Groundhopping

FC Luzern – Spartak Moskau (03.07.15)

Kurzfristig vom anstehenden Testspiel in der luzernischen Gemeinde Schötz gehört und das Ganze so einrichten können, dass man die Fahrt in die Romandie, wo einige Pendenzen auf mich warteten, irgendwie noch mit diesem kleinen Ausflug verbinden konnte. Klappte dann auch ganz vorzüglich und pünktlich zum Anpfiff stand man auch schon in der brütenden Sonne am Spielfeldrand. Oder besser gesagt sitzte man. Auf dem lieben und mittlerweile bekannten Campingstuhl wieder einmal. Dass der Sportplatz Wissenhusen mit seiner netten kleinen Tribüne neben dem Clubhaus am heutigen Abend überdurchschnittlich gut besetzt war, ist einerseits sicherlich dem Super-League-Club aus der Leuchtenstadt zu verdanken, zum grossem Teil wohl aber dem ruhmreichen Club aus Russland mit dem Namen Spartak Moskau. Sonst sieht man hier nämlich nur viertklassiger Provinz-Fussek, was natürlich auch diverse Hopper auf den Plan rief.

Die Gäste für mich als St. Galler kein unbekanntes Blatt, denn mit dem Moskowiter Verein verbindet man ja einige der schönsten Erinnerungen der letzten Jahre. Für alle Nicht-Romantiker und St.Gallen-Anhänger: Die Grün-Weissen spielten im Spätsommer 2013 in der letzten Qualifikationsrunde zwei ihrer wohl besten Spiele der Neuzeit und konnten sich mit einem Gesamtscore von 5:3 gegen die russische Übermacht durchsetzten und sich so für die Gruppenphase der Europa League qualifizieren.

Den Russen scheint diese bittere Pleite allerdings nicht sonderlich zugesetzt zu haben, im Gegenteil, so verbringen sie im Moment sogar am Rande der Gallusstadt ihr Trainingslager. Dazu gehören eben auch diverse Testspiele, wie auch dieses hier.

Die Anfangsphase in jenem gehörte trotz diverser grossen Namen in der russischen Elf überraschenderweise klar dem FC Luzern, der dann auch relativ schnell die Mehrheit der anwesenden 1’200 Zuschauer zum Jubeln bringen konnten. Gästefans waren nur vereinzelt auszumachen, von der Luzerner Szene waren gut Leute vor Ort, Atmosphäre aber sehr friedlich. Gegen den Schluss der ersten Halbzeit hin wurden die Spartaner stärker, der Ausgleich durch Ivelin Popov sollte ihnen dennoch erst im zweiten Durchgang gelingen. Und wie es der Zufall will, spielte Popov noch vorherige Saison bei Kuban Krasnodar, dem ersten Gegner in der Gruppenphase für den FC St. Gallen. Zuhause vermochte man sie noch mit 2:0 besiegen, auswärts wurde man dann aber aus der Hütte gefegt. Die beste Aktion beim Hinspiel war übrigens auch vom heutigen Torschützen ausgegangen, der Martic mit einem sensationellen Absatztrick derart alt aussehen liess, dass sich der Ex-St. Galler wohl noch heute in seiner Wohnung in Verona unter die Decke verkriecht, wenn er wieder einmal daran denken muss.

Nun aber zurück zum Spiel, wo der FCL die abermalige Führung schoss und diese, sehr zur Freude der Anwesenden, schlussendlich auch zum 2:1 Sieg über die Zeit retten konnte. Testspiele sagen bekanntlich ja nicht sonderlich viel aus, trotzdem kann hier in den Luzerner Reihen definitiv von einer gelungene Probe gesprochen werden.

Auf der Fahrt in Richtung Lausanne nach Spielschluss kam man noch mit einer gewissen Madame Morel, ihrerseits ehemalige „Chef du Protocole“ am europäischen Gerichtshof und nun wohlhabende Pensionistin, ins Gespräch und so verging die Fahrt doch recht zügig. Ihre Enkelin hatte sie übrigens auch dabei, sei bloss zu hoffen, dass jene wirklich ihre Blutsverwandte war. In diesem Sinne: Спокойной ночи!

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3. Juli 2015