Groundhopping

Grasshoppers Zürich – Roter Stern Belgrad (06.07.13)

Der Uhrencup ist ein jährlich stattfindendes Fussballturnier in Grenchen. Für viele Mannschaften wird es als optimales Vorbereitungsturnier angesehen und den Veranstaltern mangelt es nicht an Anfragen für eine Teilnahme. Im Organisationskomitee des Traditionsturnieres, welches seit 51 Jahren besteht, ist auch der Schweizer Fernsehmoderator Sascha Ruefer. Grenchen, die Stadt im Kanton Solothurn, welche mit ihrem Stadion Brühl als Austragungsstätte dient ist vor allem aufgrund ihrer Uhrenindustrie bekannt. Genug Argumente für mich, dieses Turnier einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein weiterer Punkt der meine Entscheidung vereinfachte war die beiden Teams die sich gegenüberstanden. Auf der einen Seite der Rekordmeister aus Zürich, so ziemlich das grösste Hassobjekt eines jeden Ostschweizers, auf der anderen Seite die Mannschaft aus der serbischen Hauptstadt, die vor allem durch ihre Fans bekannt ist. Ein heisses Spiel, nicht nur aufgrund der Temperaturen war also garantiert.

So nahm ich den Zug um 14:00 Uhr, mit der Absicht in Biel, welches auf dem Weg lag, noch ein Weilchen zu verbleiben und die Sonne zu geniessen. Die 120 Kilometer welche zwischen den beiden Destination lagen, bewältigte ich in knapp 1.5 Stunden. In Biel angekommen hatte ich 2.5 Stunden Zeit bis ich den Zug weiter nach Grenchen nahm. Ich entschied mich für das nahe gelegene Strandbad und genoss einen selten warmen Tag für die Schweiz, am Strand. Um 18:17 stieg ich in den Zug nach Grenchen und eine Viertelstunde später stand ich am Perron vom Bahnhof Grenchen Süd. Zeitgleich mit mir trafen die serbischen Anhänger am Bahnhof an. Was danach geschah ist für einen Fan kaum in Worte zu fassen. Nur wenige Menschen, welche nicht aktiv Fans des Roten Sterns sind, kommen in den Genuss eines Fanmarsches mit den serbischen Anhängern. Nach diesem Gang zum Stadion wusste ich, was es hiess sich gegenseitig den Rücke zu stärken. Man hatte das Gefühl nichts konnte einem etwas anhaben, denn rund um einem waren 2 Meter Hünen, welche keinen Spass verstanden mit Leuten welche ihnen nicht gleich gesinnt waren. Die Fans des Roten Stern Belgrads gehören neben den Fans von Olympiakos Piräus und den polnischen Fans zu den berühmt, berüchtigsten Fans unseres Kontinenten. Beim Fanmarsch nahmen auf viele Ultras der Fangruppe Delije teil. Das Stadion war bereits gut gefüllt und ich beschloss, die erste halbe Stunde des Spiels im Block der Serben zu verbringen. Die rund 3000 Fans sorgten für eine Stimmung der Extraklasse, wie man sie nur selten in der Schweiz in einem Stadion antrifft. 90 Minuten wurde lautstark gesungen, auch pyrotechnische Hilfsmittel wurden eingesetzt.

Der Support der Zürcher war enttäuschend. Höchstens hundert Fans, fanden den Weg ins Solothurnische Grenchen. Einen Grund für das Fernbleiben vieler Zürcher war aber schnell gefunden. Das „Zürifäscht“ fand am gleichen Wochenende statt. Das Spiel war ausgeglichen. In der 30. Minute war es Filip Kasalica, der die Serben in Front schoss. In der Folge nahm das Spiel immer mehr an Testspielcharakter an. Die besten Spieler wurden geschont und einzig die Kulisse machte die Differenz aus. Die Zuschauerzahl betrug 4’326 Zuschauer, wovon circa 3000 Serben waren. Viele von ihnen direkt fürs Turnier aus Serbien angereist. Es gab jedoch auch einheimische Serben, die sich das Spiel ihrer Landsmänner nicht entgehen lassen wollten. Das Spiel endete mit 1:0 für die Serben und manch einer war froh über dieses Resultat, waren jetzt nun also weniger Akte der Gewalt zu erwarten.

Das Polizeiaufgebot für dieses Spiel war immens und schürte sicherlich auch die Aggressionen der Gäste. Polizisten mit Hunden, in Vollmontur mit Waffen standen überall. Gegen diese Serben waren aber auch sie nicht gewachsen, welches der Bahnhofsladen in Grenchen erleben musste. Er wurde ausgeraubt – die Kehrseite eines eigentlich imponierenden Auftrittes.

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7. Juli 2013