Groundhopping

FC Concordia Lausanne – FC Champvent (21.03.15)

Aus privaten Gründen sollte es an diesem Wochenende keine allzu grosse Reisen geben und dementsprechend gab man sich mit einem Unterklassenspiel im heimischen Lausanne zufrieden. Der Amateurfussball in der Schweiz ist nach seinem Winterschlaf nämlich zurück auf den Spielplänen! Natürlich auch nichts Schlechtes, zumal man so auch wieder mal in der Region tätig ist und einen weiteren Ground aus der „To-Do-Liste“ streichen kann. Ach, immer diese Anglizismen.

Also ging es an diesem Samstagabend mit der Metro und dem Bus in Richtung Austragungsort, welcher nur ein Steinwurf entfernt von der Pontaise, dem Zuhause des Zweitligisten Lausanne-Sport, gelegen ist. Dieser Austragungsort mag durchaus zu gefallen. Das Stade de Bois-Gentil, zu Deutsch „Stadion des Seidelbast“ verfügt nicht nur über eine schöne Holztribüne sondern auf der Gegengerade auch noch über einige Stehstufen, die langsam aber sicher in den Besitz der Natur übergehen. Insgesamt nagt an der Anlage etwas der Zahn der Zeit, was sie gleich noch ein Stücken authentischer macht. Seidelbast ist übrigens ein giftiger kleiner Strauch mit Blüten, die entweder in weisser oder rosaroter Form daherkommen. Vor Ort habe ich jedoch keine gesehen, dies könnte an den etwas tiefen Temperaturen in den heimischen Gefilden liegen.

Beheimatet sind hier mehrere Mannschaft, eigentlicher Herr im Haus ist aber der heutige Gastgeber Concordia Lausanne, der in der sechsten Spielklasse auf Punktejagd geht. Der heutige Gegner kommt aus einer beschaulichen Gemeinde im Kanton Jura und befindet sich im irgendwo im Niemandsland der Tabelle ohne wirklich grosse Abstiegssorgen, jedoch auch ohne Perspektiven, nach diesem Sommer interregional spielen zu können. Mehr konnte ich den beiden Mannschaften bei meinem obligaten „Check im Voraus“ nicht abgewinnen und so liess man sich einfach einmal überraschen. Nach dem Bezahlen des standardgemässen Eintrittspreis im Schweizer Amateurfussball (5.- Franken) steuerte man sogleich die Gegengerade an, wo man sich, als einziger mit einem Schirm ausgestattet, dem Treiben auf dem Rasen bei leichtem Nieselregen widmete. Wobei Rasen ist hier auch eher ein Euphemismus einer ausgebeuteten Unterklassen-Wiese. Trotzdem wusste die Partie auf Anhieb, abgesehen vom Zeitspiel des Gästetorhüters, zu gefallen. „Come on Man!“ Dass kann man im einem Champions-League-Finale in der Schlussminute gegen einen FC Bayern München machen, wenn man nach einem ungerechtfertigten Penalty knapp mit 1:0 vorne liegt, aber sicherlich nicht bei einem bedeutungslosen Amateurfussballspiel vor rund 60 halbinteressierten Zuschauer.

Vor allem sollte man dies nicht nötig haben, wenn das eigene Team etwas überraschend auf fremdem Terrain bis zur Pause mit zwei Längen vorne liegt. Aber eben jedem das seine. Oder eher Gott straft (mehr oder weniger) sofort. In diesem Falle in Halbzeit zwei. Da spielte sich nämlich Aufstiegsaspirant Concordia in einen Rausch und schenkte den Jurassiern doch tatsächlich noch fünf Treffer ein. Dies führte zum Schluss nicht nur zu einem klaren und verdienten 5:2 Heimsieg sondern auch dazu, dass ich es hiermit mit dem offiziell torreichsten Spiel in diesem Jahr zu tun habe.

Nach dem Schlusspfiff hätte ich noch die Strassenseite wechseln können, wo man sich noch kostenfrei die zweite Halbzeit der Challenge League Partie zwischen Lausanne-Sport und dem FC Schaffhausen hätte zu Gemüte führen können. Das Spiel wäre übrigens gar nicht einmal so langweilig gewesen. Vier Tore für die Nordostschweizer und zwei rote Karten für die Hausherren gab es zu bestaunen. Aber Nachtrauern ist nie gut, darum höre ich hier jetzt auch auf.

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21. März 2015