Groundhopping

FV Ravensburg – Freiburger FC (06.12.14)

Seit einiger Zeit führe ich in Excel eine Tabelle von Vereinen und Stadien, welche ich noch besuchen möchte. Eigentlich sollte diese „Wunschliste“ ja immer kürzer werden, doch stattdessen wir die ganze Liste immer länger. Höchste Zeit also, wieder einmal einen Ground in der Kartei (momentan knapp 170 Stadien) zu besuchen und somit aus der Liste zu streichen. Am heiligen Nikolaustag ergab sich also die Möglichkeit, denn es sollte zusammen mit zwei Kollegen ins deutsche Städtchen Ravensburg gehen. Nach viel zu langer Zeit ohne Fussball (nämlich genau 13 Tage) endlich wieder einmal Zeit für mein liebstes Hobby, für welches man dann auch Aussagen revidiert wie „Hab genug von Deutschland für die nächste Zeit.“ Blödsinn! Bei uns in der Heimat läuft ja bekanntlich nicht mehr viel und so muss wohl oder übel zur Suchtbehandlung ins Ausland fahren. Zwar nicht so schlimm, wie wenn man zur Zahnbehandlung nach Ungarn fährt, aber ja, für einige ist das Ganze verständlicherweise recht schwer zu begreifen. Zudem ist die Frage, wie ich die Winterpause überstehe berechtigt und nein, ich kann es euch auch noch nicht sagen! 😉

So, jetzt aber genug Vorgeschichte, nun war es also soweit und per Bus, Schiff und Zug sollte um kurz vor 14 Uhr (Anpfiff) die Stadt in Oberschwaben erreicht werden. Beinahe scheiterte das ganze Vorhaben allerdings bereits zu Beginn, denn nach einem Sprint, auf den sogar Usain Bolt stolz gewesen wäre fuhr der Bus einfach ohne mich los, und dies obwohl ich noch rechtzeitig an der Türe stand, diese jedoch nicht mehr öffnete. Unverschämtheit! Jetzt hiess es also zu improvisieren und so steuerte man nun nicht mehr den Hauptbahnhof an, sondern den Bahnhof St. Fiden, wo man den Zug gerade noch erwischte. Von der ganzen Sache nichts mitbekommen hatten meine zwei heutigen Begleiter Cedric und Lukas, da sie erst an der nächsten Haltestelle hinzustiegen. Den Rest der „Reise“ dann aber problemlos gemeistert und wie geplant kurz von 14 Uhr im Bahnhof von Ravensburg eingefahren.

Die nächste Herausforderung war es, das Stadion zu finden, welches mitten im Industriegebiet liegt. Zum Anpfiff sollte es ganz knapp werden, als man das Stadion aber erreichte und betritt war da allerdings weder ein Spieler zu sehen, noch ein Pfiff des Schiedsrichters zu hören. Spiel also abgesagt dachten wir uns, zumal der Platz wirklich sehr „lädiert“ aussah und man wollte bereits enttäuscht umkehren, da hörte man aus der Ferne leise Fangesänge. Also kehrt gemacht und schlussendlich den Kunstrasenplatz gefunden, der für dieses Oberligaspiel Schauplatz sein sollte. Kunstrasen, ach wie abgeneigt bin ich dieser Unterlage! Trotzdem gab es immerhin eine kleine Tribüne mit einem ebenso kleinen Stimmungsblock für die Heimfans, wo vor allem der Trommler zu überzeugen wusste. Eintritt wollten wir für diesen Kick jetzt sowieso nicht mehr bezahlen, als wir dann von einem Offiziellen eingeladen wurden, sagten wir aber nicht nein. Wieso er das getan hat ist mir immer noch nicht klar, vielleicht waren die drei enttäuschten Schweizer Gesichter des Rätsels Lösung. Egal, mir konnte es egal sein, wie sagt man doch so schön: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul!“

Die Partie dann zum Glück sehr flott und das Score wurde bereits in der 14. Minute eröffnet, als Erik Uetz einen Abstimmungsfehler zwischen dem Heimtorwart und dessen Verteidiger zur 0:1 Führung für die Breisgauer auszunützen wusste. Die Hausherren kämpften sich aber zurück in die Partie und kamen quasi mit dem Pausenpfiff (44.) zum 1:1 Ausgleich. Ralf Heimgartner traf nach einem Eckball mit seinem wuchtigen Kopfball in die Maschen. Im zweiten Durchgang gestaltete sich das Spiel weiterhin ausgeglichen und beide Teams kamen zu Chancen. In der 54. Minute waren es erneut die Gäste, die mit 1:2 in Führung gingen. Gästecaptain Mike Enderle traf von der Strafraumgrenze nach einer missglückten Abwehraktion der Gastgeber. Die Ravensburger zeigten jedoch Moral und kamen nur sechs Zeigerumdrehungen (60.) später durch Steffen Wohlfarth zum neuerlichen 2:2 Ausgleich. Den Schlusspunkt in einer spannenden Partie setzte in der 85. Minute mit dem 3:2 Siegtreffer für den FVR der eben erst eingewechselte Jona Boneberger.

Vielleicht noch zu erwähnen gilt es die Tatsache, dass sowohl das Gastteam wie auch der FVR einen Bezug zu Freiburg haben. Der etwas offensichtlichere ist sicher der der Gästeéquipe, welche dort beheimatet ist, aber auch bei den Ravensburgern kennt man die Breisgauer, schliesslich kooperiert man seit geraumer Zeit mit dem SC Freiburg.

Für uns ging es nach der unterhaltsamen Partie noch nicht gleich zurück in die Heimat, sondern zuerst noch in die Innenstadt, wo gespeist und noch der Weihnachtsmarkt besucht wurde. Irgendwann ging es dann aber doch wieder in Richtung Schweiz und nach der Überfahrt per Fähre ging man wieder getrennte Wege. Jetzt ist es also passiert, meine Befürchtung, irgendwann mal ein Spiel auf dem Kunstrasen statt auf dem Hauptfeld sehen zu müssen ist eingetroffen. Heute war das Ganze allerdings verkraftbar, zumal man ein gutes Spiel vor 300 Zuschauern sah und auch der Weihnachtsmarkt seinen Anteil am gelungenen Ausflug hatte.

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6. Dezember 2014