Groundhopping

Inverness CT – St. Johnstone FC (08.04.17)

Da sich das Geburtstagsgeschenk von meinen lieben Freund und «Webmaster» Luigi wieder einmal etwas grösser präsentierte, kam ich in den Genuss einer Reise nach Aberdeen. Die Stadt im Nordosten Schottlands stand bei uns schon seit Langem auf der Wunschliste und wurde am zweiten Aprilwochenende sehr zu meiner Freude also erstmals angepeilt.

Über Amsterdam erreichten wir gegen Freitagmittag Aberdeen International, von wo aus noch eine kurze Taxifahrt ins Stadtzentrum nötig ist. Trotz schöner Küstengegend und traumhaftem Hotel mit Meerblick blieb König Fussball natürlich auch heuer Hauptgrund der Reise. Denn der lokale Fussballverein, seines Zeichens erster Verfolger vom Dominatoren Celtic, bittet schliesslich am Sonntag zum Heimspiel gegen den drittplatzierten Rivalen Rangers.

Durch die Festlegung als Fernsehspiel wurde der eigentliche Termin für den Samstag überraschend frei und allfällige Alternativen durften, nach Absprache mit Mäzen Luigi, in Anbetracht gezogen werden. Hierbei versprühte die Variante Inverness den grössten Reiz und bald schon war ein Tagesausflug in die nördlichste Stadt des Vereinigten Königreichs unter Dach und Fach. Gewöhnlich genügt dorthin eine dreistündige Zugfahrt, durch einen temporären Streckenunterbruch mussten wir in der Hälfte jedoch auf den Bus umsteigen. Auf dem Weg zum Tor der Highlands ist genau das zu sehen, was man als Schottlandkenner erwartet. Viele Grünflächen, graue Häuser und Tausende von Schafen.

Die ehemalige Heimstätte des grausamen Königs Macbeth geht insgesamt ganz in Ordnung. Neben dem River Ness und dem Schloss auf der Anhöhe bietet Inverness nämlich auch eine kleine aber feine Altstadt. Für die umliegende Natur mit all ihren Schätzen blieb leider zu wenig Zeit. Vom Stadtzentrum aus ist ein halbstündiger Fussmarsch nötig, um zum Caledonian Stadium zu gelangen. Dieses verzückt durch eine einmalige Lage direkt am Meeresufer. Wie in britischen Gefilden üblich, waren unsere zwei Karten an der Hauptkasse hinterlegt und wir nahmen mittig auf der einen Hintertortribüne unsere Plätze ein. Wenige Reihen vor uns bemühten sich zu Beginn einige Casuals um etwas Stimmung, die Unterstützung verflachte aber ziemlich schnell. Zu schwach sind die Leistungen des Tabellenletzten in der laufenden Spielzeit. Der lange Vereinsname sowie das spezielle Clublogo sind übrigens auf die Fusion der beiden Ursprungsvereine Caledonian FC und Inverness Thistle zurückzuführen. Die Gäste aus St. Johnstone, die etwa zwei Hundertschaften an Fans mitbrachten, stellten somit den klaren Favoriten. Dieser Rolle wurden sie bereits nach wenigen Spielminuten gerecht. «Caley» war zu keinem Zeitpunkt zu einer Antwort fähig. Im Gegenteil, nach einem Platzverweis sowie darauffolgenden Auflösungserscheinungen kann sich der Gastgeber über die 0:3 Niederlage noch glücklich schätzen. „The Pride of the Highlands“ habe ich mir da irgendwie anders vorgestellt. Besonders gegen Spielende hin sündigte der Tabellenvierte doch einige Male im Abschluss. Die 2’961 Zuschauer vor Ort fanden sich vor allem auf der sonnigen Haupttribüne ein, auf die auch wir in der Pause wechselten.

Nach der Niederlage bleibt den Anwesenden nur die Möglichkeit, dem Spielfeld den Rücken zuzudrehen und auf die Nordsee hinauszustarren. Wären die sportlichen Aussichten doch nur annähernd so vielversprechend…

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12. Mai 2017