Zugegeben: Das Niveau des argentinischen Fussballs ist bescheidener, als ich erwartet hatte – wohl auch deshalb, weil die Stärke des Nationalteams und Ausnahmekönner wie Lionel Messi den Blick auf die heimische Liga etwas verzerren. Zumindest in der höchsten Spielklasse habe ich viele Aufeinandertreffen erlebt, die mit wenigen Torszenen und oftmals überschaubarem spielerischem Niveau wenig Spannung boten.

All dies ist anders in der Zweitliga-Partie bei Ferro Carril Oeste. Beim Duell mit Godoy Cruz aus Mendoza ist alles geboten: Beim 1:3 der Gäste fällt der Führungstreffer per Seitfallzieher, der Ausgleich gelingt nach einer Volleyabnahme und der dritte Treffer schlägt nach einem Weitschuss aus grosser Distanz im Winkel ein. In der Primera Nacional, wie die in zwei Spielklassen aufgeteilte Liga heisst, drängen die Hausherren gegen den auf den Playoff-Rängen klassierten Kontrahenten aus der Weingegend auf den erneuten Ausgleich. Nach einem späten Konter müssen die Gastgeber vor 9000 Zuschauern jedoch einen Rückschlag im Kampf um den Aufstieg ins argentinische Oberhaus hinnehmen. Eine kurze Zusammenfassung des Spiels ist übrigens hier einsehbar.

Dabei hätte ausgerechnet hier die Partie gar nicht so packend sein müssen. Denn mit dem Estadio Arquitecto Ricardo Etcheverry steht im Stadtteil Caballito das älteste noch bestehende Stadion Argentiniens – und eine Spielstätte, die auch abseits des Fussballs zahlreiche gute Fotosujets bietet. Es sind dies etwa das marode Tribünendach, die Palme am Spielfeldrand oder die Hochhäuser gegenüber, die mich bei bestem Fussballwetter in ihren Bann ziehen.

Seit der Gründung von «Ferro» im Jahr 1905 durch britische Einwanderer und Mitarbeiter der Eisenbahn ist das Stadion die Heimat des Klubs. Seine zentrale Lage macht den Besuch ohnehin zum lohnenden Abstecher. Dazu kommen die sympathischen grün-weissen Farben und eine gute Stimmung, bei der auch zahlreiche neue Melodien zu hören sind.