Groundhopping

FC Lausanne-Sport – FC Sion (22.06.13)

Die Sommerpause ist eindeutig die schlimmste Zeit für einen Groundhopper! Wenn man dann auch noch aufgrund eines Sprachaufenthalts in der wenig fussballbegeisterten Westschweiz gelandet ist, kann es einem fast zum Verzweifeln bringen. Darum war ich froh, als ich vom Testspiel zwischen Lausanne-Sport und dem FC Sion in Cheseaux-sur-Lausanne gehört habe. Cheseaux-sur-Lausanne ist ein Dorf im Kanton Waadt mit knapp 4000 Einwohnern. Die 1. Mannschaft spielt in der 2. Liga interregional. Aufgrund des 40. Geburtstag des Fussballclubs kam es an diesem Wochenende zu den Feierlichkeiten. Den Höhepunkt dieser Feierlichkeiten war das Testspiel zwischen den beiden Superligisten Lausanne-Sport und dem FC Sion.

Es ist nicht nur das Spiel selbst, die 90 Minuten, die einen Groundhopping-Ausflug ausmachen. Es ist der Moment in dem der die Planung für das nächste Spiel beginnt, die Anreise, der Austausch mit Einheimischen und das Geniessen einer Wurst abseits des Spielfeldrands. In diesem Falle war die Anreise jedoch alles andere als leicht. Das Spiel begann um 17:30 und ich begann die Reise ins 30 Kilometer entfernte Zielort bereits 2 Stunden vor Spielbeginn. Eigentlich zu früh, aber eine innere Stimme sagte mir, das heute nicht alles so verlaufen wird, wie erhofft.

Doch der Reihe nach: Ich nahm den Zug aus dem historischen Städtchen Rolle, welches für 2 Monate mein Zuhause ist, Richtung Renens, ein Vorort der Stadt Lausanne. Von dort sollte ich den Bus Nummer 33 Richtung Prilly nehmen. Dieser kam jedoch nicht, sodass ich mit dem Bus Nummer 38 Vorlieb nehmen musste, welcher ganz in der Nähe halten würde. Doch aufgrund einer Verfolgungsjagd und eines ausgebreiteten Nagelstreifen, einem Reifenkiller, wurde uns der direkt Fahrweg blockiert. So schaffte ich es ultraknapp in die Regiobahn nach Cheseaux. Unglücklicherweise bin ich genau im Wagen der Lausanne-Fans gelandet, welche bereits bei der Anfahrt für Stimmung sorgten. In Cheseaux-sur-Lausanne angekommen, führten mich die zahlreichen Fans zum „Terrain de Foot“ welches unweit des Bahnhofes liegt.

Nun aber komme ich langsam zur Hauptattraktion des Tages: Das Spiel fand bei absolut perfektem Wetter statt. Die 1’200 Zuschauer sahen ein unterhaltsames Spiel bei dem vorallem in den ersten 30 Minuten die Walliser Oberwasser hatten. Je näher man dem Ende der ersten Halbzeit kam, um so merkte man, dass die Spieler aus Lausanne über die bessere Kondition verfügten. Mit einem 0:0 ging es in die Pause. In der zweiten Halbzeit war es in der 66. Minute Lausanne’s Neuzugang Bashkim Sukaj der einen guten Sololauf durch die Walliser Hintermannschaft mit einem Tor krönte. Zum weiteren Spielverlauf passt folgende, vielzitierte Fussballfloskel: „Lausanne will nicht mehr, Sion kann nicht mehr.“ So ging Lausanne-Sport nach 90 Minuten als Sieger vom Platz. Der 1:0 Sieg der Lausanner ging in Ordnung wie der Sion Trainer Michel Decastel nach dem Spiel eingestehen musste.

Mit einer guten Wurst ging für mich der gelungene Tag im Zeichen des Fussballs zu Ende.

Was es noch zu sagen gibt: Vor dem Spiel wurden noch die Preise für die Saisonkarte der Lausanner bekannt gegeben. Wenn ein Lehrling für ein Stehplatzabo seines abstiegsgefährdeten Clubs 295.- Franken bezahlen muss ist das einfach zu viel. Im Vergleich, das Abonnement im St.Galler Espenblock kostet einen Lehrling gerade mal 155.- Franken. Da muss man sich nicht fragen, warum sich vielmehr Jugendliche in Lausanne für das gerade aufgestiegene Team des HC Lausanne begeisterten und der Fussball in den Hintergrund rückte.

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23. Juni 2013