Groundhopping

FC Lengnau II – FC Iberico Biel (19.05.15)

Nach einem langen Arbeitstag fehlte mir die Lust, den Feierabend für einen Ausflug ins eineinhalb Stunden entfernte Lengnau zu opfern. Schlussendlich habe ich mich dann aber doch zu einem Besuch durchgerungen, zumal ich in Lengnau beim letzten Versuch vor zwei Wochen eine Spielabsage zu verkraften hatte. Heute war ich erleichtert, als ich die Spieler beim Aufwärmen sah. Austragungsort ist der Sportplatz Moos, der neben dem Vereinsheim auch eine kleine Tribüne vorzuweisen hat. Diese war beim Spiel der tiefsten Spielklasse mit 35 Zuschauern nur spärlich gefüllt.

Die Partie verlief wenig überraschend nicht grossartig und so kam es mir vor, dass ich hinter dem Tor stehend in der ersten Halbzeit gleich viele Ballkontakte hatte wie der dickliche Goalie. Dieser musste wie sein Gegenüber einmal hinter sich greifen, was zu einem gerechten 1:1 führt. Zu erwähnen gilt es die Tatsache, dass die Hausherren in der Nachkriegszeit einige Saisons in der zweitklassigen Nationalliga B verbrachte. Diese “glorreichen Zeiten” liegen lange zurück die erste Mannschaft des FC Lengnau spielt heute in der 7. Spielklasse des Landes. Lengnau selbst liegt übrigens nur ein paar Minuten entfernt vom neuen Stadion des FC Biel. Die Freude über die imposante Spielstätte wird bei den Seeländern aber verhalten sein, da just auf die Einweihung hin der Abstieg in den Amateurfussball droht.

Im Moment bereitet mir aber der FC St. Gallen in der Ostschweiz aber noch mehr Sorgen, nachdem er jetzt auch für Schlagzeilen abseits des Platzes sorgt. Nebst der sportlichen Misere mit neun Niederlagen in den letzten elf Spielen und den Absturz auf Tabellenrang sieben musste der Sportchef im Zwist mit dem Präsidenten den Platz räumen. Zudem sorgte der Präsident heute für berechtigten Unmut bei den St. Galler Anhängerschaft, als er eine ironische und gelungene Aktion der aktiven Fanszene mit dem Terrorverbund Islamischer Staat verglich.

Grund dafür war ein Video der St. Galler, die vermummt die Pauschalisierung sogenannter Chaoten als Videoantwort kongruent zum Ursprungsvideo veröffentlichten. Thema im Fanvideo waren aber nicht die Scharmützel neben dem Platz, sondern die desolaten Leistungen der Profis. Zumindest für mich ist die Devise klar. Hier müssen Köpfe rollen.

An Präsidenten, Herr Adolf Früh: Wer seine Fans mit dem IS vergleicht, selbst jedoch stets zu sagen pflegt, dass Fussball und Politik nicht vermischt werden dürfe, hat nicht länger einen starken Rückhalt verdient. Auch die Spieler müssen nun erstmals beweisen, dass ihnen Unterstützung gebührt. Morgen wird es nämlich einen ersten kleinen Vorgeschmack geben, wie trostlos das Ambiente im St. Galler Westen sein kann, wenn die vermeintlichen Gotteskrieger und Märtyrer die Spieler zumindest in der Anfangsphase nicht lautstark unterstützen.

Da ist so ein Ausflug an den Jurasüdfuss trotz anfänglichem Zögern eine ganz willkommene Abwechslung: Amateur-Balsam für die verletzte Fussballseele.

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19. Mai 2015