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Hertha BSC Berlin – FC Bayern München (18.02.17)

In der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit gelingt den Bayern tatsächlich noch der Ausgleichstreffer. Sogar Torwart Manuel Neuer war für die letzte Aktion des Spiels – ein Freistoss aus spitzem Winkel – quer über den Rasen des Olympiastadions nach vorne gerannt. Hinter dem Tor übte sich die Ostkurve in einem gellenden Pfeifkonzert, während Robert Lewandowski nach einem Abpraller den Ball mit dem Schlusspfiff ins Tor schiebt.

Dabei hatte die «Alte Dame» das Spiel vorher dominiert und diese Überlegenheit bereits in der ersten Halbzeit in einen Treffer umgemünzt. Doch die Bayern dürfen eben bis nach Spielschluss nicht abgeschrieben werden, auch wenn der Abpfiff, gemessen an der Nachspielzeit zu spät erfolgte. Einige Sekunden früher und der Jubel von 12’000 mitgereisten Bayern-Fans wäre mir und meinem Vater erspart geblieben. Denn auch wenn sich sein fussballerisches Interesse auf wenige TV-Partien im Jahr beschränkt, verbindet uns die Abneigung gegen den Verein aus München. Stimmungstechnisch war der Ausgleich zum 1:1 aufgrund unserer Nähe zum Gästeblock natürlich der (traurige) Höhepunkt, obschon die Ostkurve bis dahin ihre Mannschaft ordentlich unterstützt hatte.

Trotz dem bitteren Ausgang blicke ich positiv auf das Spiel vor 74’667 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion zurück. Lediglich die katastrophale Ticketsituation gilt es als negativer Aspekt zu erwähnen. Wer seine Tickets zur Abholung hinterlegt hatte, musste an einem der sechs kleinen Kassenhäuschen rund eine Stunde anstehen, ehe er die Tickets zu Gesicht bekam. Dieses Konzept sollten die Ticketing-Verantwortlichen schleunigst überdenken, was während dem Spiel auch die Ultras von Hertha mittels Spruchbänder bemängelten.

Der Zusatz «Hertha» rührt übrigens vom Frauennamen her und erklärt damit auch den Übernamen «Alte Dame». Die Hertha war ein Dampfschiff, dass einem der Gründervater des Vereins bei einer Fahrt auf der Havel derart Eindruck hinterlassen hatte, dass er bei der Gründung den Namen und auch die Farben der Reederei vorschlug – beides hat bis heute Bestand.

Nebst dem sportlichen Teil bietet die Hauptstadt Deutschlands natürlich auch sehr viel Kulturelles, darunter das Brandenburger Tor, das ich sofort mit Berlin assoziiere. Zu den restlichen Sehenswürdigkeiten sind weiter unter einige Fotos zu sehen. Gerne möchte ich abschliessend noch einige Worte über die Geschichte dieser Stadt verlieren.

Ein jeder kennt die Weltkriege und den Mauerfall aus der Schulzeit. Dass diese tragischen Ereignisse jedoch Jahrzehnte danach noch derartige Präsenz in einer europäischen Metropole aufweisen, hätte ich nicht für möglich gehalten. Alleine die baulichen Überreste der Mauer sind beeindruckend und erzählen auf der einen Seite eine Geschichte des gegenseitigen Misstrauens und auf der anderen eine der Ungewissheit, für beide aber eine Zeit der Separation. In diesem Bezug ist ein Besuch im Tränenpalast und im DDR-Museum sowie an der Gedenkstätte der Berliner Mauer sehr zu empfehlen. Die andere grosse geschichtliche Thematik handelt meiner Meinung nach das Museum «Topographie des Terrors» mit einer beeindruckenden Dauerausstellung sehr gewissenhaft ab.

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24. März 2017