Groundhopping

Irland – Schweiz (25.03.16)

Wer etwas schwört, der hält sich entweder daran oder schwört nicht. So glaube ich zumindest, hatte ich es als Kind einmal gelernt. Rückblickend hatte ich diesen Grundsatz in jugendlichem Übermut wohl schon diverse Male gebrochen, doch selten war es so offensichtlich gewesen wie bei jetzigem Beispiel. Nachdem ich nämlich im letzten September dem Schweizer Team im Zuge der EM-Qualifikation nach London folgte, hiess es bei mir anschliessend: „Einmal und nie mehr wieder!“ Mit dem Entscheid, gemeinsam mit dem Namensvetter Andrin und dem Nachbarn Flavio nach Irland zum Testspiel der Schweiz zu reisen, wurde dieser vermeintliche Grundsatz nun also gebrochen. Rückblickend würde ich ja gerne behaupten, dass dieses Mal endgültig das letzte war. Die Vergangenheit zeigt aber, dass ich eine solche These lieber unterlasse. Trotzdem rate ich einem jeden Fussballfan davon ab, sich auf ein Gastspiel mit der Schweizer Nati zu freuen.

Angefangen hatte alles einmal mehr ziemlich früh am Morgen des Karfreitags mit der Fahrt an den Flughafen in Basel. Hier natürlich bereits massig rot-weisses Volk vor Ort, welches anschliessend zusammen mit uns den irischen Billigflieger bestieg. Geblendet von der Beinfreiheit nahm ich die Offerte des Namensvetters an und tauschte meinen Platz in der 14. Reihe für einen Gangplatz in der ersten; was sich als grossen Fehler entpuppen sollte. Gefühlt jeder Passagier hatte nämlich während des Fluges, einmal mehr alkoholbedingt einmal weniger, das Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen. Der Höhepunkt folgte dann kurz vor der Landung in Dublin, als ein besonders betrunkenes Exemplar im Sinkflug nach vorne torkelte und direkt vor meinen Füssen zusammenklappte. In solchen Situation verstehe ich die genervte ungeduldige Art des Kabinenpersonals durchaus. Trotz der eigentlichen Anschnallpflicht agierten die uniformierten Herren aber professionell und der „Fan“ durfte seinen Mageninhalt in einen Behälter entleeren. Da sitzt man dann gerne in der ersten Reihe, na?

So war unsere Reisegruppe froh, als am frühen Nachmittag endlich ausgestiegen und der Gang in die Innenstadt angetreten werden konnte. Dort folgte das Wiedersehen mit dem Aachener Hopperkollegen Mirko, welcher der Idee, über den Feiertag die Insel aufzusuchen, ebenfalls in Auge fasste. Langsam realisierten auch wir, dass es am heutigen Feiertag wohl keinen Alkohol geben wird und auch die Pubs ihre Türen geschlossen hielten, sodass sich Zeit für ein wenig Sightseeing ergab. Augenscheinlich auch die Arbeiten für das am Sonntag stattfindende Fest bezüglich des Osteraufstandes. Diesem Unterfangen der „Irish Volunteers“ wird mit dem 100-maligen jähren Tribut gezollt. Der Aufstand scheiterte zwar, gilt aber dennoch als Wendepunkt in den Unabhängigkeitsbestrebungen der späteren Republik Irland.

Da hätte sich die Schweizer Elf bei ihrem Auftritt am späteren Abend ein Vorbild an den tapfer kämpfenden irischen Republikaner nehmen sollen. Denn was die Herrschaften in Rot am heutigen Tage im einseitig abgeflachten Aviva Stadium zeigten, war deutlich zu wenig. Bereits nach zwei Minuten schlug es nämlich im Gehäuse der Gäste ein, sodass Irland fortan das Zepter in die Hand nehmen konnte und die Partie in allen Belangen, stets äusserst ruhig und kontrolliert, dominierte. Die Schweiz kam über die ganze Spieldauer zu keiner nennenswerten Chance und unterlag den Iren vor 35’450 Zuschauern somit folgerichtig mit 1:0.

Um mit einem Blick auf die Stimmung den Beitrag abzuschliessen, soll erwähnt werden, dass aus dem St. Galler Umfeld etwa fünf Personen gesichtet wurden, während der Feind aus Zürich wie gewohnt etwas zahlreicher erschienen war. Gesungen wurde nur sporadisch und wenn dann die bekannten (schlechten) Melodien, ehe ein jeder langsam seinen Missmut im Innern des Stadions, wo als wohl einziger Ort in der ganzen Republik Irland kein Trinkverbot auferlegt wurde, ertränkte…

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25. März 2016