Groundhopping

Manchester United – Swansea City (30.04.17)

Kaum ein Fussballspiel verging bisher, ohne dass mir nicht irgendein Zuseher mit einem Fanutensil des wohl grössten Vereins aller Zeiten über den Weg gelaufen ist. Klar mögen nun einige Zungen behaupten, das Barcelona oder Madrid den «Red Devils» längst den Rang abgelaufen haben. Wirtschaftlich gesehen ist der Verein aus Manchester aber weiterhin die Nummer eins, wobei in der laufenden Spielzeit mit dem Gewinn der Europa League sogar in sportlicher Hinsicht wieder einmal für Schlagzeilen gesorgt werden konnte.

Diese Neuigkeit mag den traditionellen Fussballfan erfreuen, jedoch ist sie mit Vorsicht zu geniessen. Schliesslich heissen die Hauptakteure im «Theatre of Dreams» nicht mehr Eric Cantona, Paul Scholes oder Ryan Giggs. Viel mehr ist die Truppe heuer nämlich ein bunt gemischter Haufen aus internationalen Topstars, die individuell eine unglaubliche Klasse mitbringen. Glücklicherweise ist der Erfolg im Fussball aber bis heute (noch immer nicht) vollständig käuflich. Und so müssen die Herren unter der Leitung von Jose Mourinho weiterhin darauf warten, um auf die ganz grosse Bühne zurückzukehren.

Dem grossen Zuschauerzuspruch tut dies aber nichts zum Abbruch und auch bei vermeintlich eher kleineren Spielen, wie beispielsweise am heutigen Tage gegen die Mannschaft aus Wales, war das legendäre Old Trafford mit 75’271 Zuschauern proppenvoll. Zugegeben, hier muss ein jeder Fussballfan einfach einmal gewesen sein. Ein Blick ins kompakte Rund mit dem bekannten Stretford End entschädigt für die Massen an Touristen, die fehlende Stimmung sowie ein insgesamt äusserst fades Spiel. Denn ohne Ibrahimovic und Pogba tat sich United gegen die abstiegsgefährdeten Waliser lange schwer und es war schliesslich Oldie Wayne Rooney, der das Publikum nach einer Schwalbe von Rashford mit seinem Treffer vom Elfmeterpunkt aus erlöste. Die Freude darüber währte jedoch nur kurz, zumal bald darauf ausgleichende Gerechtigkeit folgte. Sigurdsson im Dienste der Gäste markierte, wie bereits gestern, per traumhaften Freistoss den Treffer zum 1:1. Dabei blieb es und die beiden Tore resultierend aus Standards waren Sinnbild für dieses laue Duell.

Muss schon ordentlich wehtun, wenn man als echter Fan dabei zusehen muss, wie der eigene Herzensverein mehr und mehr zum Produkt modernen Marketings verkommt und einem in Stadionnähe sogar beim Pub-Besuch einige Pfund an Eintritt abgeknöpft werden.

Tags :
3. Juli 2017