«Du warst gestern schon in Limassol», sagt mir die Mutter der Nummer 11 und spricht mich stolz auf den Torschützen an. Ihren Sohn, Michalis Kolias, solle ich unbedingt in meinem Bericht erwähnen – nachdem ich ihr den Grund für meine erneute Anwesenheit in einem zypriotischen Fussballstadion offenbart hatte. Und ein Versprechen an eine Mutter wird gehalten.
Madame Kolias gehört zu den rund dreissig, mehrheitlich aus Familien bestehenden Gästefans aus dem Stadtteil Zakaki in Limassol, die auf der kleinen Gegentribüne des Ammochostos-Stadions Platz genommen haben. Das Stadion in Larnaka ist auf drei Seiten ausgebaut und heute mit 750 Zuschauern gefüllt. Für Nea Salamis stellt es seit Jahren eine Art Exil-Heimat dar, nur wenige Minuten vom Stadion ihres Rivalen Anorthosis Famagusta entfernt. Der Nachbar ist zugleich auch der historische Gegenspieler – war Salamis doch in der Antike die wichtigste und grösste Stadt Zyperns. Nach Erdbeben und arabischen Angriffen im frühen Mittelalter wurde sie aufgegeben, und die Bewohner gründeten unweit davon eine neue Stadt: Famagusta.
Auch 1948 kam es zu einer Gründung, diesmal im Schatten der politischen Spannungen zwischen Linken und Rechten während des Kalten Kriegs. Wie vielerorts auf Zypern führte die Spaltung zum Bruch mit dem Mutterverein und zur Entstehung eines neuen Klubs. Nea Salamina steht politisch klar auf der linken Seite und trägt entsprechend Rot, während Anorthosis in Blau-Weiss das nationalistisch-konservative Lager repräsentiert. Ein mögliches Stadtderby in der kommenden Saison wäre also ein Geheimtipp – auch wenn es seit der türkischen Besetzung nicht mehr im nordzypriotischen Teil stattfinden kann.
Die kleine Fanszene trumpft mit solidem Liedgut auf, das neben Gesängen von Raja und Partizan auch einige unbekannte Melodien bereithält. Insgesamt besteht der Haufen aus einer guten Mischung aus Jung und Alt; sogar ein Mann mit Krücke steht direkt neben dem Capo-Podest. Nur die Fahnen stören das Gesamtbild ein wenig. Während die Zaunfahne der «Red Rebels» noch liebevoll gemalt daherkommt, sind die Exemplare der Sektionen aus Nikosia und Limassol – wie so oft hier – gedruckt.
Meine Sitznachbarin Madame Kolias darf nach dem Tor ihres Sohnes lange Zeit auf ein Remis beim Tabellenführer hoffen – was für den Vorletzten der 2. Liga ein Achtungserfolg gewesen wäre. Doch wie so oft, wenn das Glück fehlt und dem Gegner ein bisschen mehr gelingt, bringt in der Nachspielzeit ein umstrittener Penalty das 2:1 und so doch noch den erwarteten Heimsieg.







