Groundhopping

FC Barcelona – Paris St. Germain (21.04.15)

Vor einiger Zeit fragte mich einmal ein Kumpel an, ob ich Lust hätte mit ihm den Auftritt von Paris in Barcelona live mitzuerleben. Wer sagt da schon nein. Immerhin sind das zwei der besten Mannschaften der Welt und bei der Partie handelt es sich nicht um irgendein Spiel sondern um das Champions-League-Viertelfinal im grössten Stadion Europas. Überredet? Mich jedenfalls definitiv. Und da sich der Herr Kollege gerade auch noch um die Tickets kümmerte, musste ich nicht zweimal überlegen. Im Handkehrum war auch schon ein Flug mit der Swiss ab Genf nach Katalonien und zurück gebucht, sodass dem Kurztrip auf die iberische Halbinsel nichts mehr im Wege stand.

Mit den Badehosen im Gepäck ging es dann also mitten in der Nacht in Richtung Flughafen. Der Vorteil von solch asozialen Flugzeiten ist natürlich dann der, dass man dann bereits um acht Uhr morgens in der Innenstadt von Barcelona umherstolziert. Da wir aber beide schon mehrmals hier zu Gast waren fiel eine grosse Sightseeing-Tour weg und man ging lediglich Shoppen und stattete dem bekannten Markt Boqueria einen Besuch ab. Falls euch je nach einem günstigen Schweinekopf oder nach halbtoten Krebsen gelüstet kann ich euch einen Besuch hier ans Herz legen! Wir entschieden uns aber lediglich für einen Frucht-Smoothie, ehe man wieder durch die Rambla schlenderte.

Kurz nach Mittag liess man sich per Taxi zum Hotel chauffieren, da die Sonne doch recht vom Himmel brannte und wir nun immerhin schon knapp neun Stunden seit der Abreise von Lausanne auf den Beinen waren. Das Hotel insgesamt sehr schön und verfügte neben einem Pool auch über ein grosses Zimmer mit Balkon. Gelegen etwas ausserhalb vom Zentrum allerdings an idyllischer Hanglage, wobei die Nähe zum Camp Nou für uns entscheidend war, sodass jegliche Verkehrsmittel am heutigen Abend gemieden werden konnte. Nach kurzer Verschnaufspause in der Unterkunft kehrte man aber wieder zurück in die Innenstadt und von dort aus ging es weiter an einen der Strände rund um den Hafen, wo man für einige Stunden sorgenfrei in der Sonne lag und so etwas Ferienstimmung aufkommen liess. Trotzdem war (und blieb) der Hauptgrund der Reise natürlich die Partie kurz vor 21 Uhr und so machten wir uns rechtzeitig für einen erneuten Stopp auf zurück ins Hotel ehe man per Fuss die kurze Strecke Richtung Stadion hinter sich brachte. Vorbei am Mini Estadi der abstiegsbedrohten Zweitmannschaft belagerten immer mehr Leute die Strassen rund um die Spielstätte, aber für die unglaublichen Menschenmassen die man hier jeweils abfertigt ging das Ganze erstaunlich mühelos und ohne Chaos über die Runde. So nahmen auch wir bereits rund eine Stunde vor Anpfiff Platz in luftiger Höhe des dritten Ranges.

Normalerweise wird es mir jeweils recht langweilig, wenn man noch so lange bis zum Anpfiff warten muss aber hier war dies überhaupt nicht der Fall. So imposant und gross wie die ganze Baute ist. Ansonsten dreht man sich einfach um und geniesst die Aussicht über die Millionenstadt. Sehr eindrücklich das Ganze. Und wenn man tatsächlich einmal genug von dem Stadion und deren Umgebung bekommen sollte, bleibt da noch ein letztes profanes Mittel zur Unterhaltung. Das Publikum.

