Sucht man auf Google Maps in der Satellitenansicht nach der Arena do Grêmio, ergibt sich ein skurriles Bild. Direkt an den futuristischen Riesenbau grenzt im Süden mit Farrapos ein verarmter Stadtteil, geprägt von kleinen Häuschen, die im Vergleich zum kolossalen Stadion aus der Vogelperspektive fast unterzugehen scheinen.

Ich bin froh, dass das alte und klappernde Auto meines Fotografen-Kollegen, der mich kurz vor Mitternacht netterweise zurück ins Stadtzentrum mitnimmt, an sämtlichen Kreuzungen auf der Avenida Farrapos nicht schlappmacht. Die grosse Hauptverkehrsachse verbindet die Zona Norte mit der Innenstadt. Während sie tagsüber stark befahren ist, gilt sie nachts – insbesondere wegen Strassenprostitution, Drogenhandel und Raubüberfällen – als absolute No-Go-Area. Die komischen Gestalten, die paradoxerweise bisweilen sogar auf Bürostühlen an den Strassenrändern sitzen, hinterlassen nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Fahrer ein mulmiges Gefühl.

Einer, der die verschiedenen Realitäten und Lebensumstände in Porto Alegre kennt, ist Ronaldinho, der seine Karriere einst bei Grêmio lancierte. Kurz vor der Jahrtausendwende war der Ausnahmekönner auch für regionale Erfolge des Klubs verantwortlich. Die grössten Triumphe feierte die «Tricolor» allerdings ohne das Wirken des zweifachen Weltfussballers: Grêmio hat die Copa Libertadores dreimal, die brasilianische Meisterschaft zweimal und den Weltpokal einmal gewonnen.

Vielleicht auch deshalb liegt die Erwartungshaltung der Fans höher, als zu einer Playoff-Partie in der zweitklassigen Copa Sudamericana antraben zu müssen. So finden sich lediglich 25’010 Zuschauer im Stadion, was in der gewaltigen Arena fast verloren wirkt. Nicht nur der Farbe wegen erinnert sie an die Spielstätte von Zenit St. Petersburg. Fast könnte man meinen, auch hier sei bei der WM 2014 gespielt worden. Doch das Gastgebertum blieb in Porto Alegre Internacional vorbehalten, der sich in der Bewerbungs- und Planungsphase geschickter angestellt hatte.

Zumindest für meine bescheidenen Kenntnisse die sportlichen Kräfteverhältnisse innerhalb Südamerikas betreffend, kam die 2:3-Pleite in La Paz im Hinspiel eine Überraschung gleich. Auch aus den Reihen der Heimkurve, wo die Geral do Grêmio das Sagen hat, klingt es vor dem Anpfiff über die Lautsprecher noch optimistisch, was das Rückspiel gegen den Club Bolivar betrifft.

Dann aber folgt eine weitere schwache Leistung. Grêmio kassiert das 0:1 und beendet damit sein internationales Abenteuer vorzeitig. Die acht mitgereisten Gäste aus Bolivien dürfen sich entsprechend freuen. Das Gesamtskore von 2:4 war so definitiv nicht vorhersehbar – und die vielen Buhrufe nach dem Schlusspfiff bestätigen, wie wenig Verständnis die Heimkurve für den Auftritt ihrer Mannschaft aufbringt. Ganz anders als noch am Vortag beim Stadtrivalen.