Groundhopping

Huddersfield Town – Cardiff City (07.05.17)

Wer von Manchester aus mit dem Zug in Richtung Osten der Insel unterwegs ist, sei dies nach Leeds, Hull oder sonst irgendwo hin, fährt zwingend am heutigen Austragungsort vorbei. Dazu gehört auch meine Wenigkeit, die bereits einige Male die pompöse Spielstätte im Vorbeifahren inspizierte. Heute jedoch blieb der Zug am kleinen Bahnhof von Huddersfield stehen und wir stiegen aus. Wir sind in diesem Falle wieder der Thomas und ich, auf dem Weg an unser viertes Spiel auf englischem Terrain innerhalb einer Woche.

Der Weg zum Stadion, welches den Namen einer lokalen Brauerei trägt, führt durch die kleine Innenstadt und bedeutet eine gute Viertelstunde Fussmarsch. Wie gewohnt wurden die gedruckten Papierkarten am Schalter in «originale» Tickets eingetauscht, welche jedoch zu den unästhetischsten in meiner Sammlung gehören werden. Dies, weil man sich hier nicht nur das Stadion, sondern auch das Layout mit dem anderen Sportverein der Stadt teilt – den Giants. So ist Huddersfield auch eher für seine Rugbymannschaft als für die Fussballabteilung bekannt. Vielleicht rührt daher die, für englische Verhältnisse, ungewöhnliche Stadionarchitektur mit geschwungenen Tribünendächern und massiven Stahlverstrebungen. Auch ein weiterer Punkt findet seine Erklärung wohl in der Tatsache, dass die verhältnismässig kleine Stadt zwei Vereine beherbergt. Ich rede von der Stadionauslastung, die sich bei Fussballspielen oftmals etwas dürftig präsentiert. So aber nicht heute und allgemein in der laufenden Spielzeit, zumal die Terrier, der Übername stammt von der in Yorkshire gezüchteten Hunderasse, eine überraschend starke Saison spielen.

So stark sogar, dass sie sich wenige Tage nach dem Erwerb unserer beiden Eintrittsberechtigungen einen Platz in den Aufstiegsspielen sicherten. Pech für uns, zumal so die erhoffte Finalissima zum Trainingsspiel avanciert. So wurden diverse Akteure geschont. Die Tatsache, dass auch Cardiff im gesicherten Mittelfeld der Tabelle steht, nimmt der Affiche noch das letzte Deut an Spannung. Während die Gastgeber diverse Akteure im Hinblick auf die Playoffs schonen, spielt Cardiff mit der gewohnten Elf und fegt Huddersfield gleich mit 0:3 Toren vom Platz. Eine frühe rote Karte gegen den Schlussmann der Hausherren begünstigte das Unterfangen. Zwar wird diese Niederlage von den 20’583 Zuschauern nicht goutiert, viele sind sich den Umständen aber bewusst. Einziger Lichtblick im entferntesten Sinne ist die Unterstützung durch die aktive Meute an Heimfans, die nach mir jedoch etwas zu fest am deutschen Ultra-Gedanken festhalten. Auch bei den mitgereisten Gästen ist erstaunlich wenig Zählbares zu vermelden. Im Gegenteil, so wurde die letzte Auswärtsfahrt zur Mottotour erklärt und einige Trunkenbolde hatten in ihren Bananenkostümen wohl eine wahre Freude. Nur wer sich an die gefürchtete Soul Crew aus Cardiff erinnert, vermag nun enttäuscht zu sein.

Trotz dem schwachen Auftritt zum Abschluss der regulären Spielzeit schafften die Underdogs mit vielen deutschen Spielern sowie dem deutschen Trainer David Wagner die grosse Überraschung. Nach Siegen gegen Sheffield Wednesday setzten sie sich im Wembley glücklich gegen die Mannschaft aus Reading durch. In meinen Augen, ganz im Gegensatz zu den beiden anderen Aufsteigern aus Newcastle und Brighton, sind sie jedoch keine Bereicherung für die höchste englische Spielklasse.

Tags :
13. Juli 2017