Groundhopping

Hannover 96 – FC Union Berlin (01.04.17)

Rund um das erste Wochenende im Monat April boten sich diverse reizvolle Touren in Deutschland an. Den Zuschlag bekam schliesslich die Variante Hannover-Osnabrück-Köln. Je näher der Ausflug kam, desto mehr mauserte sich das erste Duell dieser Reise langsam zum ultimativen Spitzenkampf der zweiten Spielklasse.

Wie es sich für mein Hobby so gehört, wurde direkt mit dem Ferienbeginn in Richtung Zürich aufgebrochen. Dort stand mir und meinen zwei Begleitern Thomas und Cedric der strengste Teil der Reise bevor. Eine Busfahrt über die Nacht in die Hauptstadt Niedersachsens. In Hannover angekommen, entschieden wir uns nach einigen Stunden Schlaf für ein Restaurant am Bahnhof, von wo aus unauffällig das Treiben auf dem Vorplatz beobachtet werden konnte. Ganz so unauffällig waren wir dabei anscheinend doch nicht, denn bereits nach kurzer Zeit wurden wir von einem sportlichen Unioner nach der Herkunft gefragt. Mit unserem Schweizer Hintergrund gehörten wir aber nicht zum präferierten Beuteschema der Hauptstädter. Wenig später machten sich die Fans auch schon zu Fuss auf in Richtung Spielstätte. Wir folgten auf einer anderen Route und durften dabei noch einige Eindrücke der Hannoveraner Innenstadt mitnehmen, die insgesamt einen doch sehr einladenden Eindruck hinterlässt. Am Haupteingang der HDI Arena, die ihren Namen dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie zu verdanken hat, lagen die Karten zur Abholung bereit. Für dieses Spitzenspiel mit dem Tabellenführer als Gastverein hatte ich nämlich bereits im Voraus Plätze auf der Haupttribüne gesichert.

Durch die Berliner Invasion mit einer knapp fünfstelligen Zahl an rotgekleideten Fans gab die linke Stadionhälfte ein einheitliches und vor allem äusserst eindrückliches Bild ab. Der Rest der Arena, die mit 49’000 Zuschauern restlos ausverkauft war, konnte da schlicht nicht mithalten. Und dies ist in meinen Augen auch das Hauptargument, welches gegen die 96er spricht. Denn sind die Clubfarben nun Grün-Schwarz wie das Logo, weinrot wie die Trikots oder doch eher weiss wie der Auswärtsdress? Wer sich dieses Farbdilemma einmal zu Augen führt, weiss auch, warum die Heimkurve daher deutlich weniger imposant daherkommt als der Gästeblock. Auf dem Rasen waren die beiden Mannschaften etwa gleich auf, mit leichten Vorteilen für die Hausherren. Niclas Füllkrug sowie ein Eigentor von Eisern Union brachte Hannover dennoch klar mit 2:0 in Front und kaufte den sangesfreudigen Gästen damit etwas den Schneid ab. Als die Partie bereits in die Endphase ging und somit entschieden war, hatten sie sich jedoch wieder gefangen und gaben den Hit aus Monty Python „Look on the Bright Side of Life“ zum Besten. Sehr stark, dafür eine Eins mit Sternchen.

Der relativ schwache Auftritt und die verhältnismässig tiefe Mitmachquote bei Hannover überraschte die ganze Reisegruppe. Entweder sitzt hier mächtig was vor den Stadiontoren oder Hannover bündelt die ganze Energie für das Derby gegen Braunschweig am kommenden Wochenende. So aber war auch die an sich schöne Hymne kurz vor dem Anpfiff insgesamt wenig berauschend. Für Martin Kinds Knechte sieht es nach diesem Sieg nun allerdings ganz gut aus in Bezug auf den Aufstieg; eine wirkliche Bereicherung für das Oberhaus sehe ich in den Niedersachsen allerdings nicht.

Nach dem Abpfiff folgten wir der Meute von Eisern Union, die sich unmittelbar nach den Stadiontoren wieder mit dem Heimpublikum vermischte. Abgesehen von einem kurzen Einsatz der Wasserwerfer an einer Strassenkreuzung sowie einzelnen Festnahmen konnten wir hier aber keine weiteren nennenswerten Vorkommnisse mehr beobachten.

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26. April 2017