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FC St. Gallen – FC Basel (08.04.15)

Normalerweise überlasse ich die Analyse verlorener Partien lieber unserem Trainer – zu viel Energie würde ich dabei selbst verschwenden. Hadern mit dem Schicksal, das kennt der FCSG-Fan aus den letzten Jahren nur zu gut. Am grössten muss der Frust wohl 2011 gewesen sein, als der FC St. Gallen zuhause gegen das zweitklassige Lausanne trotz Führung den Einzug ins Cupfinal verpasste. Und jetzt? Konsternation, lange Gesichter und Wut über die Wiederholung dieses Szenarios. Dabei war die Ausgangslage doch so vielversprechend: Im Halbfinal empfangen die St. Galler den FC Basel, den Verein, gegen den sie in der ganzen Saison noch nie verloren hatten. In der Region spürt man die grosse Euphorie und die eine grosse Chance, sich bei den Fans mit einem Sieg zu bedanken.

Es scheint aber, als hätten die Spieler kein grosses Interesse auf einen Cupfinal oder Spiele auf der internationalen Bühne, wobei wir das erste Problem ansprechen: Identifikation! Spieler, die sich für den Verein zerreissen. Spieler, die mehr als nur das Trainingsgelände und das Stadion kennen. Authentische Akteure, die einsehen, wenn sie schlecht gespielt haben. Spieler wie Tranquillo Barnetta oder Marc Zellweger und nicht wie Dejan Janjatovic, der zwar unbestritten Talent hat, aber derart unmotiviert über den Platz schleicht wie Marko Arnautovic bei Stoke City.

Punkt zwei: Bereit sein am Tag X! Der Cup ist ein eigener Wettbewerb, wie Trainer Saibene stets zu sagen pflegt. Man solle die unterirdischen drei Spiele vorher vergessen, in denen sich die St. Galler zehn Tore gefangen hat. Denkste.

Es ist erschreckend, wenn seine Spieler erst nach 85 Minuten beginnen Fussball zu spielen und dementsprechend gegen einen individuell besseren FC Basel untergehen. Dazu kommen individuelle Fehler wie das Katastrophen-Eigentor von Mario Mutsch oder der Fehlpass im Spielaufbau von Janjatovic, den der FC Basel nach einer Stunde mit dem dritten Tor des Abends gnadenlos ausnutzte. Die Zahl der Torchancen für den FC St. Gallen zu diesem Zeitpunkt? Genau, null. Zwar gelingt den Grün-Weissen mit der ersten richtigen Chance fünf Minuten vor Schluss der Anschlusstreffer, doch von den knapp 17’000 Anwesenden interessiert dies niemanden. Und trotzdem kommen nur drei Tage später beinahe wieder gleich viele Zuschauer in die Arena.

Schade hat unsere fussballverrückte Region den Cupfinal einmal mehr auf der Zielgerade und bei einem Heimspiel verpasst. Zurecht verpasst, nach einer Mannschaftsleistung, wo angefangen bei Mario Mutsch nicht ein einziger Spieler offenbar realisiert hatte, wie viel dieser Final der Ostschweiz bedeuten würde. Im Final trifft der FC Basel nun auf den FC Sion. Die Basler sind zwar Favoriten, der FC Sion strebt aber den 13. Cupsieg in der 13. Finalteilnahme an. Spannung ist also garantiert, nur einfach ohne St. Gallen – wieder einmal.

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8. April 2015