Groundhopping

Évian TG FC – Girondins Bordeaux (07.02.15)

Wie gesagt, heute ging es nach Annecy, obwohl man zuerst mit dem Ausflug nach Lyon und der Partie gegen Paris St. Germain gerechnet hatte, aber die lieben Herren der Ligue 1-Terminierung machten mir natürlich einen Strich durch die Rechnung. Der einzige Termin, welcher für mich nicht gepasst hätte wäre der Sonntagabend. Auf wann das Spiel angesetzt wurde brauche ich jetzt wohl nicht mehr zu sagen, ihr könnt es euch ja denken.

Typisch, zuerst warten sie solange mit der definitiven Terminierung, dass man bereits vorher zwei Tickets gekauft hatte, um bei einem allfälligen Spiel überhaupt dabei zu sein und jetzt wird es noch auf die ungünstigste aller Anspielzeiten angesetzt. Worst-Case-Szenario also nun eingetroffen. Zum Glück hatte man ein paar weitere Trümpfe in der Hand, da ich es bereits ein bisschen hatte kommen sehen. Somit ging es an diesem Wochenende doch wie geplant mit Kumpel Luigi nach Frankreich, allerdings nicht nach Lyon sondern in die Alpenstadt Annecy. Dort bestreitet nämlich Evian seine Spiele im Exil, da ihr kleines Stadion in Thonon (hier Bericht aus Juli 2013) den Anforderungen nicht entspricht. Der Gegner ist mit Bordeaux auch kein Unbekannter, schliesslich war man Ende September bei den Girondisten zu Gast. Anpfiff bei dieser Partie war Samstag um 20 Uhr. Top!

Nach einer kurzen Nacht aufgrund des Ausfluges nach Bern vom Vorabend ging es per Zug nach Genf, überraschenderweise nicht zu zweit sondern zu dritt. Mein Namensvetter hatte sich kurzfristig dafür entschlossen uns ebenfalls nach Frankreich zu begleiten und somit war die Reisegruppe um eine Wenigkeit angewachsen. Von Genf nach Annecy ging es nicht, wie auch von uns zuerst angenommen mit dem Zug, sondern von einem kleinen, heruntergekommenen Provinzbahnhof aus per Bus. Das Gefährt passte ebenfalls ins Bild, zumal es einen recht schäbigen Eindruck machte und wie man während der Fahrt merkte, auch über keine Heizung verfügte. Wir hatten zum Glück noch reichlich Platz im Bus, während der Fahrt wurden aber immer mehr Leute aufgesammelt und schlussendlich war der Car so voll, dass die Leute sogar im Gang stehen mussten. Ob das jetzt so wirklich legal ist lassen wir mal offen. Passiert ist zum Glück niemanden etwas und gegen die Mittagszeit erreichten wir die von Bergen umgebene Möchtegern-Olympiastadt Annecy. Erstmal ging es zum Hotel, wo man das Gepäck abladen konnte und anschliessend stand ein Rundgang im alten Zentrum der Stadt auf dem Programm. Die Stadt scheint wirklich vielen Touristen einen Begriff zu sein und verfügt mit ihren Kanälen doch über die eine oder andere sehenswerte Gasse. Irgendwann wurde aber auch uns die beissende Kälte zuviel und man setzte sich in ein Restaurant um zu speisen. Nach einer nicht sehr genussvollen Mahlzeit war am Nachmittag noch ein wenig Shopping angesagt, ehe es gegen Abend vor dem Spiel noch zum Aufwärmen für einige Zeit ins improvisierte Hotelzimmer für drei Personen ging. So gegen sieben Uhr verliessen wir das Zimmer wieder und machten uns per Bus auf zum Parc des Sports. Dieser liegt im Norden der Stadt und hat eine Kapazität von 16´000 Plätzen. Die Anlage verfügt über eine Laufbahn sowie zwei grosse Tribünen auf der Seite. Hinter dem einen Tor findet man unter einer provisorischen Dachkonstruktion die Heimfans, während hinter dem anderen Tor, leicht seitlich versetzt, die Gästefans untergebracht sind. Diese Seite ist aber nicht überdacht. Aus Bordeaux waren dann auch tatsächlich ein paar hartgesottene Fans zugegen, die zu Beginn mit Rauchtöpfen und etwas Pyrotechnik auffielen. Auf der Heimseite absolut schrecklichen Kundensupport (offizielle Fähnchen, Leibchen etc.), was ja für Frankreich immer typischer wird. Schade!

Das Spiel bei minus vier Grad verständlicherweise nichts Grossartiges, trotzdem sah man in der 11. Minute bereits einen ersten wundervollen Treffer. Wahbi Khazri hatte aus der Distanz zum 0:1 für die Girondisten eingenetzt. Das Heimteam präsentierte sich in der Folge absolut harmlos und wird in der Ligue 1 einen schweren Stand haben, wenn sich hier nicht schleunigst was ändert. Zumal die Spiele im Exil stattfinden und auch deshalb „nur“ 10’033 Zuschauer anlocken, würde ich dem Abstieg der Hausherren nicht gross nachtrauern. Die offizielle Zuschauerzahl klingt für mich zudem etwas unrealistisch, ich hätte so auf 6’000 Zuschauer getippt. Das Spiel endete also in einem verdienten Gästesieg und wir waren froh, als die Partie endlich abgepfiffen wurde, denn einige Körperteile waren meiner Meinung nach schon gefährlich nah dran zu erfrieren.

Allgemein war die Kälte an diesem Wochenende in den Bergen zu jeder Zeit ein präsenter Faktor. Zu guter Letzt musste man nach Spielschluss dem Weg zum Hotel noch zu Fuss angehen, was für meine Begleiter doch recht an die Grenze ging. Im Hotel wärmten wir uns dann auf und man schlief auch recht schnell ein, zumal es am nächsten Tag wieder recht früh gegen Heimat zuging. Die frühe Rückfahrt am nächsten Tag verlief stillschweigend, da sich jeder mit allen möglichen Kleidungsstücken ausgestattet bestmöglich der Kälte trotzend im eiskalten Bus eingenistet hatte.

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7. Februar 2015