Groundhopping

FC St. Gallen – FC Flora Tallinn (22.06.16)

Zugegeben, sonderlich gross war die Lust nicht, den Platz am Seeufer im Freibad für ein Testspiel in dieser Hitze aufzugeben. So sorgte nur die Ungewissheit darüber, wie sich der Herzensverein gegenüber einem exotischen Verein mit dem klangvollen Namen Flora Tallinn präsentieren würde dafür, dass man den Astralkörper weg vom kühlen Nass in Richtung Bad Ragaz bugsierte. Hier logieren während der Vorbereitung auf die neue Saison seit jeher Topclubs und profitieren vom Wellnessangebot und den optimalen Trainingsbedingungen. Unbestritten natürlich, dass auch der estnische Rekordmeister einer dieser Topclubs ist. 😉 Diese Tatsache bringt also durchaus die eine oder andere interessante Affiche auf dem lokalen Sportplatz mit sich. St. Gallen gegen Tallinn gehört da definitiv zum weniger grossen Kino, sodass sich der Auflauf mit 150 Zuschauer an diesem Tage auch ziemlich in Grenzen hielt. Ein weiterer Grund könnte der frühe Termin an einem Wochentag sein, wobei dies für Sergio und mich kein Problem darstellte, zumal wir ja sowieso keiner Arbeit nachgehen (höhö).

Fünf Franken Einlass mussten berappt werden, ehe wir uns hinter das Tor auf eine der vier Stehstufen setzten. Vom Ausbau her ist diese Anlage definitiv nicht der Brüller, das wunderbare Bergpanorama macht dieses Manko aber mehr als wett. Während sich ein Grossteil der Zuseher rund um das Klublokal säumten, sassen nur noch einige Balljungen sowie ein Typ mit ausgelatschten Sandalen und zu langen Jeans neben uns. Sah schon ziemlich nahe der Verwahrlosung aus. Als er dann pünktlich zum Spielbeginn sein Mobiltelefon zückte und über 90 Minuten durchgehend Begriffe wie „Home attack“ oder „Away safe“ murmelte, war der Fall klar. Muss wohl einer der Herren sein, der dafür sorgt, dass man bei irgendeinem kirgisischen Wettportal sieht, wer bei diesem Testspiel momentan gerade im Ballbesitz ist oder sich in einem Eckball übt. Sein monotones Gerede brachte den Kumpel gut auf die Palme, was immerhin noch zu meiner persönlichen Belustigung führte.

Aber zurück zum Fussball. Hier wusste in den Reihen der St. Galler vor allem ein gewisser Spieler aus Gabun mit dem Namen Mbingui Samson zu überzeugen, der sich bei mir durch gelungene Aktionen und eine schnelle Antizipationsgabe in den Sympathiebereich spielte. Gebt dem Herrn also bitte einmal einen Vertrag. Soll ja viel heissen, zumal ich in meinen Kreisen als der Kritiker schlechthin bezüglich der St. Galler Transferpolitik bekannt bin. Die eingangs aufgetauchte Frage kann übrigens ebenfalls recht einfach beantwortet werden. Flora Tallinn war für den FCSG kein Gegner auf Augenhöhe und wurde gleich mit 4:0 vom Platz gefegt, wobei das Resultat (wie so oft) noch deutlich höher hätte ausfallen können. Nachträglich kann noch vermerkt werden, dass Mbingui Samson keinen Vertrag bei St. Gallen bekommen hat. Wie typisch.

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19. Juli 2016