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Fortuna Düsseldorf – FSV Frankfurt (24.05.15)

Die Lage bei der Fortuna Düsseldorf präsentiert sich beinahe deckungsgleich mit der in der Heimat beim grün-weissen Herzensclub. Denn auch hier hinkt der Traditionalist nach einer ansprechenden Hinrunde seinen Erwartungen weit hinterher und verärgert damit seine geduldigen Fans. Dass im letzten Spiel der Saison trotzdem noch so etwas wie Spannung aufkommt, verdankt man zwei der heutigen Protagonisten. Einer davon ist der Gast aus dem deutschen Finanzzentrum am Main. Denn nach zuletzt dürftigen Leistungen sehen sich die Jungs aus Bornheim unmittelbar mit dem Abstieg in die dritte Liga konfrontiert. Ein Sieg heute ist also von Vorteil, will man unabhängig von den Resultaten der anderen Partien am heutigen Tage bleiben. Bei den Gastgebern will man aber genau dies verhindern, um dem zweiten Protagonisten nach dem verpassten Aufstieg zumindest einen würdevollen Abgang zu bereiten. Nämlich Andreas „Lumpi“ Lambertz, der seinerseits über 300 Mal im Trikot der Fortunen spielte und in jeder der vier höchsten Spielklassen für sie auch mindestens einmal erfolgreich war. Einer der wichtigsten Treffer sicherlich derjenige im denkwürdigen Pokalspiel gegen den HSV. Das nenn ich mal „beinahe“ absolute Vereinstreue. Beinahe, weil Lambertz mit seinem Wechsel in die dritte Liga zur SG Dynamo Dresden wohl eine letzte neue Herausforderung suchen wird.

Auf der einen Seite also ein Abschied, auf der anderen Seite purer Überlebenskampf. Tönt eigentlich spannend, schade nur, dass durch die dürftigen Leistungen der Hausherren die Ultras im Moment streiken und jeglichen aktiven Support verweigern. Trotzdem ging es für uns am Sonntagmorgen frohen Mutes per Regionalbahn via Leverkusen gen Bundeshauptstadt hinzu.

Im Zug und am Bahnhof dann mächtig verkleidete Leute unterwegs, wobei es sich um Teilnehmer einer Cosplay-Messe handeln sollte. Verkleidet als Krieger aus Online-Spielen oder Pokemon-Figuren waren diese hirnlosen Gestalten unterwegs. Kann ich nun wirklich gar nichts abgewinnen, so einem „japanischen“ Event. In den Innenstadt dann auch viele Leute mit Einheitslook unterwegs, allerdings derjenige der Fortuna. Das versteht man dann natürlich wieder. Wir schlenderten dem Rheinufer entlang und gönnten uns bei dem warmen Wetter noch den einen oder anderen Drink und dabei etwas Entspannung. Am Ende der Uferpromenade dann bereits die nächste Veranstaltung, dieses Mal für Transgender und „alle die es noch werden wollen.“ Düsseldorf, was ist denn los mit dir?

Nein danke und darum schnell in die nächste U-Bahn gehüpft, die uns zum Stadion brachte. Wobei hier Messe, Einkaufszentrum, Baumarkt oder IKEA deutlich bessere Bezeichnungen dafür sind. Wirklich noch nie so ein schlechtes Stadionerlebnis gehabt. Die Hütte fussballuntypisch, unfreundliche Ordner und einen Innenraum wie eine Turnhalle mit Farbfehler. Die nervige und viel zu laute Soundanlage gibt einem dann noch den Rest. Fortuna, was ist denn los mit dir?

Immerhin vermochte das flotte Spiel den fehlenden Support und den stadiontechnischen Reinfall zu entschädigen. Bereits nach gut zwanzig Minuten stand es nämlich 2:2, nachdem die Fortunen zweimal eine Führung der Gäste egalisieren konnten. Zum Schluss durften dann aber trotzdem die unter den 28’762 Zuschauer knapp fünfhundert mitgereisten Fans aus Frankfurt jubeln, da man im Abschnitt zwei noch zu einem dritten Treffer kam und so verdient mit 2:3 gewann. Damit also die Klasse gehalten, während der Heimanhang nach einem ernüchternden Saisonabschluss „Ausser Lumpi könnt ihr alle gehen“ skandiert.

Na dann gehen wir doch. Heimreise und Rückflug am nächsten Tag dann problemlos. Augsburg in der Europa League und mit dem Darmstädter Böllenfalltor ein Gegenpol zu dieser tristen Spielstätte neu im Oberhaus. Gelungene Tage würde ich meinen.

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24. Mai 2015