Groundhopping

FC Sochaux – Dijon FCO (18.07.15)

Unweit der Schweizer Grenze in Frankreichs Osten findet man das Städtchen Besançon auf der Karte. Die kleine Stadt ist Heimat einer wahren Stadionperle, die allerdings nur von Feierabendkickern bespielt wird und man daher sehnlichst auf eine Möglichkeit wartete, diese Spielstätte irgendwann mit einem sinnvollen Kick verbinden zu können. Mitte Juli im Kalenderjahre 2015 sollte sich nun also erstmals eine dieser raren Gelegenheiten bieten, welche es natürlich nicht zu verpassen galt. Das Vorbereitungsspiel zwischen dem FC Sochaux und Dijon würde eben im Stadion mit dem klingenden Namen „Stade Léo Lagrange“ über die Bühne gehen. Dies rief natürlich auch Stadionfreunde wie mich auf den Plan und relativ schnell fädelte man ein Wochenende mit Namensvetter Schenk im Hexagon ein. Kurzfristig vor der Abreise konnte sogar noch Flavio überzeugt werden, unser vorab gebuchtes Dreierzimmer zu komplettieren.

Samstagmorgen dann die Hinfahrt über das Jura mit Umstieg in der Uhrenstadt Le Locle, erreichte man gegen zehn Uhr das Zielort. Während der Fahrt noch schön Schlaf nachgeholt, schliesslich war man am Vorabend noch bis in die Morgenstunden am Montreux Jazz Festival aktiv gewesen. Nun aber genug fit für einen Stadtrundgang, wobei das Städtchen als durchaus tauglich für ein „Weekend-Break“ eingestuft werden kann. Nette Altstadt mit vielen kleinen Shops und Lokalitäten für den Gaumenschmaus. Natürlich gab es auch für uns zu Mittag lokale Spezialitäten wie Flammenkuchen ehe man am Nachmittag dem Freibad einen Besuch abstatten wollte, da sich das Thermometer doch recht souverän über der 30-Grad-Marke hielt.

Dort aber nach wenigen Minuten der Rauswurf, Grund dafür waren nicht irgendwelche Lausbubenstreiche sondern vielmehr unsere Tenues, denn hier darf nur Baden wer hautenge Badehosen trägt. Definitiv nicht unser Trend und mit relativem Unverständnis ging es zurück zum Ausgang. Wenig später dann aber in den direkt anliegenden Fluss Doubs. Zwar nicht so klares Wasser aber immerhin doch noch etwas Abkühlung gefunden. Pünktlich enterte man nach Rückkehr ins Hotel das Taxi, welches uns direkt vor die Stadionkasse fuhr. Fünf griechische Hilfsdrachmen gingen für den Einlass drauf, ehe die Baute betreten werden durfte und man ernüchternd feststellen musste, dass lediglich die Haupttribüne für die Partie geöffnet wurde. Also eine mit 1’450 Zuschauer überfüllte Haupttribüne anstatt vier halbvolle Tribünen. Schade für den fototechnischen Aspekt, der quasi ein Geisterspiel vortäuschen liess. Dabei war der Support gar nicht mal so schlecht, immer wieder gab es Rufe von beiden Seiten, wobei Dijon auch noch mit einer Sektion junger sportlicher Typen vor Ort war. Diese zündeten während der Partie dann auch des Öfteren Böller. Wirklich daran zu stören schienen sich aber weder die Spieler noch die Zuschauer, abgesehen vom Kumpanen Schenk, der ein paar mal unschön aus seinen Träumen gerissen wurde. Nicht das erste Mal, dass der liebe Herr sich während einer Partie in die Traumwelt verabschiedet hatte. Der Grund dafür ist zumindest den Mitfahrern bekannt und wird hier auch nicht näher thematisiert. 😉

Zurück zu den Böllern. Daher blieb es bei den obligaten „Unterlassen Sie bitte“-Sprüchen von offizieller Seite her. Irgendwann platzte allerdings der älteren Dame von der Eintrittskontrolle der Kragen und sie ging schnurstracks auf die Meute zu und redete aufgebracht auf sie ein. Und tatsächlich trotteten die Herren wenig später aus dem Stadion. Mütterchens Standpauke zeigt also immer noch Wirkung und billiger als die ganzen kriegerisch bekleideten Sicherheits-Hohlbirnen in den heimischen Gefilden ist es auch noch.

Fortan sorgten die Akteure auf dem Platz für die Glanzlichter, wobei der Peugeot-Werksclub aus Sochaux klar die bessere Equipe stellten. Vor allem Stürmer Moussa Sao vermochte mich zu überzeugen. Seinen guten Auftritt krönte er dann auch verdientermassen mit dem letzten Tor zum 3:1 Sieg für die Gelb-Blauen. Insgesamt ein wirklicher unterhaltsamer Testkick bei sommerlichen Bedingungen in einem netten Stadion.

Was will man mehr? Vielleicht, dass der FC Sochaux, als Ligue-1-Rekordteilnehmer der erste und einzige Club Europas bleibt, der vollständig an die immer aufdringlicher werdenden Chinesen verscherbelt wurde.

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18. Juli 2015