Selten, nein wenn ich ehrlich bin eigentlich noch gar nie habe ich so viele halbschlaue Leute in einem Stadion gesehen. War ja noch schlimmer als Ende Januar bei Arsenal. Geschätzte 95% der Besucher sind Touristen. Klar, wir zwei sind auch nicht von hier, tragen aber wenigsten keinen zwei Meter langen Selfiestick mit uns herum (Hass die Dinger!) noch filmen wir das ganze (!) Spiel mit einem iPad. Den Vogel abgeschossen hatte aber die junge Dame neben mir, die sich doch prompt bei mir erkundigte, welche Nummer denn Xabi Alonso trage. Ja Mädchen, da wird’s ganz schwer wenn du den hier und heute sehen willst. Dementsprechend war dem Event abgesehen von einer kleinen Fangruppe hinter dem einen Tor stimmungstechnisch natürlich nicht gross etwas abzugewinnen, wobei man aber für dieses spielerische Niveau und eine solche Partie seine Erwartungen in dieser Hinsicht gerne auch mal etwas runterschraubt. Trotzdem bedenklich, was sich da zum Teil für Volk ins Stadion gewagt hat. Das Camp Nou kann und wird im Übrigen meiner Meinung nach wohl bei jedem Spiel komplett mit neuen Zuschauern gefüllt sein.

Klagen ist hier aber eigentlich mehr als unangebracht denn schliesslich stand ja das spielerische Highlight meiner bisherigen Hopper-Karriere an. Neymar, Suarez, Messi, Iniesta, Pique, Dani Alves, Xavi, Ibrahimovic, Cavani, Pastore, Verratti, Matuidi, David Luiz und Lavezzi. Was für Namen. Sicherlich einige der besten Spieler der Welt. Und dass hier alles live vor Ort. Da fehlen einem die Worte. Oder beinahe. Gänsehaut!

Die Ausgangslage vor diesem Duell der Superlative ist schnell erklärt. Paris verlor das Hinspiel zuhause klar mit 1:3 wobei somit die Träume vom Halbfinal in (unerreichbar) weite Ferne rutschen und das Unterfangen auch mit dem wieder spielberechtigten Schweden Ibrahimovic mehr als nur schwer wird. Im Nachhinein muss man sagen wurden den Franzosen die Grenzen aufgezeigt. Denn Barcelona spielte souverän und den Katalanen reichte ein Doppelschlag von Neymar angefangen in der 14. Minute nach genialer Solo-Vorarbeit von Altmeister Andres Iniesta und „beendet“ in der 34. Minute mit dem Kopf des Brasilianers zum 2:0 für einen schlussendlich ungefährdeten Heimsieg. Im zweiten Durchgang sahen die 84’477 Zuschauer dann einen FCB der mehr als nur einen Gang zurückschalte und sich quasi im Schongang das Halbfinalticket sicherte. Paris blieb erstaunlich blass und anfällig.

Somit der Spuk schneller vorbei als einem lieb war und mein Begleiter und bemitleidenswerter PSG-Fan war wie die knapp sechstausend Gäste ebenfalls recht bedient. Trotzdem ein gelungener Abend mit einem Spiel der Königsklasse sowie einem nicht alltäglichen Schauplatz.

Wer gewinnt war mir eigentlich relativ egal. Hauptsache der Sieger möge den Bayern Paroli bieten. Nach dem Schlusspfiff ging es für uns gemächlich zu Fuss wieder zum Hotel, während man auf dem Weg nochmal das Geschehen Revue passieren liess. Am nächsten Tag schön ausgeschlafen und gut zu Morgen gespeist ehe es nach einer weiteren kleinen Shoppingtour per Bus wieder zum Flughafen ging und uns der Flieger sicher zurück in die Heimat brachte.

Für den Kumpel war die Reise aber noch nicht zu Ende, denn auf ihn warteten noch knapp vier Stunden Zugfahrt bis nach St. Gallen, während ich mit einer halben Stunde (bis nach Lausanne) doch recht gut davonkam. Also kurz vor der Abfahrt eine gute Heimreise gewünscht und zufrieden mit der U-Bahn nach einem interessanten Ausflug mit einem wahrgeworden „Traum“ die letzten Meter bis beinahe vor die Haustüre gefahren. Nie hätte ich gedacht, beiden in Barcelona beheimateten Mannschaften innerhalb von zwei Monaten einen Besuch abzustatten.

Tags :
21. April 2015