört. Meiner Meinung nach (und vor allem auch die des restlichen Spaniens) ist dieses sture Pochen auf die Autonomie keine gute Idee, zumal ich es als wichtig erachte, genau auch in einer wirtschaftlichen „Depression“ wie dieser als Land zusammenzustehen und sich ökonomisch neu auszurichten, um genau dies zu verhindern, was in Griechenland bereits eingetroffen ist.

So, mein politisches Plädoyer gegen die zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Gebiete in ganz Europa ist hiermit beendet. Oder „Ich habe fertig“ wie Herrn Trapattoni wohl sagen würde. Und darum bitte ich euch auch meine Aussage, wie wohl alle Journalisten an dieser „historischen“ Pressekonferenz im März 1998, gelassen zur Kenntnis zu nehmen.

Wieder zurück nach Barcelona, das ja mit Güell, Gaudì und Miró einen richtig grossen Beitrag an die verrückte und vielfältige Künstlerwelt Spaniens beiträgt, wie mir später auffiel. Hier brach also bereits langsam die Dunkelheit herein und ich machte mich auf, um zum „Plaça d’Espanya“ zu gelangen. Von dort sollte dann die Metro praktisch bis vor das Stadion fahren. An eben diesem Platz angekommen wollte dann aber plötzlich niemand mehr etwas von der Haltestelle auf meinem Handy wissen. Natürlich (wie könnt’s auch anders sein) absolut cool geblieben und einen Mitarbeiter von einer Frittenbude gefragt, dem ich zutraute, dass er aufgrund des jungen Alters einerseits der englischen Sprache mächtig ist und des weiteren weiss, wie ich am schnellsten zur Spielstätte von Espanyol kommen könnte. Schlussendlich stellte sich heraus, dass es sich bei der Verbindung auf meinem Handy um eine Regionalbahn handelte. Nehmen wir auch! Also schnell von dem flotten Typen den Weg weisen lassen und nix wie rein in den Zug, der bereits zur Abfahrt bereitstand. Eine gefühlte Viertelstunde später war der Zug aber immernoch nicht abgefahren, die einheimischen Passagiere machten aber keineswegs irgendwelche Anstalten, die hier etwas Ungewöhnliches vermuten liessen und somit wartete man geduldig mit.

Von meinem Platz aus hatte ich ideale Sicht auf die Anzeigetafel, wo die Zugverbindung drauf zu finden war. Abfahrt wäre also vor knapp einer halben Stunde gewesen. Der Spanier macht es sich hier aber bequem und ändert jeweils einfach die Abfahrtszeit auf der Anzeige, sodass die Bahn  „theoretisch“ gesehen zu der Zeit abfährt, die auf der Anzeige steht. Verstanden? Wenn nicht ist auch egal, einfach wieder einmal südländischen Humor vom Feinsten! 😉

Irgendwann ging es aber dann doch noch los und wenig später stand man dann bereits vor dem Stadion mit dem wohl fürchterlichsten Sponsorennamen nördlich des Äquators (Brighton ausgenommen!). „Power8 Stadium“; da nehme ich die heimische AFG Arena ja gerade noch gelassen hin. Da ich ohne Ticket angereist bin musste man sich erstmal noch in die Schlange stellen, ehe man eine der Eintrittsberechtigungen für einen fairen Preis erwerben konnte. Gegenüber vom eigentlichen Stadion findet man noch eine kleine Trainingsstätte, die mit der netten Tribüne so manchen Schweizer Profiground in den Schatten gestellt hätte. Sowas gefällt einem natürlich. Schnell ein Foto gemacht, ehe man sich dann ins „eigentliche“ Stadion begab. Dieses kommt relativ gross und kompakt daher und erinnert mich stark an das Stadion im nordfranzösischen Lille wo man im Januar dieses Jahres zu Gast war.

Mit 17’128 Zuschauern waren die Tribünen aber nur gerade knapp die Hälfte gefüllt, unter ihnen auch knapp hundert Anhänger die (vergebens) dem Gästeteams aus Andalusien die Daumen drückten. Die „tiefen“ Zuschauerzahlen sind verständlich, da der Club sportlich neben seinem grossen Bruder keine grosse Rolle spielt, trotzdem bemerkenswert, dass man noch Leute findet die grösstenteils auf Erfolge verzichten und nicht einfach sinnlos zum FC Barcelona rennen. Zu meiner Überraschung gab es auf der Heimseite sogar noch recht ansprechenden aktiven Support, wobei zwei Fangruppen gegenüber voneinander für Stimmung sorgten. Die Gästefans hatten ausser ein paar kurzen Rufen heute Abend nichts zu melden. Trotzdem bemerkenswert, wenn man seinen abstiegsgefährdeten Verein auch an einem Freitagabend in der Fremde zu unterstützen versucht.

Auf dem Platz wurde einem auch eine ansprechende Partie geboten, merkt man die Qualität dem spanischen Fussball doch an. Die Hausherren kamen insgesamt zu den besseren Torchancen, während Cordoba im Spielaufbau schwächelte und nach einem Lattentreffer mit dem Schicksal haderte. So kam es, dass Espanyol in der 43. Minute nach einem sehenswerten Treffer von Abraham verdienterweise mit 1:0 in Führung ging. Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass in dieser Halbzeit keine der beiden Mannschaften den Ball im gegnerischen Gehäuse unterbringen konnte. Die Gastgeber stossen somit in der Tabelle bis auf den guten achten Platz vor, während es für die Andalusier am hinteren Ende der Tabelle immer düsterer aussieht.

Für mich hiess es nach Spielschluss ein Taxi aufzusuchen, was dann nach einer knappen halben Stunde endlich klappte und mich zum „Lufthafen“ chauffieren zu lassen. Der erste Flug am Morgen, dementsprechend zu einer recht unkonventionellen Zeit, brachte mich zurück in die Schweiz und war wegen der tiefen Nachfrage relativ gemütlich da ich, wie bereits anfangs erwähnt, erneut eine ganze Sitzreihe für mich hatte. Apropos Sitzreihe: Ein Kumpel hatte mich einmal darauf hingewiesen, dass in den meisten Flugzeugen (aus Aberglaube) die 13. Reihe fehlt. War dann bei diesem Flug auch wirklich so. Speziell, was man tun muss, dass sich auch die Gäste mit diesem Volksglauben trotzdem an Bord wagen.

Danach wurde aber nur noch der aufgehenden Sonne Zeit gewidmet. Normalerweise gehen einem in solchen Momenten ja genau die eigentlich essenziellen Dinge im Leben durch den Kopf. Mir schwirrte aber genau eine Sache durch den Kopf: Ein Sieg am Sonntag in der Liga gegen GC und das Wochenende wäre perfekt. Verliebt in Fussball eben.

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27. Februar 2015