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FC Basel – FC St. Gallen (29.05.15)

Saisonabschluss auswärts in Basel. Früher raus aus der Arbeit und per öffentlichen Verkehr das Basler „Joggeli“ erreicht, wo man noch etwas warten musste bis endlich der Extrazug aus der Gallusstadt einfuhr. Schnell meine Habseligkeiten an gewohnter Stelle im Abteil verstaut, ehe es schon aus allen Richtungen Rufe meines Nachnamens gab. Dazu noch die gewohnt hämischen Kommentare mit ironischem Unterton, was ich mir denn wieder für Spiele unter der Woche angetan habe.

Die Crew also auch nicht weit und wenige Zeit später fand man sich im einmal mehr im Basler Stadioninnern, wo man wiederum mit dem kulinarischen Catering-Angebot haderte. Gar nicht meisterlich!

Die Hundert-Euro-Frage: Was bietet man im Basler St. Jakobs Park nicht an?

A: Pommes Frites                 B: Alkoholfreien Punsch

Ach und wie mir im Ende Mai doch nach warmem Punsch gelüstet. Also die Herren, die übrigens mit Trikots des anderen Basler Vereins Concordia ausgestattet waren, (Sinn und Grund nicht bekannt) über das „absolut skandalöse“ Essensangebot informiert und sogleich zum Start des Wochenendes hin ein Bier geordert. „Feldkötzchen“ aber was solls. Immerhin nicht warm.

Somit zum spielerischen Teil an diesem Freitagabend. Dieser ist einfach zu erklären. Sollte der FC St. Gallen in Basel punkten, wäre man im Falle eines Basler Cupsieges auf europäischer Bühne vertreten. Auch bei einer Niederlage müsste Luzern noch gegen den anderen Cupfinalisten Sion gewinnen. Die Ausgangslage also mehr als gut wenn man bedenkt welch unterirdische Saison, vor allem in der Rückrunde, die Grün-Weissen hingelegt haben. Ich will jetzt niemanden mit grauenhaften Statistiken belästigen, darum belasse ich es bei drei (selbstredenden) Fakten.

Die St. Galler haben am meisten Gegentore der ganzen Liga bekommen und gegen Aufsteiger Vaduz betrug die Ausbeute in vier Spielen genau zwei mickrige Pünktchen. Damit haben wir nebenbei den Abstiegskampf entscheidend mitbeeinflusst. Zum Schluss die bitterste Tatsache. Der FC Luzern hatte zur Winterpause noch auf dem letzten Platz gestanden, trotzdem können die Innerschweizer heute mit einem Heimsieg uns im Schlussspurt noch überholen. Wie die „Profis“ aber auch wir diese Schauerzahlen zumindest für 90 Minuten vergessen. Support dann auch ganz in Ordnung, mit Ausreisser in beide Richtungen.

Auf der Heimseite die gewohnte Meisterchoreo, wobei die 33‘403 Zuschauer ausserdem noch Marco Streller mehr als würdig in Richtung Ruhestand verabschiedeten. Sah schon ordentlich aus mit dem Feuerregen bei seiner Auswechslung. Nach der Eingangschoreo war man in der Muttenzerkurve so gekleidet, dass sich aus den ganzen T-Shirts das weinende Konterfei des Oldies bildete, wobei seine Nase zudem das Kantonswappen formte. Idee grandios, Ausführung weniger. Ist aber auch brutal schwer wenn du irgendwelche Pappnasen in der Kurve hast die auch einfachste Anweisungen nicht befolgen können.

Mit dem Rücktritt von Streller war auch schnell klar wer heute das Geschenk von unserer Verteidigung in Empfang nehmen darf. Und so war zumindest ich wenig verwundert, als Marco Streller dann auch tatsächlich in der 17. Minute einen grauenhaften Fehler der grün-weissen Hintermannschaft in seinen 200. Ligatreffer umzumünzen wusste. Aber was dann folgte war ein St. Gallen, welches man seit langem nicht mehr gesehen hat. Dank einem Kopfballtreffer und einem genialen Freistosstor von Neuzugang Aleksic drehten die Ostschweizer doch tatsächlich die Partie und zur Pause zeigte alles in Richtung Europa. Der Fahrplan stimmte. Eine erste „Stellwerkstörung“ dann aber in der 54. Minute, als Routinier Walter Samuel per Kopf zum 2:2 auszugleichen wusste. Aber auch auf den neuerlichen Schock wussten die St. Galler in Person von Marco Aratore zu reagieren. Dieser traf in der 65. Minute per Schlenzer via Innenpfosten zur neuerlichen 2:3 Führung. Mittlerweile führte der FC Luzern bereits mit 3:0 gegen die Walliser, was bedeutete, dass man hier unbedingt mindestens einen Punkt mitnehmen musste, wollte man die Chance auf den (vielleicht) internationalen Platz fünf wahren. Der geneigte Leser mag erahnen was jetzt folgen mag.

Genau, in Minute 78 nahm das Unheil mit dem Ausgleichstreffer von Ex-Thuner Luca Zuffi seinen Lauf und was dann zehn Minuten später, oder besser gesagt knapp 180 Sekunden vor dem rettenden Ufer und dem Saisonende, folgte, war einfach nur noch tragisch. Der gerade eben erst eingewechselte Albian Ajeti wusste einen erneuten Patzer der St. Galler Hintermannschaft auszunutzen. 4:3. Abgesehen von den beiden Abstiegen und der Halbfinalniederlage gegen Lausanne vor sechs Jahren einer der bittersten Momente in meinem grün-weissen Fanleben. Einfach nur unglaublich aber absolut sinnbildlich für die ganze verkorkste Spielzeit. Es tut mir im Herzen weh, in die Kurve zu schauen und den traurigen Blick so viel mir bekannten Gesichtern ertragen zu müssen.

Es wäre aber auch einfach zu schön gewesen gegen Nachbar Altach, Zweitliebe Augsburg oder meinem englischen Favoriten West Ham in der kleinen Königsklasse um Ruhm und Ehre zu kämpfen.

„Die Mannschaft wäre sowieso zu schwach für Europa gewesen“ vernahm ich irgendwo. Na klar, aber wen stört das schon, wenn er irgendwo nach einer 1:3 Niederlage gegen Apollon Limassol am Strand in Zypern liegt? Vor zwei Jahren hatte man in Valencia auch fünf Tore eingeschenkt bekommen und keiner hat sich im Geringsten daran gestört. Im Gegenteil. Zudem kann die Mannschaft nur noch positiv überraschen. Darum finde ich dies eine relativ billige Ausrede.

Auf der Heimfahrt verarbeitete dann ein jeder den bitteren Saisonabschluss auf seine Weise. Und irgendwo tönt plötzlich ein Song aus den Lautsprechern: „But I was made for loving you!“ Wie wahr. Leider.

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29. Mai 2015