Groundhopping

Hamrun Spartans – Tarxien Rainbows (09.02.19)

Das Prunkstück der kleinen Insel zwischen Sizilien und Nordafrika stellt unbestritten deren Hauptstadt Valletta dar. Die erhöht gelegene Landzunge mit ihren gelblich schillernden Kalksandsteinbauten zählt deshalb bereits seit knapp vierzig Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von unserem Domizil im Partymekka San Giljan ist mittels Fussmarsch in einer halben Stunde das Fährterminal in Sliema erreicht. Allgemein laufen die verschiedenen Städte ineinander, sodass optisch keine Stadtgrenzen zu erkennen sind. Die Fähre ist nebst dem Bus beliebtestes Transportmittel und bringt Einheimische sowie Touristen in wenigen Minuten in die Hauptstadt. Nach dem Erkunden der Stadt sowie planlosem Umherschlendern entdeckten wir zufällig eine Fähre mit Zielort Cospicua. Die kleine Stadt liegt direkt neben Paola, welches mit dem Hibernians Stadium einen späteren Programmpunkt beherbergt. Während der Überquerung bietet sich den Passagieren wiederum ein traumhafter Ausblick auf die beiden Städte Vittoriosa und Senglea. Eine einfache Fahrt kostet jeweils 1.50 Euro (Schwabentrick: Wer sich direkt nach dem Besteigen der Fähre hinsetzt, fährt kostenlos mit).

Nach traumhaften Ausspannen in einem Restaurant am Meeresufer brachten wir den Weg zum Stadion zurück, das abgelegen über der grossen Bootswerft liegt. Bei der Ankunft vernehmen wir, oh Schreck, bereits Spielgeräusche. War ich kurzzeitig perplex, erinnerte ich mich dann jedoch an die jeweilige Doppelbelegung in Maltas Fussballstadien. So verfolgten wir die Schlussphase der vorangehenden Partie, welche torlos endete und bei der auch auf der einzigen Tribüne wenig los ist. Noch während der Nachspielzeit werden die Zaunfahnen von einem Fanlager abgehängt, während die nächsten Anhänger ihre eigenen Exemplare aufhängen. Etwas surreal, jedoch scheinen die Malteser trotz verbreiteten Schriftzügen wie „Ultras“ keine gegenseitigen Fahnenraube durchzuführen.

Die Hamrun Spartans gelten als eines der grössten und beliebtesten Teams des kleinen Landes. Zum Anpfiff sind geschätzt 500 Zuschauer anwesend, darunter einige „Gäste“ aus dem Nachbarsstädtchen mit schönem Material. Die viertplatzierten Gastgeber gelten als Favorit und gehen auch prompt in Führung. Die Partie wird hart geführt und Hamrun schwächt sich durch eine rote Karte früh numerisch selbst. Dennoch behalten sie das Zepter weiterhin in der Hand und gehen dank einem Doppelpack in der Schlussphase, unter gütiger Mithilfe der Gästeverteidigung, mit 3:0 Toren als klarer Sieger vom Platz. Trainiert werden die Spartaner übrigens vom früheren Palermo-Akteur Giovanni Tedesco, der aufgrund einer Schiedsrichterbeleidigung zurzeit eine saftige Sperre absitzen muss und deshalb an der Seitenlinie durch einen Interimstrainer (mit offensichtlich weniger süditalienischem Temperament) ersetzt wird. Beim letzten Treffer fällt ein Akteur beim Abwehrversuch zudem derart ungünstig in das Tornetz, dass kurzerhand eine Leiter herangehievt werden muss, um die letzten Sekunden der Partie regelkonform verstreichen zu lassen.

Der Heimsieg veranlasste die Heimfans zu lautstarken Gesängen unter dem schönen Giebeldach der historischen Tribüne. Die Rückfahrt ins Nachtquartier erfolgte per Bus, ehe ein warmer und sonniger Tag zu den Klängen von Âme seinen perfekten Ausklang fand.

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18. Februar 2019