Es ist ein blauer Mercedes, den Polizist Alphons Clenin an einem nebligen Novembermorgen 1948 in der Twannbachschlucht am Strassenrand entdeckt. Dessen Fahrer hält er zunächst für betrunken, bemerkt jedoch kurz darauf, dass der Berner Polizeileutnant Ulrich Schmied erschossen wurde. Die Szene bildet den Einstieg in Friedrich Dürrenmatts Roman «Der Richter und sein Henker», dem ich auf meiner seit Jahren andauernden Reise durch die Schweizer Literatur schon vor einiger Zeit begegnet bin. Vielleicht liegt es am spannenden Auftakt, dem treffenden Buchtitel oder den gewöhnungsbedürftigen Ortsnamen wie «Lamboing», dass der Roman – im Gegensatz zu anderen Schweizer Klassikern – in meinem Gedächtnis geblieben ist.
So wird nach Lutry und Cortaillod zum dritten Mal in Folge ein Sommerausflug zu einem pittoresken Westschweizer Fussballplatz in Angriff genommen. Mit dabei ist wie in den beiden Jahren zuvor Flavio, der zwar nicht dieselbe Literatur-, dafür aber zumindest die Wein- und Wanderbegeisterung teilt.
Von Magglingen aus laufen wir mit schöner Aussicht parallel zum Bielersee, ehe sich nach etwas mehr als zwei Stunden die Twannbachschlucht öffnet und damit genau jener Ort erreicht ist, an dem der eingangs erwähnte Roman seinen Anfang nimmt. Die Schlucht ist mit ihren engen Felsen nicht nur sehr schön, sondern bei den heissen Temperaturen auch eine willkommene Abwechslung – und zudem länger als erwartet. Nach rund 45 Minuten erreichen wir schliesslich Twann, das im Berner Seeland am Nordufer des Bielersees liegt. Es bleibt Zeit für eine Abkühlung im Bielersee sowie für ein Glas lokalen Wein.
Anschliessend bringt uns der Zug tief in den Jura. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis in die malerischen Gassen von St-Ursanne. Schöne Gebäude, Ateliers, Restaurants, das Kloster des namensgebenden Ursicinus und rund 700 Einwohner – eine richtige Idylle am Ufer des Doubs, in dem wir später ein Bad nehmen, bevor es weiter zum Spielfeld Champs-Fallats geht.
Dieses glänzt vor allem durch seine Aussicht und ist damit auch der eigentliche Grund der Anreise. Hinter dem Platz verläuft eine Brücke, auf der zweimal pro Halbzeit ein Zug vorbeifährt und so für erhöhten Puls beim Fotografen sorgt. Weniger aufregend ist das Geschehen auf dem Rasen. Auf der achten und damit zweittiefsten Ligastufe steht der letzte Spieltag an. Die zweite Mannschaft aus Boncourt steht bereits als Aufsteiger fest und auch für die Gastgeber geht es nur noch um die Ehre.
Dass Fussball hier vor allem ein geselliges Hobby ist, zeigt sich auch im Detail: Im Tor der Gastgeber steht ein Goalie mit einem alten Juve-Trikot, auf dem nur noch «uffon» zu lesen ist, und auch auf den Trikots der Feldspieler des FC Clos du Doubs beginnen die Rückennummern langsam abzublättern.
Der Klub trägt seinen Namen seit 2002, um die gesamte Region des Clos du Doubs zu vertreten. Gegen die Gäste aus dem Grenzort zu Frankreich reicht aber auch die vereinte Kraft der Region nicht. So sehen die rund 70 Zuschauer zum Saisonabschluss ein 0:5 – wenig tragisch, zumal Boncourt als grosser Favorit galt und die Meisterschaft längst entschieden hatte.























