Groundhopping

FK Austria Wien – SK Rapid Wien (07.08.16)

Am Sonntagmorgen führte uns der Weg auf gleicher Strecke von der slowakischen zurück in die österreichische Hauptstadt. Hier sollte am heutigen Nachmittag nämlich zum 318. Mal das Wiener Derby steigen. Nach den Grün-Weissen ist nun die Austria mit dem Umbau an der Reihe, sodass auch dieses Rencontre im etwas überdimensionierten Happelstadion über die Bühne ging. Immerhin bietet das Derby einen stimmungsvolleren Rahmen als eine Partie der Nationalmannschaft, um das nach dem österreichischen Fussballer Ernst Happel benannte Stadion ad acta zu legen. Zurück zur Busfahrt, wo wir nach einer guten Stunde wiederum pünktlich am Wiener Hauptbahnhof abgesetzt wurden und nach einer typischen Mahlzeit uns auch schon in Richtung Treffpunkt am Prater bewegten.

Es folgte ein imposanter Marsch mit rund 2’000 Rapid-Fans durch die Prater Hauptallee, welcher von Rauchtöpfen, Böllern und Pyrotechnik im hohen zweistelligen Bereich untermalt wurde. Bilder vom Marsch gibt’s auf den gängigen Seiten, wie zum Beispiel derjenigen der Tornados Rapid. Und da ich Rapid, alleine schon wegen den Farben, ziemlich gut leiden kann, wurde der Marsch wie gewünscht in Vereinsfarben besucht. Dies sollte sich noch als töricht herausstellen, zumal die Herren von der Administration den einzigen Ticketschalter für hinterlegte Karten so platzierten, dass man zwingend an der Kurve der Austrianer vorbeigehen musste. Auch wenn die aktiven Zeiten von Bündnis zwischen Slovan und Austria wohl bereits vorbei sind, hielt ich dies für keine besonders gute Idee. Die erneute Nachfrage an einem anderen Ticketschalter liess aber keine Alternativen aufkommen. Also mein mittlerweile in solchen Sachen doch ziemlich geschultes Auge kreisen lassen und sogleich eine Gruppe Austrianer ausgemacht, die nur darauf wartete, was wir als nächstes tun würden. Da ich keine andere Möglichkeit sah, marschierte ich los, während Xavier schlechtes ahnend etwas im Hintergrund verblieb. Sofort wurde ich von drei weiteren Freunden der Viola flankiert und vor mir wurde der Weg durch die anderen Austrianer zugestellt. Auf das noch im weitesten Sinn konforme «Schleich di» folgte ein Spuckversuch, wobei dies nun das Signal war, das Unterfangen, bevor ich hier hoffnungslos unterlegen noch etwas anzettele, wieder abzubrechen. Die Ordnungsmacht schien sich übrigens einen Sch**** darum zu kümmern. Dein Freund und Helfer. Ja ne ist klar, aber dies wurde uns auch nach dem Schlusspfiff einmal mehr verdeutlicht. Also nochmals ziemlich in Rage an den vorherigen Ticketschalter gerast und plötzlich schien der Herr nach meiner Schilderung doch im Stande zu sein, meine Karten auszudrucken. Ich für mich werde in Zukunft, auch wenn’s mir ganz sympathisch ist, Clubfarben vermeiden und vermehrt wieder auf den «Casual» Dresscode setzen.

Nachdem wir nun doch noch in Besitz unserer Karten für die Gegentribüne gekommen sind, wurde alsbald die Spielstätte geentert. Da die Wiener Austria als Heimmannschaft auftrat, war auf der Haupttribüne sowie im Heimsektor nur der unterste Rang gefüllt. Immerhin vermeldete die Gästekurve sowie die Gegentribüne ausverkauft. Unter den 15’270 Zuschauern drückten mindestens die Hälfte Grün-Weiss die Daumen. Zu Spielbeginn gab es bei den Favoriten eine Choreografie mit Rauchtöpfen und Überziehern in Clubfarben sowie einem anschliessenden Fahnenmeer. Die Gäste setzten beim Intro auf eine einfache aber effiziente Zettelchoreo mit dem Vereinsemblem in der Mitte. Rapid durfte in einem Spiel mit vielen Fehlpässen nach der dritten Chance zum ersten Male jubeln. Danach folgte der Totalausfall des Schlussmanns der Rapidler, der einen Ball unterschätzte und aus dem Strafraum gelaufen kam und den Ball über seinen Kopf hinüberspringen sah, sodass der Stürmer der Viola zum Ausgleich nur noch einzuschieben brauchte. Viel interessanter allerdings der Auftritt auf den Rängen, wo die „Gäste“ gewohnt glänzten und es im Block fast durchgehend brannte und teils auch fatale Böller gezündet wurden. Am meisten Fackeln wurden schliesslich zum Anfang der Rapidviertelstunde gezündet, welche sich aus Sicht derer auch wirklich lohnte. Rapid erhöhte dank Kontern auf 1:4 und liess sich vom Block West anschliessend gut feiern.

Als der Schlusspfiff ertönte, war rund um das Areal wie erwartet bereits viel Bereitschaftspolizei auf den Beinen. Hier zeigte sich die Staatsmacht wieder einmal besonders einfallsreich und verwehrte denn Rapid-Fans auf der Gegentribüne den Weg zum Gästeblock und von dort aus weiter zum Bahnhof. Stattdessen wollten sie die Leute erneut an der Austriakurve vorbei in Richtung U-Bahn lotsen. Es begann ein Katz- und Mausspiel mit Ablenkungsmanövern und einigen Waghalsigen, die die Sperre durchbrachen. Eine halbe Stunde noch ging das ganze Theater so weiter, ehe schliesslich ohne Vorfälle und etwas an den Mauerfall erinnernd die Sperre endlich aufgehoben wurde. Die Polizei agierte die ganze Zeit über äusserst aggressiv und die Nachfrage nach Sinn und Zweck wurde ignorant mit Befehlsausführung abgetan. Ich glaube die Geschichte hat uns bereits genug oft gelehrt, wohin dies führen kann… Trotz diesem ungewollten Hindernis bot sich für unser Duo am Bahnhof noch genügend Zeit für die Verpflegung, ehe schliesslich der Nachtzug in Richtung Heimat geentert wurde. Damit endete eine mit 14 Treffern äusserst torreiche aber auch kräftezerrende Tour!

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7. September 2016