Groundhopping

Leicester City – Watford FC (06.05.17)

Was haben die Mondlandung, selbstfahrende Busse und der Meistertitel von Leicester City gemeinsam? Genau, sie wurden allesamt nie für möglich gehalten. Tatsachen sind sie trotzdem alle drei geworden. Während die ersten beiden «Wunder» zumindest teilweise mit dem Fortschritt der Technik und dem unermüdlichen Streben des Menschen zu erklären sind, ist mir das letztgenannte Beispiel weiterhin ein Rätsel. Ich meine, wie gross ist denn eigentlich die Chance, dass ein Abstiegskandidat ohne grossartige Wechselrotationen über die Sommerpause hin zum gefürchteten Überflieger heranwächst? Ich selbst kann mir diese Frage nicht beantworten. Fest steht jedoch, dass in Leicester eine Mannschaft entstanden ist, der als Einheit etwas Einmaliges gelungen ist. Eben dieses nie für möglich gehaltene Wunder.

Ebenfalls an ein Wunder grenzt die Tatsache, dass Thomas und ich am Samstagnachmittag rechtzeitig im King Power Stadium sassen. Doch der Reihe nach. Wie exakt vor einer Woche standen Thomas und ich pünktlich am Gate zum Überflug auf die Insel. Der Start erfolgte ebenfalls planmässig. Einziges Manko bei dieser frühen Abflugzeit stellte der fehlende Schlaf dar. Damit kann unser Duo aber leben, schliesslich kann diese Zeit im Flugzeug nachgeholt werden. Lediglich zweimal unterbrach das Kabinenpersonal meine süssen Träume. Das erste Mal für die Verpflegung an Bord und das zweite Mal, nanu, wiederum für die Verpflegung an Bord. Für den extra «Leckerbissen» bedankten wir uns natürlich artig und ein jeder widmete sich wieder, ohne gross weiter darüber nachzudenken, dem Reich der Träume. Der Anflug auf Birmingham wie immer wolkenbedeckt. Beim Aussteigen den Stewards sowie dem Kapitän freundlich zugenickt, die auf mich irgendwie etwas schamvoll wirkten. Komisch.

Als wir schliesslich in den Bus stiegen, der uns zum Terminal brachte, fielen wir wortwörtlich aus allen Wolken. «Willkommen am Flughafen Zürich» stand da nämlich klar und deutlich an der Anzeige geschrieben. Sehr zur Unterhaltung der übrigen Passagiere verstanden wir beide nun endlich ebenfalls die Situation. Man war nie weg. Oder doch? Unsere Sitznachbarin schaffte Abhilfe, indem sie erklärte, dass auf der Höhe der Normandie aufgrund eines technischen Defekts der Rückweg angetreten wurde. Geografisch gesehen macht dieses Manöver zwar wenig Sinn, jedoch ist das Überfliegen des Ärmelkanals im vorliegenden Falle verboten. So durfte die Dame am Infoschalter energisch penetriert werden, ehe wir auf den einzigen Flug umgebucht wurden, bei dem die Reise, mal abgesehen von den horrenden Zugkosten, noch Sinn ergab. Alsbald sassen wir also im Flieger mit Ziel London, von wo aus mit viel Glück der Weg bis nach Leicester hinter uns gebracht werden konnte. Noch ein Taxi bis zum Ground und da wären wir also doch.

Die hinterlegten Karten für den Gästeblock gab man uns nach einer kurzen Diskussion ebenfalls heraus, sodass wir wenig später mitten in den Fans von Watford am unteren Seitenrand des Spielfelds standen. Weder die Anhängerschaft noch der Verein aus dem Londoner Vorort liegt mir besonders am Herzen, seit meinem Besuch an der Vicarage Road und der «Booking History» bei den Hornets, sind für mich aber auch für die grösseren Partien Karten zu erwerben.

«Unsere» Hornissen rissen am heutigen Tag weder auf den Rängen noch auf dem Platz grossartig Bäume aus, sodass der amtierende Meister vor 31’628 Zuschauer zu einem ungefährdeten 3:0 Heimerfolg kam. Natürlich konnte sich auch ein gewisser Riyad Mahrez in den Reigen der Torschützen eintragen. Vom Support her ging auch beim Heimteam wenig, sodass das einzige, was heute das Prädikat «spektakulär» verdiente, die Spielunterlage mit ihrem sehenswerten Muster war.

Genauso eintönig wie der moderne All-Seater präsentiert sich die Stadt Leicester, sodass wir nach einer indischen Mahlzeit bald schon den Zug in Richtung Manchester bestiegen und dieser ohne technische Probleme seine Destination erreichte. Soll ja anscheinend nicht immer so sein.

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10. Juli 2017