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Juventus FC – Atalanta Bergamo (03.12.16)

„Juventinische Wochen“ hier bei Andrin Unterwegs. Denn nach dem Auswärtsspiel der „Alten Dame“ am vorherigen Wochenende in Genua folgt nun der Heimauftritt gegen Atalanta Bergamo. Ein weiterer Höhepunkt hätte das Stadtderby im Torino-Stadion am darauffolgenden Sonntag dargestellt, welches aber mangels motivierter Mitfahrer und umständlicher Anreise schliesslich fallen gelassen wurde. Aber was spreche ich hier bereits von einem allfälligen zweiten Besuch im Piemont, wenn mittlerweile erst der erste unmittelbar vor einem liegt?

Da ich im Oktober im Kampf um den kleinen Restposten an Eintrittskarten für das Spiel gegen Napoli leer ausgegangen war, wurde dieses Mal bereits frühzeitig ein Auge auf den Vorverkaufstermin geworfen. Doch wie eigentlich fast immer bei wichtigen Käufen, zeigte sich auch dieses Mal das gängige Ticketportal „Listicket“ von seiner schlechten Seite und erst beim gefühlt zehnten Versuch meiner Freundin konnte die Bestellung für zwei Karten unmittelbar neben dem Gästeblock erfolgreich verarbeitet werden. Der zugeteilte Platz neben dem Auswärtsblock tönt zunächst etwas unglücklich, wobei diese Feststellung revidiert werden kann, da ich sowieso dem Gästeteam die Daumen drücke und mit dem Krösus Juventus seit jeher relativ wenig am Hut habe.

Und weil Atalanta die letzten neun Spiele allesamt in beeindruckender Manier für sich entschieden und ich in der Vorwoche wie gesagt Zeuge einer Niederlage der Schwarz-Weissen wurde, wagte ich es, eine gewisse Geldsumme in einer Kombi-Wette unter anderem auf Atalanta zu setzen. Mit dem allfälligen Gewinn hätte ich übrigens gut und gerne eine weitere Reise finanzieren können. Leider scheiterte das Unterfangen an ebendieser Partie. Aber der Reihe nach. Per Flixbus machte ich mich mit meiner geschätzten „Ticketbeschafferin“ direkt nach getaner Arbeit auf in Richtung München, was laut Busliniensuche mit einem Umstieg dort die einfachste Route nach Turin war. Später musste ich dann aber erkennen, dass der entsprechende Fernbus am späten Abend auch in Chur einen Zwischenhalt hatte und wir uns so den Umweg über Deutschland hätten sparen können. Aber man lernt bekanntlich nie aus. So blieb in München immerhin genug Zeit für ein gemeinsames Nachtessen, ehe die Stunden bis zur Ankunft am frühen Morgen so gut wie möglich schlafend verbracht wurden. Die Bushaltestelle befindet sich etwas ausserhalb vom Zentrum und bei diesem tristen Wetter zeigt sich Turin noch weniger einladend als sonst, sodass wir nach dem ausfindig machen einer passenden Buslinie kurze Zeit später etwas Schlaf im Hotel nachholten.

Anschliessend blieb durch die späte Anspielzeit ja mehr als genügend Zeit um die Stadt zu erkunden. Die Stadt im Piemont ist mit ihren gut 900‘000 Einwohner die viertgrösste Italiens. Am Flusse Po liegend ist die ehemalige Hauptstadt zudem Sitz vom bekannten Autohersteller Fiat. Weitere Sehenswürdigkeiten wie das nationale Kinomuseum mit seinem imposanten Turm als Wahrzeichen sowie die beiden Plätze, Piazza Castello und Piazza San Carlo, wurden natürlich auch besucht und finden sich in der Bildergalerie am Beitragsende. Wie bei unseren südlichen Nachbarn üblich, wusste auch dieses Mal die italienische Küche vollends zu überzeugen. Gegen Abend hin setzten wir uns mangels Alternativen für den Weg bis zum Stadion in ein Taxi, da die Spielstätte (typisch für Neubauten) ungünstig am Stadtrand liegt. Ebenfalls kein Novum sind die fehlenden Transportmöglichkeiten für den Rückweg nach Spielschluss. Schon erschreckend, befindet man sich hier immerhin zu Besuch beim Krösus eines Fussballlandes. Dekadent und fern vom traditionellen Fussball wie ich bin, wurde im integrierten Einkaufszentrum vorab noch Sushi gekauft und dieses an den Eingangskontrollen vorbei ins Stadioninnere geschmuggelt. Ist mal so gar nicht Ultra-like, ich weiss.

Das erste, was ich mich jeweils bei Spielbesuchen in Italien frage, ist, ob die Gästefans angereist sind. Diese Frage konnte am heutigen Abend glücklicherweise mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden. Sowohl Ober- als auch Unterrang waren bis auf den letzten Platz mit Bergamasci gefüllt. Neben einem stimmlich guten Auftritt gedachten die Sostenitori von Atalanta zu Spielbeginn zudem mit einer kleinen Blockfahne den Opfern des Flugzeugabsturzes von Chapecoense. Der Gästeblock im modernen Juventus Stadium überzeugte auch im Anschluss wie bereits erwähnt zum Grossteil der 90 Minuten, wobei es verständlich ist, dass einem mit dem weiteren Spielverlauf irgendwann etwas die Luft ausgeht. Für ordentlich Pöbel reichte es aber immer, wobei sich bei mir in diesem Zusammenhang vor allem ein kleiner Junge aus der Atalanta-Kurve sehr in den Sympathiebereich spielte, als er immer wieder von vulgären Gesten unterstrichen ein Zettel mit der Aufschrift „Juve Merda“ an die Glasabtrennung des Gästeblocks hielt. Auch von Seiten der Juventini wurde mit Provokationen nicht gegeizt. This is football!

Die Heimseite rund um die Gruppierung Drughi (russisch für Freunde) und Viking konnte neben einem gelungenen Zebrafahnen-Intro kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da ich von einem Kollegen darüber aber bereits vorgewarnt wurde, hielt sich die Enttäuschung über den mauen Support in Grenzen. Trotzdem etwas dürftig für die Anhängerschaft des 32-fachen italienischen Meisters.

Für den Lichtblick an diesem kalten Dezemberabend sorgte nicht Stephan Lichtsteiner als prominenteste Schweizer Vertretung, sondern Remo Freuler im Dienste von Atalanta Bergamo, der Gianluigi Buffon in der Schlussphase noch zum 3:1 Ehrentreffer bezwingen konnte. Ansonsten war Atalanta zumindest in Halbzeit eins dem Powerfussball von Juve total ausgesetzt und musste einiges an Lehrgeld bezahlen. Die eindrückliche Serie von Atalanta reisst also an diesem Abend vor 39’110 Zuschauern. Und trotzdem, Avanti Atalanta! Am Folgetag wurde ausgeschlafen, ehe nach einem reichhaltigen Frühstück langsam der Nachhauseweg angetreten wurde. Durch eine Zugverspätung in der Schweiz kam uns zudem das Privileg zuteil, die neue NEAT-Röhre und damit das längste Eisenbahntunnel der Welt ein erstes Mal zu durchfahren. Bis zur Ankunft in der heimischen Gallusstadt um 23 Uhr wurde zudem noch etwas an diesem literarischen Werk gearbeitet.

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23. Dezember 2016